Paulas Nachrichten

Paula war noch nie in Lettland

15.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

beim Andreas in der Redaktion ist gerade sehr viel los. Die sind dann schon noch nett zu mir. Aber sie haben einfach nicht so viel Zeit wie sonst. Trotzdem wollte ich den Andreas ein bisschen ärgern. Ihr wisst doch, liebe Kinder: Das macht er ja auch manchmal mit mir.

Also habe ich ganz frech zu ihm gesagt: „Na, musst du endlich auch mal was arbeiten?“

Er hat mich ganz schief von der Seite angeguckt. „Endlich auch mal was arbeiten? Was ist denn das für ein Lättagschwätz?“

Das letzte Wort habe ich nicht verstanden. Überhaupt nicht. Richtig, ich weiß schon was ihr denkt, Kinder: Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto! Er aber hat gleich weggeguckt. Er hat wieder auf seinen Bildschirm geschaut und seine Finger ganz schnell über die weißen Buchstaben auf den schwarzen Tasten tanzen lassen. Er kann ja schon schnell schreiben. Desto schneller er aber tippt, umso mehr Fehler macht er. Dann kommen so Worte wie „Paikla“ anstatt „Paula“ raus. Dann muss er wieder zurück und das Wort neu schreiben.

Deshalb habe ich zu ihm gesagt: „Schreib’ doch langsamer. Dann machst du weniger Fehler und es geht insgesamt schneller.“

Er hat mich noch schiefer und noch mehr von der Seite angeguckt. Und er hat nur gemeint: „Ich sag’s ja: Lättagschwätz.“

Das Wort kannte ich natürlich wieder nicht. Aber den Andreas wollte ich jetzt nicht fragen. Er musste ja viel und schnell arbeiten. Wie seine Kollegen auch. Ich dachte mir: Paula, das bekommst du als gute Reporterin auch selber raus!

Der Andreas nimmt ja immer so ein gelbes Buch mit vielen, vielen Wörtern drin, wenn er was nicht weiß. Also habe ich mich verabschiedet und bin davongewatschelt. An einem anderen Schreibtisch habe ich mir so ein Buch geschnappt. Duden heißt das. Der Andreas hat mir das schon einmal erklärt: So hieß der erste Mann, der so ein Buch geschrieben hat. So ein Buch, in dem alle deutschen Wörter erklärt sind. Schließlich habe ich ja gewusst, wie das Wort klingt: Es klingt irgendwie nach „Letten“. Das hatte ich ja schon einmal gehört. Also habe ich nachgeschaut. Ein „Lette“ sei ein Angehöriger eines „baltischen Volkes“. Richtig! Lettland! Das kenne ich! Und der Rest vom Wort klingt nach „Geschwätz“. Aha! Der Andreas hat die Sprache der Letten gemeint! Aber warum sollte ich so sprechen wie die? Das kann doch nicht sein.

Also habe ich noch einmal reingeschaut in das gelbe Buch. Und da ist dann weiter unten gestanden: „Letten“ heißt „Ton oder Lehm“.

Tongeschwätz? Lehmgeschwätz? Hm, was sollte denn das heißen?

Also bin ich doch noch mal zum Andreas gewatschelt. Jetzt war dann auch Mittagspause. Er hat ganz anders geguckt. Viel lieber. Er hat sogar wieder gelächelt.

„Na Paula, alles klar?“, hat er gefragt und mich in den Arm genommen.

Ich habe ihn auch lieb angelächelt. Und dann habe ich geantwortet: „Beinahe alles ist klar. Aber ich frage mich: Wie kannst du denken, dass ich schon in Lettland war? Du weißt doch: Wenn du herumreist in der ganzen Welt, bleibe ich lieber zu Hause!“

Jetzt hat er kurz überlegt. Dann ist ihm das mit dem komischen Wort eingefallen: „Ah! Du meinst das Lättagschwätz! Das hat doch nichts mit Lettland zu tun. Das sagen die Schwaben so!“

Das habe ich wieder nicht verstanden: „Aber die Schwaben sind doch keine Letten!“

„Natürlich nicht“, hat der Andreas geantwortet.

Er wollte weiterreden, aber ich habe ihn ganz schnell unterbrochen: „Ah, dann kommt das doch vom Ton oder vom Lehm. Aber was soll das denn?“

Der Andreas hat geschmunzelt. Dann hat er erklärt: „Naja, Paulachen, schwäbisch ,Lätta‘ meint tatsächlich ,Letten‘, also den Lehm. Der Lehm ist umsonst und wertlos. Man kann nichts mit ihm anfangen . . .“

Weiter musste er gar nicht reden. Ich habe ihn angeschnattert: „Mein Geschwätz ist also wertlos und umsonst?“

„Aber Paula“, hat er lächelnd gesagt. „Normalerweise natürlich nicht. Aber wenn du mich ärgern willst . . .“

Dann hat er mich in den Arm genommen. Und ich habe gemeint: „Tja, jeder hat eben manchmal ein Lättagschwätz!“

Da habe ich doch recht, auch die Erwachsenen labern manchmal komisches Zeugs. Gell, liebe Kinder? Eure Paula

Paulas Nachrichten

Paula tut das Fern nicht weh

Hallo, liebe Kinder,

das war ja wie im Frühling letzte Woche! Die Wärme und das Sonnenlicht haben mir richtig gutgetan. Also bin ich natürlich mal zum Andreas nach Hause gewatschelt. Der saß auf seinem Sofa und hat ein Buch gelesen. Ich habe ihn gleich mal angeschnattert: „He, guten Tag!…

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