Paulas Nachrichten

Paula mag keine feigen Nüsse

11.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas in die Redaktion gekommen. Er saß an seinem Schreibtisch. Und er hat ganz viele Falten auf der Stirn gehabt. So sieht er aus, wenn er nachdenkt. Oder wenn er sauer ist. Das kann nämlich auch schon mal vorkommen.

„He, was ist denn mit dir los?“, habe ich zu ihm gesagt. „Deine Fußballer spielen doch erst morgen. Da können die doch noch gar nicht verloren haben!“

Der Andreas hat geantwortet: „Nein, natürlich nicht, Paula. Aber mich machen manchmal auch noch andere Sache grätig als Fußball. Zum Beispiel der Präsident von Amerika. Der behauptet: Viele Zeitungen schreiben Fejik nuus.“

„Was für ein Ding? Eine feige Nuss? Das habe ich ja noch nie gehört!“, habe ich geschnattert.

„Doch keine feige Nuss, Paula! Feik nuus. Das schreibt man f-a-k-e n-e-w-s und das bedeutet so viel wie ,gefälschte Nachrichten‘. Da rege ich mich als Reporter richtig darüber auf. Denn meine Zeitungskollegen berichten schon die Wahrheit. Die haben zum Beispiel gesagt: Bei der Präsidenten-Party von seinem Vorgänger waren viel mehr Menschen als bei seiner Party. Man hat das mit Bildern beweisen können. Aber das passt dem komischen Ami-Chef nicht. Also hat er etwas anderes behauptet. “

„Aber wenn das stimmt, dann stimmt das doch“, habe ich gemeint.

„Das ist dem egal“, hat der Andreas geantwortet. „Der sagt einfach: das seien alternative Fakten.“

Das habe ich wieder nicht verstanden. Ich habe gesagt: „He, das klingt ja wie ein Waschmittel. Macht der Reklame für ein neues Waschmittel?“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er gesagt: „Das würde ich ihm auch noch zutrauen. Aber alternative Fakten sind kein Waschmittel. Fakten sind einfach Tatsachen. Das kommt vom Römerwort Wort ,factum‘. Das heißt einfach ,das Gemachte‘. Man kann es nicht ändern. Es ist so gemacht worden. Also ist es eine Tatsache. Und das Wort ,alternative‘ kommt vom Römerwort ,alter‘. Bevor du fragst: Das hat nichts mit unserem Wort Alter zu tun. Es heißt ,anders‘. Deshalb ist eine Alternative eine ,andere Möglichkeit‘. Alternative Fakten wären also andere, mögliche Tatsachen. Aber das geht ja nicht. Wenn ich ein Mensch bin, kann ich keine Zeitungsente sein – auch wenn ich will. Wenn ich das behaupte, ist es falsch. Und keine andere Möglichkeit.“

„Na ja“, habe ich kurz überlegt. „Aber deine Reporterkollegen berichten ja wirklich nicht immer die Wahrheit. Das macht ihr ja hier auch nicht.“

Jetzt hat mich der Andreas ganz böse angeguckt. Er hat geschnattert, äh, geschimpft: „Aber, Paula, wie kannst du denn so etwas Böses behaupten? Und es stimmt ja auch nicht! Ich . . .“

Ich habe ihn unterbrochen und gesagt: „Warte mal kurz.“ Dann bin ich zu einem Schrank gewatschelt und habe eine alte Zeitung geholt, die vor ein paar Wochen kam. Ich habe sie ihm hingelegt und gesagt: „Da sind auch feige Nüsse, äh, fake news drin. Guck mal die vielen Schilder auf der Neuffener Straße auf dem Bild in unserer Zeitung. Die habe ich gesucht. Die fand ich nämlich lustig. Aber die gibt es gar nicht. Da stehen viel weniger Schilder herum. Das ist doch auch gelogen! Da würde der Ami-Chef aber mit dir schimpfen.“

Jetzt musste der Andreas lachen. Er hat gesagt: „Du hast recht. Das ist gelogen. Aber es ist nur Spaß. Das ist unsere Faschingszeitung. Und da übertreiben wir und lassen uns was lustiges einfallen. Die Leser merken aber, dass das nur Spaß ist. Na ja, fast alle. Außer einem . . .“

Dabei hat er mich ganz groß angeguckt – und noch mehr gelacht.

Das fand ich nur kurz gar nicht lustig. Aber dann habe ich mitgelacht und gesagt: „Na, auch eine Zeitungsente kann nicht immer alles wissen. Deshalb habe ich ja dich.“ Eure Paula

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