Paulas Nachrichten

Paula mag keine Schwindler

02.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

zuerst einmal möchte ich euch ein tolles neues Jahr wünschen. Bleibt so brav. Eure Eltern sollen sich nicht mit euch ärgern müssen. Und ich wünsche mir auch von den Eltern, dass sie brav bleiben – und euch nicht ärgern.

Habt ihr eigentlich in der Silvesternacht gut geschlafen? Oder wart ihr die ganze Nacht wach? Ich bin da ja immer beim Andreas. Früher habe ich mich immer versteckt. Ich hatte Angst vor dem ganzen Geknalle. Aber der Andreas war immer bei mir. Und er hat mir erklärt, warum viele Menschen so einen Krach machen. Früher wollte man mit dem Lärm die bösen Geister vertreiben. Naja, heute wissen wir ja: Es gibt gar keine Geister. Ja, und man wollte seine Freude auf das neue Jahr zeigen. Es ist ja ganz schön. Blöd nur, dass manchmal dabei ein Unfall passiert. Die Menschen verletzen sich. Oder sie setzen ein Haus in Brand. Das ist natürlich weniger schön.

Gestern habe ich zum Andreas gesagt: „Es ist schön, dass der Silvesterkrach vorbei ist.“ Dann ist mir eine Frage eingefallen: Immer an Silvester ist Krach. Vielleicht heißt ja Silvester in der lateinischen Sprache der alten Römer einfach „Krach“.

Ich habe dem Andreas die Frage gestellt. Er hat geschluckt. Er musste eine Weile überlegen. Aber dann ist ihm doch eine Antwort eingefallen: „Silvester ist zwar lateinisch, da hast du recht. Aber Silvester heißt nicht ,Krach‘, Paula. Silvester heißt eher so etwas wie ,Waldmensch‘. Denn ,Silva‘ heißt Wald.“

Ich habe wieder überlegt: „Vielleicht meinten ja die Menschen mit Waldmensch die Geister, die sie mit dem Krach vertreiben wollten. Oder manche haben sich im Wald versteckt. Damit sie den Krach nicht so mitkriegen.“

Jetzt musste der Andreas ein bisschen lachen. „Das ist eine gute Überlegung, Paula“, hat er gesagt, „aber die Erklärung ist viel einfacher. Der letzte Tag des Jahres, der 31. Dezember, ist der Todestag des Papstes Silvester. Der Papst ist doch der Oberchef aller katholischen Menschen. Für die Kirche war dieser Papst sehr wichtig. Er hat mal vor langer, langer Zeit den römischen Kaiser Konstantin von einer schweren Krankheit geheilt, wird erzählt. Und dafür soll der Kaiser aus Dankbarkeit dem Silvester Land und Macht für seine Kirche geschenkt haben. Das ist zwar ein Schwindel. Aber der 31. Dezember blieb weiterhin der Namenstag des Papstes mit dem Namen Silvester.“

Das war sehr interessant. Aber irgendwie kann ich Schwindler nicht leiden. Ich habe zum Andreas gesagt: „Das ist schade. Das ist zwar eine schöne Geschichte. Aber ich würde lieber nicht jedes Jahr an diesen Schwindler Silvester erinnert werden!“

Der Andreas hat geantwortet: „Der Silvester ist eigentlich gar nicht der Schwindler. Erst einer der späteren Päpste hat ein paar hundert Jahre später eine Urkunde gezeigt. Auf der stand das mit dem Geschenk von Kaiser Konstantin an die Kirche. Das hat ganz viel Ärger gegeben mit den Kaisern. Und erst noch einmal ein paar hundert Jahre später hat man rausgekriegt, dass der Brief gefälscht war.“

Das fand ich gut. Und ich habe mich auch gefreut, dass der Silvester nichts dafür kann. Dann kann man ja ruhig zum Jahresende an ihn erinnert werden. Denn schließlich heißt es ja wirklich: „Ehrlich währt am längsten!“ Eure Paula

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