Paulas Nachrichten

Paula will auch den Regen riechen

11.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich mal zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Es ist ja immer sehr heiß gerade. Und trocken. Aber diesmal hat es am Himmel dunkle Wolken gehabt.

Der Andreas hat mich begrüßt: „Ah, hallo, Paula. Du hast dich bestimmt beeilt. Denn du hast sicher auch den Regen gerochen, oder?“

Ich habe den Andreas so groß wie ein Auto angeschaut und gemeint: „Äh, wie das denn? Regen kann man doch nicht riechen. Das ist doch ganz sauberes Wasser. Das riecht doch nicht!“

Der Andreas hat gleich den Schnabel, äh, den Mund aufgemacht. Er wollte wieder etwas sagen. Aber ich war schneller. Denn mir ist etwas eingefallen.

„Ach so“, habe ich losgeschnattert, „das ist bestimmt wieder so ein komischer Spruch. So eine Redensart. Du meinst damit bestimmt: ,Ich weiß, dass es regnen wird.‘ Wegen den Wolken. Oder wegen der Wettervorhersage im Radio oder im Internet oder so. Dann kann man sagen: ,Ich rieche den Regen.‘ Gell?“

Jetzt hat der Andreas ganz groß geguckt. Aber er hat dann auch gleich ganz lieb gelächelt. „Du bist aber schlau, Paula. Jetzt hast du mir mal etwas ganz toll erklärt. So wie ich dir ab und zu was erkläre. Sehr schön! Aber ich meine doch etwas anderes. Regen kann man wirklich riechen! Auch wenn Wasser eigentlich nicht riecht!“

„Na, wie jetzt?“, habe ich wieder geschnattert. „Riecht Wasser jetzt oder riecht es nicht?“

„Das Wasser riecht nicht“, hat der Andreas geantwortet, „der Regen aber schon!“

Ich habe den Andreas mit noch viel größeren Augen angeschaut. Ich habe also eher geguckt wie ein Lastwagen. Ich habe nämlich gar nichts verstanden. Er hat das natürlich gemerkt und gemeint: „Aber Paula, das ist doch klar. Warst du noch nie draußen, wenn es anfängt zu regnen? Oder wenn es woanders schon regnet und es windet? Das riecht doch ganz besonders!“

Ich habe mal meine großen, runden, schönen Entenäuglein geschlossen und nachgedacht. Denn ich bin ja wirklich viel draußen. Plötzlich musste ich lächeln und ich habe gesagt: „Ja, ja, ja! Jetzt kann ich mir es gut vorstellen! Das riecht so ein bisschen nach . . ., hm, nach . . . Erde oder so! Wart’ mal! Ich gehe mal schnuppern!“

Ich bin dann nach draußen gegangen und habe in die dunklen Wolken geschnuppert. Aber so richtig habe ich nichts gerochen. Ich bin wieder rein zum Andreas und habe gemeint: „Gerade riecht es noch nicht so!“

„Klar“, hat der Andreas geantwortet, „es fängt auch noch nicht an zu regnen.“

Und ich habe dazwischengeschnattert: „Aber der Regen ist es doch sowieso nicht, oder? Das ist doch eher die Erde! Die riecht doch so! Oder? Und die Erde hat es ja jetzt auch!“

Der Andreas musste wieder lächeln. Und dann hat er gesagt: „Das ist alles gar nicht so falsch, liebe Paula. Das ist wegen dem Petrichor!“

Jetzt habe ich ihn wieder ganz groß angeguckt. Dann habe ich losgeschnattert: „Was? Ein Chor? Von einem Peter? Und die Sänger riechen beim Singen? Aber nur wenn es regnet? Also . . .“

„Oh nein, Paula“, hat mich der Andreas unterbrochen. „So ein Quatsch. Ich erkläre dir das. Also, pass’ auf! Nur deine Idee mit dem Peter hat gestimmt. Der Name kommt vom griechischen Wort für ,Fels‘ oder ,Stein‘. Mit ,Petri‘ ist aber nicht irgendein Peter gemeint. Damit ist dann einfach nur der Boden gemeint. Und das Wort ,Ichor‘ hat nichts mit singen zu tun. Die alten Griechen hatten ja so komische Märchen mit Göttern und so. Und da haben sie sich vorgestellt: ,In den Adern von den Göttern fließt kein Blut. Da fließt ein ganz besonderes Saft.‘ Den haben sie eben ,ichor‘ genannt.“

„Schön. Und was hat die Regenerde mit den komischen Göttern zu tun?“, habe ich ganz scharf gefragt.

Der Andreas hat überlegt: „Na ja, der erdige Geruch vom Regen ist doch voll gut! Und er scheint ja irgendwie aus dem Nichts zu kommen. Deshalb vielleicht. Aber mit der Erde, dem Stein, dem Fels ,petros‘ hat er so richtig was zu tun. Also: Du kennst doch die Bakterien. Das sind doch die winzigen kleinen Tierchen. Die schlafen in der Erde. Vor allem wenn es so heiß und trocken ist wie jetzt. Aber vor dem Regen wird die Luft und damit der Boden schon feuchter. Dann wachen die kleinen Kerlchen auf. Die Regentropfen fallen auf den ganz dünnen feuchten Film mit den Bakterien auf dem Boden. Die stellen dann einen Stoff her. Und der spritzt mit den Regentropfen nach oben. Der Wind verteilt ihn. Und dann duftet es so herrlich erdig.“

„Das ist toll! Dann gehe ich gleich nochmal raus zum Schnuppern! Hoffentlich regnet es gleich ganz arg!“, habe ich gesagt.

Aber der Andreas hat gemeint: „Ganz arg wäre schlecht. Dann hält eine dicke Schicht Wasser auf dem Boden den Geruch auf! So ein leichter Regen wäre toll!“

Ich bin dann los. Aber es hat erst am Abend ein bisschen geregnet – und gut gerochen. Eure Paula

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