Paulas Nachrichten

Paula will am Feiertag auch feiern

06.10.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

am Mittwoch wollte ich morgens in die Redaktion watscheln. Irgendwie kam mir aber alles komisch vor. Da war gar nichts los auf der Straße. Es war wie sonntags. Die Läden waren geschlossen in der Stadt. Nur der Bäcker hatte auf. In der Redaktion war niemand. Also bin ich heim zum Andreas. Der hat gerade seinen Rucksack und seine Wanderschuhe ins Auto geladen. Ich habe mir gedacht: „Sonntag kann es also nicht sein, sonst würde der noch schlafen.“

Dann hatte ich eine Idee. Ich habe zu ihm gesagt: „Na, gehst du in den Urlaub? Gehen in Nürtingen alle in den Urlaub? Die Stadt ist leer. In der Redaktion ist auch keiner. Aber gibt’s denn morgen keine Zeitung?“

Der Andreas hat geschmunzelt. Er ist ums Auto gelaufen und hat zu mir gesagt: „Das sind aber ganz schön viele Fragen auf einmal, liebe Paula! Aber so gehört sich das ja für eine neugierige Zeitungsente. Da komme ich mir ja vor wie ein wichtiger Politiker, wenn du mir so viele Fragen stellst. Ich will sie dir aber trotzdem alle richtig beantworten. Also: Ich gehe nicht in den Urlaub. Wir machen heute nur einen kleinen Wanderausflug. Heute ist nämlich Feiertag. Deshalb ist die Stadt auch leer. Die meisten Menschen arbeiten eben heute nicht. Die Redaktion ist aber übrigens nur heute Morgen leer. Am Mittag kommen schon ein paar Kollegen. Die machen dann die Zeitung für den morgigen Tag.“

„So, du gehst wandern? Dann feierst du den Feiertag gar nicht?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat nicht gleich geantwortet. Er musste wohl überlegen. Dann hat er gemeint: „Naja, das ist schwer zu erklären. Eigentlich hast du recht. So richtig feiern tu’ ich heute nicht. Obwohl wir einen tollen Grund haben zum Feiern. An den Feiertagen arbeiten eben die meisten nicht. Und dann kann man etwas anderes machen. Man sollte aber schon auch an den Anlass der Feier denken.“

„Schön“, habe ich gesagt, „und was gibt es dann heute zu feiern?“

„Na, heute ist doch der Tag der Deutschen Einheit“, hat er geantwortet.

Ich habe gleich dazwischen geschnattert: „Klar, den kenne ich. Das ist doch der ganz tolle Tag. An diesem ist doch die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland umgeworfen worden.“ Ich habe bis über meinen Schnabel gestrahlt. Ich hatte mir was gemerkt. Da ist man ja immer stolz darauf.

Der Andreas hat aber wieder eine Weile überlegt. Dann hat er gesagt: „Das stimmt nicht ganz, liebe Paula. Am Tag der Deutschen Einheit wird schon auch der Abriss der Mauer gefeiert. Das ist richtig. Aber an diesem 3. Oktober war das mit der Mauer nicht. Das war schon am 9. November 1989. Der wichtige 3. Oktober ist aber der aus dem Jahr 1990. Zuerst konnten also die Menschen am 9. November 1989 durch die Mauer. Und dann sind die Menschen mit ihren Bundesländern in Ostdeutschland zu unserem Deutschland, zur Bundesrepublik Deutschland, beigetreten. Die haben da eine Menge Verträge unterschrieben. Das war am 3. Oktober 1990. So wurde der 3. Oktober zum nationalen Feiertag.“

„Ach so“, habe ich gesagt, „dann hätte es ohne diesen Mauer-weg-Tag den Unterschreib-Tag gar nicht gegeben! Dann wäre doch der Mauer-weg-Tag viel wichtiger!“

Der Andreas hat genickt. „Das ist gar nicht so falsch, liebe Paula“, hat er gesagt, „das hat man sich auch alles überlegt. Aber der 9. November war schon einmal ein wichtiger Tag in der Geschichte der Deutschen. Allerdings war das ein ganz schlechter Tag. Da haben vor langer Zeit, vor dem Zweiten Weltkrieg, die bösen Nazis in Deutschland dafür gesorgt, dass Jagd auf die Juden in Deutschland gemacht wurde. Man hat zum Beispiel ihre Geschäfte und ihre Synagogen, also ihre Kirchen, kaputtgemacht. An so einem Tag will man heute keinen Feiertag haben. Da hat man lieber den . . ., den . . . , äh, wie hast du gesagt? . . . den Unterschreib-Tag zum Feiertag gemacht.“

„Ach“, habe ich verstanden, „dann ist das ja wie mit dem Hochzeitstag. Da feiert man auch den Tag mit den Unterschriften. Und nicht den Tag, wo man sich kennengelernt hat oder zum ersten Mal geküsst hat.“

Der Andreas musste lachen. Und er hat gesagt: „Naja, da kann man ja beides feiern! Und am 9. November muss man natürlich nicht nur an den bösen Tag denken. Man darf auch an den Mauer-weg-Tag denken. Aber so eine richtig große Party feiert man lieber am 3. Oktober. Heute feiern viele Politiker und andere wichtige Menschen in München. Du kannst dir morgen bestimmt Bilder in der Zeitung angucken.“

„Tja“, habe ich gelächelt, „dann ist das ja ein richtiger Feiertag. Auch wenn du gar nicht richtig feierst, sondern einfach nicht arbeitest.“

Der Andreas hat mit dem Kopf geschüttelt. Er hat gesagt: „Das lässt dir wohl keine Ruhe! Also, das Wort ,feiern‘ kommt von einem uralten deutschen Wort. Und das Wort bedeutet eigentlich: ,die Arbeit ruhen lassen‘. Das Wort kommt natürlich vom alten Römerwort ,feria‘. Und das waren religiöse Feiertage, an denen nicht gearbeitet wurde. Heute gibt es eben auch andere Feiertage. Nicht nur religiöse.“

Damit war ich dann zufrieden. Ich wollte den Andreas ja nicht zu arg ärgern. Schließlich arbeitet er ja auch manchmal an Feiertagen und Sonntagen. Damit wir am Tag danach auch eine Zeitung haben. Dann darf er an einem solchen Feiertag mal auch feiern wie er will. Eure Paula

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Paula macht ihr eigenes Geld

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich den Andreas in der Redaktion besucht. Dann wollte ich noch in die Stadt watscheln. Der Andreas hat sich von mir verabschiedet und gesagt: „In die Stadt willst du noch? Wirst du da ein schönes Weihnachtsgeschenk für mich kaufen?“

Ich habe…

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