Paulas Nachrichten

Paula will auch zur Kanzlerin

05.03.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas in die Redaktion gekommen. Der hat gerade etwas am Computer gearbeitet. Das macht er ja sehr oft. Man darf ihn dann aber trotzdem immer ansprechen. Deshalb habe ich gesagt: „Hallo, Andreas! Na, was schreibst du denn schönes?“

Der Andreas hat mich aber gar nicht angeguckt. Er hat weiter auf den Bildschirm geschaut und leise und langsam gesprochen: „Eigentlich gar nichts. Ich muss nur, hm, äh, warte mal, äh, na, äh, lass’ mich mal kurz das in Ruhe machen, ich muss da aufpassen . . .“

Dann hat er einfach weiter auf den Bildschirm geguckt. Ich bin daneben stehen geblieben. Ich war ganz ruhig und habe ihm mit meinen runden Entenäuglein zugeschaut.

Es hat auch nicht lange gedauert. Dann hat er mich angesehen und gemeint: „So, Paula, fertig! Entschuldige! Aber jetzt habe ich Zeit für dich!“

„Ist schon in Ordnung“, habe ich gemeint. „Ich dachte nur, du bist ja so ein Multisaftdings oder so!“

Der Andreas hat mich angeschaut wie ein Auto. So gucke eigentlich ja ich immer – wenn ich mal etwas nicht verstehe.

„Ich bin ein Multisaftdings? Hä? Was soll das denn heißen? Wenn ich du wäre, würde ich gleich losschnattern: ,Das ist aber frech von dir! Na warte! Ich werde dich gleich mit meinem orangenen Schnabel in den Hintern kneifen!‘“

Dann hat er mich mit noch größeren Augen angeschaut. Und er musste plötzlich loslachen: „Multisaftdings? Ha! Ich weiß was du meinst. Du meinst ,Multitasking‘. Ich kann ja sonst immer verschiedene Sachen auf einmal machen. Das bedeutet ja Multitasking. Denn ,Multi‘ ist das Römerwort für ,viele‘ und ,tasking‘ kommt vom englischen Wort ,task‘. Und das heißt ,Aufgabe‘.“

„Richtig!“, habe ich geschnattert. „Sonst kannst du doch auch schreiben und reden zugleich. Aber jetzt wolltest du das nicht machen!“

„Stimmt! Ich musste ganz genau aufpassen. Ich habe eine wichtige Nachricht geschrieben. Da musste alles stimmen. Dann sollte man nicht etwas anderes auch noch machen. Sondern nur die eine Sache. Und dann macht man danach das andere. Das ist eigentlich das Beste. Dann klappt alles.“

„Ah, das verstehe ich“, habe ich gemeint. Und ich habe gefragt: „Und was hast du gerade so wichtiges gemacht?“

„Ich musste mich akkreditieren, Paula“, hat der Andreas geantwortet.

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe gemeint: „Was hast du mit Tieren gemacht?“

Der Andreas hat gesagt: „Mit Tieren? So falsch ist das gar nicht. Am nächsten Dienstag kommt nämlich ein ganz hohes Tier nach Nürtingen in die Stadthalle. Da kommt die Bundeskanzlerin! Die Angela Merkel! Zu so wichtigen Menschen sagt man ja auch manchmal ,hohes Tier‘! Aber ansonsten hat das Wort nichts mit Tieren zu tun. Ich habe gesagt ,a-k-k-r-e-d-i-t-i-e-r-e-n‘. Das heißt: Ich melde mich für den Besuch von der Kanzlerin bei ihrer Partei an. Ich will nämlich darüber schreiben. Und da muss man sich akkreditieren. Das Wort kommt vom Römerwort ,accredere‘. Das heißt ,Glauben schenken‘.“

„Ah“, habe ich gemeint, „und was glauben die dir?“

„Die glauben mir, dass ich Journalist bin und über den Besuch berichten will. Und dass ich ein braver Bube bin und der Kanzlerin nichts antue.“

Das hat mich alles neugierig gemacht. Ich habe gesagt: „Duuuu, dürfen da nur Journalisten hin?“

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas geantwortet, da dürfen eigentlich alle Bürger hin. Aber das wollten eben sehr viele. Und da musste die Partei von der Kanzlerin Eintrittskarten dafür austeilen. So wissen die, wie viele kommen. Und dann wird das auch nicht chaotisch. So können die Polizei und ihre eigenen Personenschützer gut auf sie aufpassen. Ich darf jetzt auf jeden Fall auch rein in die Halle. Vielleicht bekomme ich auch einen guten Platz. Dann kann ich unseren Lesern richtig gut berichten.“

„Äh, duuuu, meinst du ich könnte auch zur Kanzlerin? Wir sind ja beide ganz berühmte Mädels!“, habe ich dann ganz lieb gefragt.

„Na ja, Paula“, hat der Andreas geantwortet. „Dann müsstest du dich auch akkreditieren. Aber dazu brauchst du erst einmal einen Presseausweis. Der beweist: Die Paula ist bei der Presse!“

Er hat dann mit seinem Kollegen, dem Fotografen, eine Weile gesprochen. Sie haben gelächelt. Der hat dann ein Bild von mir geknipst. Tja, und dann habe ich so etwas wie einen Presseausweis bekommen. Das hat mich ganz arg stolz gemacht.

„So“, hat der Andreas gesagt, „jetzt könnte das klappen. Aber ich habe noch eine andere Idee. Ich kann ja von drinnen vom Besuch der Kanzlerin berichten. Und du kannst auf jeden Fall vom Platz vor der Halle berichten. Da wird nämlich auf einer großen Leinwand die Rede von der Kanzlerin übertragen. Und alle Menschen können kommen. Dazu braucht man keine Eintrittskarte.“

Das ist eine tolle Idee! Vielleicht sehen wir uns ja da, liebe Kinder! Eure Paula

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