Paulas Nachrichten

Paula singt für die Kicker

21.06.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

der Andreas hat jetzt gerade nur eines im Kopf. Das ist Fußball. Außer der Arbeit als Reporter natürlich. Aber ich kann das gut verstehen. So eine Weltmeisterschaft ist schon etwas Tolles. Ich watschele oft zu einem Spiel zu ihm nach Hause. Manchmal komme ich schon vor dem Spiel zum Andreas. Beim ersten Mal war ich voll überrascht. Die Jungs von beiden Mannschaften sind dann dagestanden und haben gesungen. Ich habe zum Andreas gesagt: „Das ist aber schön, wenn die erst einmal zusammen Musik machen! Dann haben sie sich beim Spiel schon gleich lieber und hauen sich nicht so auf die Beine! Darf immer ein Trainer das Lied aussuchen? Wie wäre es denn mal mit ,Paula Print die Ente, schwimmt dort auf dem See‘. Das singen die Kinder im Kindergarten doch oft zur Melodie von ,Alle meine Entchen‘. Da könnte ich dem deutschen Trainer wieder eine E-Mail schicken und . . .“

Der Andreas hat mich mit seinem Lachen unterbrochen und gesagt: „Aber Paula, die machen doch nicht einfach Musik zusammen wie gute Freunde. Und das wäre ja auch total komisch, wenn die so ein Entenlied singen. Das sind ja keine Kinder. Und Enten sind sie auch keine. Jede Mannschaft singt vor dem Spiel die Nationalhymne.“

„Was für ein Ding?“, habe ich geschnattert. „Das klingt nach Himbeere. Was ist das denn?“

Der Andreas musste wieder lachen und er hat gesagt: „Nee, Paula, das hat nichts mit Himbeeren und auch nichts mit irgendetwas anderem zu essen zu tun. Das Wort heißt Hymne. Bei den alten Griechen war das ein sehr festlicher, feierlicher Gesang. Oft haben sie so eine Hymne für ihre ganz wichtigen Götter gesungen. Du weißt doch, das sind die aus den alten Märchen. Eine Nationalhymne ist auch ein ganz feierliches Lied. Das Lied steht immer für ein Land. Es wird gespielt, wenn hohe Politiker andere Länder besuchen. Oder eben wenn verschiedene Länder bei sportlichen Wettkämpfen aufeinandertreffen.“

Das hat mir gut gefallen. Und ich wollte dann auch wissen, um was es in den Liedern geht. Der Andreas hat mir dann mal ein Buch gegeben. Da waren die deutschen Texte der Hymnen drin. Unsere Hymne habe ich natürlich auch so verstanden. Da geht es um „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Der Andreas hat mir das erklärt. Früher gab es nicht ein großes Deutschland. Da war Deutschland in lauter kleine Staaten zerteilt. Also haben manche Menschen von einem einigen Deutschland geträumt. Tja, und da sollten Recht und Freiheit herrschen. Denn damals waren Könige und Kaiser die Chefs. Und die haben immer gemacht, was sie wollten. Da gab es nichts mit Recht und Freiheit.

Die Musik von den Amerikanern finde ich auch toll. Und die von den Franzosen auch. Ich habe mal den amerikanischen Text gelesen. Aber, ach herrje, die Übersetzung war echt komisch. Da ging es nur um Krieg und Bomben. Dann habe ich schnell den französischen Text gelesen. Der war noch komischer. Da kamen andauernd Schlachten, Blut, Waffen und Krieger vor. Ich habe schlucken müssen. Der Andreas hat das gemerkt und gesagt: „Na, Paula, das sind sehr kriegerische Hymnen. Ich weiß. Manche Länder haben eben für ihre Freiheit hart kämpfen müssen. Die Amerikaner zum Beispiel gegen die Briten. Und die Franzosen gegen ihren König. Daran erinnern diese Lieder.“

Wir haben uns dann ein Spiel von den Spaniern angeguckt. Die haben gar nicht gesungen. „Haben die den Text vergessen? Oder ist das Lied noch brutaler als die anderen? Und deshalb singen die das nicht?“, habe ich geschnattert. Der Andreas hat gelacht und gemeint: „Nein, die spanische Nationalhymne hat keinen Text. Das ist einfach ein Marsch für ihren König. Ein Marsch ist ein Musikstück, zu dem Soldaten marschieren können.“

Das fand ich seltsam. Ich habe mich dann auf das Spiel von Deutschland gefreut. Da wollte ich mit den Jungs mitsingen. Aber manche von denen haben gar nicht mitgesungen. „Haben die jetzt den Text vergessen?“, habe ich wieder geschnattert. Der Andreas hat geantwortet: „Nein, Paula. Manche Nationalspieler haben aber Eltern aus anderen Ländern. Die sind hier in Deutschland eingewandert. Und die Kinder von denen zeigen dann auch als Nationalspieler ganz einfach: ,Ich denke auch noch an das Land meiner Eltern‘. Das muss sich jeder selber überlegen, ob er mitsingt. Aber sie strengen sich dann trotzdem ganz arg für die deutsche Mannschaft an.“

Das habe ich verstanden. Ich habe kurz überlegt und gemeint: „Kein Problem! Dann ziehe ich eben meine Fan-Klamotten an und singe für die mit! Die kicken und ich singe!“ Eure Paula

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