Paulas Nachrichten

Paula sucht das Meer in der Muschel

11.07.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche ist es ja ein bisschen kühler geworden.

Mir hat die Hitze eigentlich nichts ausgemacht. Ihr wisst ja: Ich hüpfe mal in den Neckar. Oder auch ins Freibad. Aber ich muss auch sagen: Das Wasser im Freibad war auch schon richtig warm. Egal. Ich fand es trotzdem richtig schön.

Abends bin ich an einem ganz heißen Tag nach Hause gewatschelt. Und ich bin einfach beim Andreas vorbei. Der saß auf seiner Terrasse und hat im Schatten vor sich hin geschwitzt. Wir haben etwas getrunken. Ein schönes Glas Wasser. Es war aber gar nicht so richtig kalt.

Ich habe zum Andreas gesagt: „Hm, das ist ja gar nicht richtig lecker bitter-eiskalt! Hast du kein Wasser aus dem Kühlschrank?“

Der Andreas hat geantwortet: „Bei der Hitze soll man gar nichts Eiskaltes trinken, Paula. Sonst kommst du voll ins Schwitzen. Wenn du etwas ganz Kaltes trinkst, passiert nämlich Folgendes: Dann macht dein Körper deine Blutgefäße einfach enger. Und in deinem Körper drin steigt dadurch die Temperatur wieder an.“

„Ach so“, habe ich gemeint. „Dann ist das gut. Dann trinke ich eben etwas mehr. Und dafür etwas nicht so Kaltes. Kein Problem.“

Ich habe mich zum Andreas gesetzt. Wir haben zusammen das lauwarme Wasser getrunken. Und der Durst ging weg. Und uns ist auch nicht noch wärmer geworden. Aber kühler ist es mir auch nicht geworden. Das habe ich dem Andreas gesagt.

Er hat gelächelt und gemeint: „In Ordnung, Paula. Dann entspanne dich mal so richtig schön. Schließe deine süßen, runden Entenäuglein und träume ein bisschen. Träume vom Strand. Hmmmm, eine angenehme Brise weht herüber. Es riecht nach Salz. Hmmmm, und ich kann das Meer schon richtig rauschen hören. Kannst du es auch rauschen hören, Paula? Hach, das ist herrlich! Kannst du es rauschen hören!“

Das war schon ein bisschen komisch. Ich habe meine Entenäuglein lieber wieder aufgeklappt und zum Andreas rübergeguckt. Der saß immer noch ganz entspannt mit geschlossenen Augen sanft lächelnd da. Ich habe leise geschnattert: „Naja, so richtig rauschen kann ich es nicht hören, wenn ich ehrlich bin. Ich höre nur auf der Brücke drüben die Autos rauschen. Und vielleicht höre ich auch noch ein bisschen das Wehr am Neckar. Ist schon gut, der Neckar ist auch schön kühl.“

Der Andreas hat jetzt auch seine Menschenäuglein aufgeschlagen und sich schnell aufgesetzt – und zu mir rübergeguckt. „Ach, Paula, wo bleibt denn deine Fantasie? Du musst dir das einfach vorstellen. Dann klappt das auch.“

Dann hat er aber gegrinst und gemeint: „Warte kurz, Paula, ich helfe dir!“

Er ist dann rein ins kühle Haus. Kurz darauf ist er mit einer wunderschönen, großen Muschel wieder rausgekommen. Er hat gestrahlt und gemeint: „So, Paula, jetzt lausche mal in die Muschel rein. Da wirst du gleich das Meer rauschen hören!“

Ich habe ihn angeguckt wie ein Auto. Ihr wisst ja, liebe Kinder: So gucke ich immer, wenn ich etwas nicht verstehe. Und das habe ich nun wirklich nicht verstanden. „Wie soll denn das gehen?“, habe ich geschnattert.

„Nicht fragen, ausprobieren, liebe Zeitungsente“, hat er geantwortet.

Das habe ich dann auch gemacht. Das war echt der Hammer! Ich habe es wirklich rauschen gehört! Ich habe geschnattert: „He, wie hast du das geschafft? Das riesige Meer in einer kleinen Muschel!“

Der Andreas hat ganz stolz gesagt: „Die ist aus Florida! Gell, die ist schön!“

„Ja, ja“, habe ich weitergeschnattert. „Die ist schon wunderschön. Aber wie kommt das Rauschen vom Meer da rein?“

Und ich habe jetzt mein Ohr von der Muschel weggedreht und versucht, reinzugucken. Aber ich habe nichts entdeckt. „Hm, da hast du auch keinen Lautsprecher drinnen versteckt . . .“

Ich hatte nämlich Angst: Denn der Andreas veräppelt mich ja manchmal.

„Tja“, hat der Andreas gemeint, „da drin rauscht es wirklich. Aber das ist nicht das Meer. Das sind alle Geräusche hier aus der Gegend. Die Muschel besteht in ihrem Inneren aus einem laaangen Gang. Der ist wie eine Spirale. Und darin werden alle Geräusche hier aus der Gegend aufgefangen und dann durch die Spiralen ganz arg verstärkt. Dann glaubt man, es rauscht!“

„Das ist ja klasse“, habe ich gesagt. „Dann stelle ich mir vor: Da drinnen rauscht wirklich das Meer!“

Das habe ich denn auch gemacht. Ich habe immer wieder in die Muschel gehorcht. Und es ist ein schöner entspannter Abend am Meeresstrand von Nürtingen geworden! Das solltet ihr auch mal ausprobieren, liebe Kinder! Eure Paula

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