Paulas Nachrichten

Paula will eine Europa-Ente bleiben

25.06.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Er hat ganz knapp zu mir gesagt: „Ah, hallo, Paula“, hat er gesagt. Dann hat er ganz aufgeregt mit seinen Kollegen weitergeschnattert, äh, weitergesprochen. Ich habe einfach zugehört. Denn beim Zuhören kann man als Reporter-Ente eine ganze Menge lernen. Aber hier habe ich die ganze Zeit nichts verstanden. Ich habe immer nur ein ganz komisches Wort rausgehört.

Deshalb habe ich einfach mal dazwischengeschnattert: „Was? Brech’ sie? Wer wird gebrochen?“

Der Andreas hat aufgehört mit seinen Kollegen zu reden. Er hat mich ganz groß angeschaut: „Brech’ sie? Wer soll was brechen? Hä? Ah, du meinst Brexit!“

Da war wieder das komische Wort. „Brecksitt? Sag ich doch! Aber was soll das denn sein?“, habe ich geschnattert.

„Also, Paula“, hat mir der Andreas erklärt, „das schreibt man ,B-r-e-x-i-t‘. Das Wort gab es eigentlich gar nicht. Aber dann hat man es neu gebildet. Und zwar aus zwei anderen Wörtern. Denn plötzlich hat man das Wort gebraucht. Das Land Großbritannien liegt auf einer großen Insel. Und das Land will aus der Europäischen Union austreten. Und für diesen Austritt hat man das neue Wort gebildet. Großbritannien heißt auf Englisch und abgekürzt nämlich ,Britain‘. Von dem Wort ,Britain‘ haben sie die Buchstaben ,Br‘ genommen. Und dann gibt es noch das Wort ,Exit‘. Das heißt einfach ,Ausgang‘ oder ,austreten‘. Das haben sie ganz genommen. Also heißt ,Brexit‘: Die Briten auf ihrer Insel treten aus der Europäischen Union aus.“

Er hat mir die Insel dann auch auf unserem großen Globus gezeigt. Aber ich habe das immer noch nicht verstanden: „Wie?“, habe ich geschnattert, „die wollen aus Europa austreten? Aber das ist doch unser Erdteil! Wie wollen die denn da austreten? Wollen die mit ihrer Insel weiter raus ins Meer rudern oder was?“

Der Andreas musste lachen. Er hat mir geantwortet: „Nee, nee, die können mit ihrer Insel nicht weiter weg rudern – auch wenn das manche vielleicht wollen. Aber die können aus der Europäischen Union austreten. Darüber haben sie jetzt abgestimmt. In der Europäischen Union haben sich 27 europäische Länder zusammengeschlossen. So eine Union ist wie ein Verein. Ja, oder eher noch wie ein großes Land.

„Ah“, habe ich gemeint, „ein Land, in dem Länder drinnen sind!“

„Genau, äh, ja, so ähnlich“, hat der Andreas gemeint, „das ist gar nicht so leicht zu erklären. Na ja, also, pass auf: Die Länder können ja normalerweise alles selber bestimmen und sich selber Gesetze geben. Aber in der Europäischen Union sagen die Länder: ,Manche Gesetze werden von der Europäischen Union für alle gemacht‘. Dann sind sie für alle gleich. Viele Länder haben zum Beispiel das gleiche Geld – den Euro. Und es gibt keine Grenzkontrollen zwischen den Ländern. Ja, und die Menschen und Zeitungsenten aus den verschiedenen Ländern können auch ganz einfach in einem anderen Land von der Union leben und arbeiten. Hm, die Länder können auch einfach miteinander Handel treiben. Firmen können also einfach und ohne an einer Grenze dafür etwas zu bezahlen an eine andere Firma in einem anderen Land von der Union etwas verkaufen.“

„Äh, das hört sich ja aber gut an“, habe ich gemeint. „warum wollen die Briten dann nicht mehr mitmachen?“, wollte ich wissen.

„Tja“, hat der Andreas gemeint, „Großbritannien war früher, vor vielen, vielen Jahren, ein sehr starkes und mächtiges Land. Das sind sie heute nicht mehr. Sie glauben: Die Europäische Union ist daran schuld. Und viele von ihnen glauben: ,Wenn wir da austreten, werden wir wieder stark.‘ Aber das ist nicht so.“

Dann hat er weitergesprochen: „Jetzt sind die Briten allein. Und wir haben in der Europäischen Union ein großes Land und viele Menschen weniger. Das ist auch richtig blöd. Die Menschen haben vieles über Europa vergessen. Früher haben die großen Länder immer gegeneinander Krieg geführt. Im letzten großen Krieg noch haben die Deutschen auch gegen die Franzosen gekämpft. Und gegen die Briten auch. Jetzt sind wir Freunde.

Kluge Menschen haben nämlich gleich nach dem Krieg die Europäische Union gegründet. Sie haben sich überlegt: ,Wir müssen ganz eng zusammenarbeiten. Der eine hat die Fabriken, der andere die. Und ohne den anderen kann der eine gar nicht überleben. Wir sind dann wie eine große Familie. Man streitet sich schon einmal, aber man kämpft nicht gegeneinander. Dann können und wollen die Länder nie mehr Krieg gegeneinander führen.‘ Das war die alte gute Idee von Europa. Aber viele Menschen wissen das nicht mehr. Das ist schade!“

Dabei hat der Andreas ganz traurig geguckt. Ich habe ihn in den Arm genommen und gemeint: „Sei nicht traurig! Die Enten werden nie aus Europa austreten. Ich werde immer eine Europa-Ente bleiben!“ Eure Paula

Paulas Nachrichten

Paula wundert sich über die Rollenten

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche war ich natürlich wieder in der Stadt unterwegs. Obwohl es sehr, sehr kalt war. Aber mein schickes Zeitungsgefieder leistet mir da dann ganz gute Dienste. Normalerweise begrüßen mich immer die Menschen ganz lieb. Die sagen dann: „Ah, hallo, Paula!“ Oder…

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