Paulas Nachrichten

Paula sorgt sich um Paul

10.07.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

am Mittwochmorgen bin ich zum Andreas gekommen. Da war es schon ganz schön laut. „So ein Mist“, hat er gerufen. Und dann irgendwas. Das klang wie; „Der Paul kommt in die Fritteuse.“

Ich bin zu Tode erschrocken. „Hat er Paula oder Paul gesagt?“, habe ich mir überlegt. In die Fritteuse? In so einem Automaten kann man doch Essen ganz heiß machen. Oh weh! Zum Glück hat er mich gleich bemerkt. Und auch meine Angst blieb ihm nicht verborgen.

„Du brauchst nicht zu erschrecken, Paula! Ich meine nicht dich. Ich meine Paul das Orakel“, hat er gesagt.

„Was für ein Ohr hast du an der Angel?“, wollte ich wissen, denn ich hatte ihn nicht richtig verstanden.

Natürlich musste er lachen. „Nee, Paula. Ich habe kein Ohr an der Angel. Ich spreche von einem Orakel. O-R-A-K-E-L“, hat er mir erklärt und buchstabiert. Und er hat gesagt: „Aber mit Angel liegst du gar nicht so falsch, denn der Orakel-Paul ist ein Tintenfisch.“

Das fand ich jetzt überhaupt nicht mehr lustig. „Und den willst du frittieren? Du bist aber brutal“, habe ich gesagt.

Doch der Andreas hat mich beruhigt: „Keine Angst! Das sagen die Fußballfreunde hier bei uns gerade nur als Spaß. Der Tintenfisch Paul arbeitet nämlich gerade als Orakel. Mit einem Orakel haben die Menschen vor allem früher, zum Beispiel die alten Griechen und die Römer, in die Zukunft schauen wollen. Und der Paul muss gerade immer voraussagen, wie Deutschland bei der WM spielt. Bisher hatte er bei der WM immer recht. Und jetzt sagt er eine Niederlage Deutschlands voraus. Das ärgert die Fans. Die wären lieber hoffnungsfroh, weil Paul einen Sieg voraussagt.“

Ich habe lange überlegt: „Ach, ich weiß warum die einen Tintenfisch als Orakel nehmen. Der kann mit seiner Tinte den Spielausgang aufschreiben.“

Der Andreas hat gelacht. „Quatsch, Paula. Der geht entweder auf eine Futterkiste mit der Deutschland-Fahne – oder auf eine mit der Fahne des Gegners. So sagt der das Ergebnis voraus. Der kann natürlich nicht schreiben. Das ist doch kein Zeitungstintenfisch. Die Tinte braucht er zu seinem Schutz. Wenn ein Raubfisch kommt, spritzt er eine Wolke raus und schwimmt weg. Der Fisch glaubt dann, die Tintenwolke sei der Tintenfisch und schwimmt rein. Das ist natürlich blöd für ihn. Der sieht dann nämlich nichts mehr. Und so kann der Tintenfisch noch weiter abhauen. Die Tinte nehmen die Menschen übrigens als Farbstoff. Dann heißt der Sepia. Der ist dann braun bis grau. Damit kann man malen oder auch Lebensmittel färben.“

„Ganz schön schlau, so ein Tintenfisch“, habe ich gesagt. „Kein Wunder, dass der die Fußballspiele voraussagen kann.“

Und der Andreas hat geantwortet: „Also für Weichtiere sind die Tintenfisch wirklich schlau. Manche Arten von denen haben so etwas ähnliches wie ein Gehirn in ihrem Hinterkopf. Das haben andere Weichtiere wie Schnecken oder Muscheln nicht so. Aber die Tintenfische haben natürlich trotzdem keine Ahnung von Fußball oder von sonst was. Das ist eigentlich nur Spaß. Und Zufall. Deshalb hat er ja auch nicht Recht mit dem Spiel heute Abend. Deutschland gewinnt natürlich doch.“

Ich habe das für den Andreas gehofft. Aber leider hatte der Paul ja Recht. Das wisst ihr ja, liebe Kinder. Ich bin dann wieder zum Andreas in die Redaktion gewatschelt am nächsten Tag. „Bist du noch sehr traurig? Oder noch so richtig sauer mit dem Paul?“, wollte ich wissen.

Er hat abgewunken: „Nein, nein Paula. Ich bin nicht sauer mit dem Paul. Aber ein bisschen traurig bin ich schon. Aber nur ein bisschen. Die Spanier waren einfach besser als unsere Mannschaft. Aber wir sind trotzdem stolz auf unsere Jungs.“

Dann hat er gesagt: „Schau’ mal, was ich für dich habe.“ Eine Kollegin von ihm hatte mir einen Tintenfisch mitgebracht. Ich wollte ihn fragen, wie das Spiel am Samstag ausgeht. Aber der hatte wirklich keine Ahnung! Eure Paula

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