Paulas Nachrichten

Paula sorgt sich um Haiti

30.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

vor ein paar Tagen bin ich zum Andreas gekommen. In seinem Haus hat es wieder einmal richtig lecker gerochen.

„He, ist denn bei euch schon wieder Weihnachten?“, habe ich gerufen. Ich habe an die leckeren Weihnachtskekse gedacht. Die waren selbstgebacken und haben super geschmeckt.

„Weihnachten ist doch vorbei, Paula. Aber meine Frau und mein Sohn haben Kuchen gebacken!“, hat der Andreas geantwortet.

Da habe ich mich natürlich sehr gefreut. Ich bekomme nämlich immer einen Kuchen ab. „Was gibt es denn für einen Kuchen?“, wollte ich wissen. „Ich habe nämlich mächtig Hunger!“

Der Andreas hat gelacht und gemeint: „Ach, wir haben verschiedene Kuchen. Aber du bekommst kein einziges Stück davon ab!“

Zuerst habe ich gedacht, das ist ein Spaß. So fies ist der Andreas normalerweise gar nicht. Aber er ist wirklich mit einem Kuchen in der linken Hand und mit einem in der rechten Hand an mir vorbei gelaufen. Er hat meine traurigen Entenäuglein gesehen und gesagt: „Nicht weinen, Paula. Ich will dich nicht ärgern. Aber der Kuchen ist für Haiti.“

„Hai?“, habe ich gefragt und geglotzt wie ein Auto. „Du willst diesen grässlichen Viechern mit ihren riesigen Zähnen Kuchen ins Maul werfen?“

„So ein Quatsch, Paula! Das hat doch mit den Haifischen nichts zu tun. Damit ist eine Insel gemeint. Die liegt südlichn von den USA, den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort hat es ein Erdbeben gegeben. Man muss den armen Menschen dort helfen.“

Ich habe mich ein bisschen geschämt. Natürlich hatte ich von der schlimmen Katastrophe schon gehört. Aber wenn es um Kuchen geht, komme ich ganz durcheinander. Ich habe das dem Andreas gesagt. Er hat das verstanden. Ich aber habe nicht so ganz verstanden, wie denn der Kuchen jetzt den armen Menschen helfen soll. „Wird der Kuchen jetzt übers große, weite Meer nach Haiti gebracht, damit die Menschen dort was zu essen haben?“, habe ich gefragt.

Ich dachte mir aber schon, dass das nicht stimmt. Und tatsächlich hat der Andreas gemeint: „Nein, nein! Mein Sohn verkauft den Kuchen zusammen mit seinen Klassenkameraden. Für den Kuchen bekommen sie Geld. Das Geld spenden sie Gruppen und Vereinen, die den Menschen in Haiti helfen können. Mit Nahrung, mit Zelten. Mit Medikamenten. Und später muss man ja auch alles wieder aufbauen.“

„Haben die selber kein Geld? Ist das bei dem Erdbeben auch zerstört worden?“, habe ich mich gewundert.

Der Andreas hat den Kopf geschüttelt: „Haiti ist sowieso ein sehr armes Land. Die Menschen haben kaum etwas. Keine Arbeit. Keine stabilen Häuser. Das wenige, das sie hatten, ist jetzt zerstört worden.“

Der Andreas hat mir ein Buch gezeigt. Da war ein schönes Bild von Haiti drin. Mit einem Strand und Palmen. „Warum sind die denn so arm?“, wollte ich wissen.

„Das ist eine lange Geschichte“, hat mir der Andreas erklärt. „Vor langer Zeit lebten auf der Insel nur Sklaven. Die wurden von Europäern aus Afrika geholt und nach Amerika entführt. Dort mussten sie auf den Feldern für die reichen Europäer arbeiten. Sklaven wurden zu solcher Arbeit gezwungen. Sie bekamen kein Geld und wurden geschlagen. Aber eines Tages haben sich die Sklaven ihre Freiheit erkämpft. Damals hat die Insel den Franzosen gehört. Denen mussten die Haitianer dann auch noch sehr viel Geld zahlen. Die wollten das für die großen Felder, auf denen Zucker angebaut wurde. Das war ungerecht und schwer für das kleine Land. Außerdem haben die Menschen auf Haiti aus den großen Feldern viele kleine gemacht. Das war nicht so praktisch. Mit den Feldern konnte nicht mehr so viel verdient werden. Das Land wurde immer ärmer. Das haben immer wieder verschiedene Bösewichte ausgenützt. Die haben sich zum Chef von Haiti gemacht und haben die Menschen unterdrückt. Das ist bis heute nicht gut geworden.“

„Hm“, habe ich überlegt, „dann sollte man den Menschen nicht nur Essen geben und die Häuser aufbauen. Man sollte auch ihr Land aufbauen.“

Der Andreas hat mich ganz lieb und stolz angeschaut: „Das stimmt, Paula! Das wäre das beste. Man müsste ihnen helfen, damit sie sich in Zukunft selbst helfen können. Aber jetzt müssen wir ihnen erst einmal mit dem Nötigsten helfen. Deshalb gehen wir jetzt den Kuchen verkaufen.“

Das haben sie auch gemacht, liebe Kinder. Und stellt euch vor, sie haben richtig viel Geld für die Menschen auf Haiti verdient. Das könnte man doch glatt nach machen! Eure Paula

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