Paulas Nachrichten

Paula sorgt sich um die Flüchtlinge

25.04.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich an der Johanneskirche vorbeigekommen. Da lagen ganz viele Schuhe herum! Das fand ich seltsam. Also bin ich mal zum Andreas gewatschelt. Ich habe gesagt: „He, das musst du dir unbedingt anschauen! Vor der Kirche liegen lauter Schuhe herum!“

Der Andreas hat mich gelangweilt angeschaut und gemeint: „Ja, ja. Ich habe auch schon welche dazugelegt!“

„Hä?“, habe ich geschnattert. „Passen die dir nicht mehr? Aber deine Füße wachsen doch nicht mehr! Oder? Auf jeden Fall kannst du die doch nicht einfach vor die Kirche legen!“

„Ist ja schon gut“, hat der Andreas ganz lieb zu mir gemeint, „jetzt rege dich doch nicht so auf! Die Schuhe gehören zu einem Mahnmal.“

„Ein Mahnmal? Ich kenne nur ein Denkmal“, habe ich gesagt.

Der Andreas hat gesagt: „Das ist gar nicht so schlecht, Paula. Ein Mahnmal ähnelt einem Denkmal. Es ist aber auch ein bisschen etwas anderes. Ein Denkmal ist oft eine Figur. Damit erinnert man an einen ganz bestimmten Menschen. Mit einem Mahnmal will man aber meist an ein schlimmes Ereignis erinnern. Und man will die Menschen ermahnen. Deshalb heißt es Mahnmal. Sie sollen nämlich gut aufpassen, damit so ein schlimmes Ereignis nie wieder passiert.“

„Ah“, habe ich gesagt, „Aber was für ein Mahnmal sind alte Schuhe?“

„Das wird ein Kunstwerk“, hat der Andreas gesagt.

„Ein Kunstwerk auch noch? Alte Schuhe sind doch keine Kunst. Alte Schuhe hinstellen kann doch jeder“, habe ich weiter gefragt.

„Das ist gar nicht so falsch, Paula“, hat der Andreas gesagt. „Das ist nämlich auch die Absicht: Es soll jeder mitmachen können. Und das Mahnmal-Kunstwerk mit den Schuhen funktioniert. Du bist das beste Beispiel dafür!“

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe geschnattert: „Ich? Aber ich habe ja gar keine Schuhe! Ich watschele mit meinen Entenfüßen ohne Schuhe!“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er gesagt: „Richtig. Aber du hast die Schuhe gesehen. Und dann hast du dich gefragt: Was soll das denn? Dann hast du das mich gefragt. Du denkst also darüber nach. Und das will die Künstlerin auch. Man soll nachdenken.“

„Schön. Aber an was erinnern denn die alten Schuhe?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat gesagt: „Die alten Schuhe erinnern an die schlimme Schiffskatastrophe im Mittelmeer. Da sind 800 Flüchtlinge ertrunken.“

„Im Mittelmeer?“, habe ich mich erschrocken. „Aber da gehst du ja auch manchmal in den Urlaub hin. Und dann badest du da auch! Obwohl das Meer so gefährlich ist?“

Der Andreas hat geantwortet:„Ja. Normal ist das Meer gar nicht so gefährlich. Aber die Menschen kommen in ganz kleinen Booten. Die sind total überladen. Dann gehen die manchmal unter!“

„Was?“, wollte ich wissen, „warum fahren die mit so komischen Booten?“

Der Andrea hat gesagt: „Denen bleibt nichts anderes übrig, Paula. Die kommen zum Beispiel aus Ländern in Afrika oder im Nahen Osten. Da ist Krieg. Und dann müssen die Menschen flüchten. Sonst werden sie getötet. Oder sie werden in manchen Ländern verfolgt. Weil sie etwas anderes denken oder glauben als die Mächtigen und Starken. Dann versuchen sie zu uns zu kommen. Hier herrscht Freiheit. Und es gibt genug zu essen. Hier bei uns in Nürtingen gibt es auch solche Flüchtlinge, Paula.“

„Aber dann sollten wir denen doch richtige Boote schicken. Damit ihnen nichts passiert“, habe ich gemeint.

„Tja, das ist für viele ein Problem, Paula. Die wollen nicht, dass so viele Flüchtlinge kommen. Obwohl wir ein ganz reiches Land sind. Daran soll auch das Mahnmal mit den Schuhen erinnern. Zu Schuhen kann man sich ja auch immer leicht den Menschen mit seinen Füßen darin vorstellen. Die Schuhe sind also ein Zeichen für die Menschen. Und für ihre Geschichte, für ihren Lebensweg. Für manche ist er im Mittelmeer grausam zu Ende gegangen. Das sollten wir in Zukunft verhindern. Manche Menschen führt der Lebensweg hierher. Dann sollten wir lieb zu ihnen sein und ihnen helfen. Die kommen ja nicht freiwillig. Die kommen aus Not. Die würden auch lieber bei sich zu Hause bleiben.“

Und der Andreas hat gesagt: „Ich kann das mit den Schuhen und dem Weg auch ganz gut verstehen. Mein Lebensweg hat eigentlich auch weit weg begonnen.“

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe gefragt: „Aber du sprichst doch ein bisschen schwäbisch. Du bist doch hier geboren. Oder?“

„Das stimmt schon“, hat der Andreas geantwortet. „Aber meine Eltern sind nicht von hier. Die mussten nach dem letzten großen Weltkrieg aus dem heutigen Polen und dem heutigen Tschechien flüchten. Die wären damals auch lieber zu Hause geblieben. So ging es vielen Menschen. Aber viele Menschen in den reichen Ländern vergessen das einfach. Auch denen soll das Mahnmal beim Überlegen helfen.“

„Das finde ich toll“, habe ich gesagt. „Vielleicht hast du ja noch einen Schuh für mich, dann lege ich den auch zu dem Mahnmal dazu.“ Eure Paula

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