Paulas Nachrichten

Paula mag kein Gewitter am Maientag

09.06.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

ich bin gerade ganz schön genervt. Andauernd diese blöden Unwetter und die dämliche Gewitter! Zum Beispiel am Donnerstag. Ich wollte abends noch einmal beim Andreas vorbeiwatscheln. Da bekomme ich dann auf der Terrasse ab und zu ein richtig schönes Eis. Aber dann ist der Himmel immer dunkler geworden. Ich bin lieber mal ein bisschen schneller gewatschelt. Dann war ich gleich bei ihm. Und schon hat es super viel geregnet. Der Andreas hat trotzdem seine Terrassentür aufgemacht.

Ich habe geschnattert: „Spinnst du? Ich will doch jetzt nicht raussitzen!“

„Ja“, hat der Andreas gemeint. „Aber der Regen kühlt die Luft ab! Ich lasse ein bisschen Kühle ins warme Haus rein!“

Dann hat es aber geblitzt. Und kurz darauf auch noch gedonnert. Ich habe noch lauter geschnattert: „Aber jetzt kannst du zumachen!“

Der Andreas hat geantwortet: „Der Blitz kommt schon nicht rein. Unser Haus hat einen Blitzableiter. Das ist ein Metallgerät auf dem Dach. Das leitet den Blitz in die Erde ab. Aber wenn du Angst vor dem Krach hast . . .“

Ich hätte ihm ja gerne widersprochen. Aber ich habe ganz kleinlaut leise geschnattert: „Ja, der riesige Knall ist übel. Der Donner. Und der Blitz davor sagt mir: Achtung, Paula, jetzt kommt gleich der Schlag. Der Blitz allein wäre vielleicht gar nicht so schlimm, aber . . .“

Der Andreas hat mich da direkt unterbrochen: „Hm, eigentlich passieren Blitz und Donner zur selben Zeit. Aber das Licht des Blitzes ist viel, viel schneller als der Donner. Deshalb sehen und hören wir die beiden getrennt. Aber man ist ja vom Gewitter immer verschieden weit weg. Denn die Gewitterwolken bewegen sich ja. Je näher man ist, umso schneller kommt der Donner nach dem Blitz!“

In dem Moment hat es zackbumm laut gekracht. Und gleich geblitzt. Ich bin mal vorsichtshalber tief in den Kissen vom Sofa vom Andreas abgetaucht.

„Jetzt ist das also ganz nah“, habe ich leise gemeckert. Der Andreas hat auch gemeint, dass ich jetzt eher wie ein Schaf oder eine Ziege klinge. Gar nicht wie eine Zeitungsente.

„Ich bin aber kein Zeitungsschaf! Auch wenn mir Gewitter nicht passen! Warum müssen die mir überhaupt den Sommer vermiesen? Die könnten doch auch im Winter ein bisschen herumpoltern. Da bin ich eh lieber drin!“

Der Andreas musste lächeln. „Na ja“, hat er gesagt, „im Sommer scheint die Sonne viel länger als im Winter und erwärmt die Luft mehr. Dadurch verdampft auch mehr Luft aus Flüssen und Seen. Die warme feuchte Luft steigt hoch in den Himmel. Aber dort ist es auch im Sommer eiskalt. Das kühlt die die warme Luft wieder. Da gibt’s Wasserdampf wie in meinem Bad, wenn ich heiß dusche. Dort oben entstehen also viele kleine Tropfen und weiter oben schon kleine Eiskörner. Zusammen ergeben sie die schwarzen, bösen Gewitterwolken. Die sinken ab und es regnet und so. Die feuchten Teilchen düsen aber in der Wolke auch ganz schnell herum. Dabei reiben sie sich aneinander. Dabei gibt’s Energie. Die Wolke wird elektrisch geladen. Wie eine Batterie. Die hat zwei Pole. In der Wolke ist das auch so. Und zwar zwischen den Eiskörnern oben und und den Wassertropfen unten. Die Energie muss sich entladen. Da gibt’s riesige Funken. Das sind die Blitze. Die machen die Luft um sie herum auf einen Schlag ganz heiß. Da ist es viermal so heiß wie auf der Sonne. Die superheiße Luft dehnt sich ganz schnell aus. Deshalb durchdringt sie die Schallmauer. Und paff! Es gibt den Donnerschlag!“

„Was?“, habe ich geschnattert, „da oben gibt es eine Mauer? Die fällt um? Dann regnet es womöglich nicht nur Tropfen, sondern auch Mauersteine?“

„Nein“, hat der Andreas gemeint, „das nennt man nur so. Das ist wie bei einem Flugzeug. Das schiebt auch den Schall als Druckwelle in der Luft vor sich her. Man hört es bevor man es sieht. Aber es gibt ganz schnelle Flugzeuge. Die überholen die eigenen Schallwellen. Und in dem Moment kracht es. Das nennt man die Schallmauer. Bei Blitz und Donner ist es auch so. Die heiße Luft ist ganz schneller als der Schall und es donnert.“

„Oh je“, habe ich gemeint, „und wenn das beim Maientag passiert?“

Der Andreas hat gemeint: „Komm’, wir schauen mal aufs Wetterradar.“

„Rad-was?“, habe ich gefragt, „,Radio? Meinst du die Wetternachrichten im Radio?“

Der Andreas hat mir ein Computerbild gezeigt und gemeint: „So ähnlich. Ein Radargerät sendet Wellen aus. Zum Beispiel in den Himmel. Dort bleiben die an der Feuchtigkeit in den Wolken hängen und werden zurückgeschickt. So kann man das Wasser in den Wolken erkennen und schauen, wo die hingehen.“

„Ah, wie wird’s am Samstag? Vielleicht zieht es ja am Maientags-Nürtingen vorbei“, habe ich gemeint.

„Hm“, hat der Andreas gesagt, „Man kann nur sagen: Es wird in der Gegend morgen wahrscheinlich mal regen und gewittern – oder nicht. Aber wo, zeigt das Radar erst spät. Es muss dafür schon den starken Regen und die Blitze messen. Stell’ dir einen Kochtopf auf einer heißen Herdplatte vor. Du weißt: Das Wasser wird kochen und dann steigen Luftblasen auf. Wo die aber aufsteigen, weißt du erst, wenn sie hochkommen.“

„Na gut“, habe ich gemeint, „aber wir werden bestimmt Glück haben. Hier wird es keine Gewittermauern und Gewitterblasen geben.“ Eure Paula

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