Paulas Nachrichten

Paula spielt gerne Vuvuzela

19.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

ihr wisst doch: eigentlich mögen Zeitungsenten Lärm nicht so. In letzter Zeit ist es aber sehr laut. Vor ein paar Tagen bin ich noch gemütlich in der Sonne gesessen. Beinahe bin ich eingeschlafen. Plötzlich hat ein Elefant getrötet. Das war laut! Ich bin richtig erschrocken. Gleich bin ich zum Andreas gewatschelt. „Hast du den Elefanten auch gehört?“, habe ich ihn ganz aufgeregt angeschnattert.

„Elefant? Du hast sicher geträumt!“, hat er nur gemeint.

So ganz sicher war ich mir nicht. Vielleicht hat er ja Recht, habe ich mir überlegt. Aber genau in dem Moment ging es wieder los: „Tröööööööööööt!“

„Hörst du es?“, habe ich noch aufgeregter geschnattert. „Da ist wieder das Riesenviech! Der hört sich sauer an. Hoffentlich trampelt er nicht hier vorbei!“

Der Andreas hat nur gelacht. Das hat mich wütend gemacht: „Warum lachst du denn? Wenn so ein Elefant sauer ist, wird der so richtig gefährlich. Das ist überhaupt nicht lustig!“

„Aber Paula! Das ist doch nicht gefährlich, wenn der Elefant 1,54 Meter groß ist, blonde Haare und blaue Augen hat!“, hat er weiter gelacht.

„Ein Elefant mit blonden Haaren? Und mit blauen Augen? Und nur 1,54 Meter groß? Und dann trötet er so laut? Das ist bestimmt eine von deinen Zeitungsenten, den falschen Geschichten in der Zeitung!“

„Nein, Paula“, hat der Andreas jetzt sehr deutlich gesagt. „Das hat nichts mit Elefanten und nichts mit Zeitungsenten zu tun. Das ist mein Sohn, der hat die Vuvuzela dabei!“

Das habe ich wieder nicht verstanden. „Vuvuwas? Ist das eine neue Schulkameradin von ihm?“, wollte ich wissen.

Jetzt hat der Andreas wieder gelacht. Und er hat gesagt: „Nein, das ist keine neue Schulkameradin! Das ist eine Tröte. Die macht Krach wie ein Elefant. Die haben die Fußballfans in Südafrika bei der Weltmeisterschaft immer dabei. Der Name könnte aus einer Sprache eines afrikanischen Stamms kommen. Das heißt dann so viel wie ,Krach machen‘. Das würde doch gut passen! Die Fußballfans hier haben jetzt auch schon solche Dinger. Die machen einen Riesenlärm. Wenn das wirklich mein Sohn ist, muss ich mit ihm schimpfen. Er soll hier in der Straße nicht tröten. Sonst wacht das kleine Baby von unseren Nachbarn immer auf. Es ist ja sowieso schon laut genug!“

„Wenn bei den Spielen immer getrötet wird, wäre das nicht schlecht“, habe ich gegrinst. Der Andreas hat nicht verstanden, was ich meine. Ich habe es ihm erklärt: „Naja, dann hört man dein Geschrei wenigstens nicht so.“

Der Andreas ist nämlich bei den Spielen der deutschen Mannschaft immer ganz schön aufgeregt. Und dann schreit er auch. Wenn die ein Tor schießen – oder wenn sie eines bekommen. Oder wenn der Schiedsrichter nicht so pfeift, wie er es will.

Das wollte er nicht glauben. Tja, aber: Gestern war alles auf einmal so, wie er es nicht will. Die Deutschen haben einfach kein Tor geschossen. Aber sie haben eines bekommen. Und dann hat der Schiedsrichter auch gar nicht so gepfiffen, wie er es wollte. Ich hatte extra auf der Vuvuzela geübt. Ich habe mir das Ding von Andreas seinem Sohn ausgeliehen. Ich hatte sogar eine Fahne dabei und einen Deutschland-Hut auf. Und wenn der Andreas gejubelt hätte, hätte ich mit der Vuvuzela getrötet. Aber er war einfach nur sehr traurig.

Die Deutschen haben ja dann tatsächlich verloren. Ich habe den Andreas nach dem Spiel getroffen. Ich wollte ihn trösten. Aber irgendwie war ich selber ganz traurig. Er hat mich in den Arm genommen und hat gemeint: „Jetzt freuen sich eben die Serben. Aber so eine Niederlage ist nicht so schlimm. Unsere Jungs müssen eben ganz schnell wieder an den nächsten Sieg glauben. Dann passt das schon wieder!“

Das hat sich gut angehört. Obwohl er ganz traurige Augen hatte. Das fand ich irgendwie gut. Sie haben verloren, er ist traurig, aber er versucht nach vorne zu gucken. „So ist das halt im Fußball, Paula“, hat er gesagt. Und er meinte noch: „Jetzt kann es nur heißen: Waka waka hee, hee!“

Das habe ich nicht verstanden. Obwohl es gar nicht lateinisch oder griechisch klang. „Was soll das heißen?“, wollte ich wissen. Aber der Andreas hat gemeint: „Das erzähle ich dir ein anderes Mal.“ Ich wollte auch nicht weiter bohren, schließlich war er einfach traurig. Also, warten wir einfach ab! Eure Paula

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