Paulas Nachrichten

Paula mag die Bilder von Chagall

16.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas in die Redaktion gekommen. Ich schaue immer ganz neugierig auf seinen Schreibtisch. Da lag ein wunderschönes Bild.

„He, das hast doch nicht du gemalt? Oder?“, habe ich ihn angeschnattert.

Er hat mich erst einmal ein bisschen sauer angeschaut. Dann hat er gemeint: „Warum sollte ich nicht malen können? Aber du hast ja recht. Das Bild ist nicht von mir. Das Bild hat ein achtjähriger Junge aus Raidwangen gemalt. Der heißt Manuel Bitzer.“

„Und wie kommst du an das Bild? Hat er dir das geschenkt? Oder hast du etwas dafür bezahlen müssen?“, wollte ich wissen.

„Das war ganz anders, Paula. Das hat etwas mit Chagall zu tun“, hat er mir erklärt.

Ich bin aber richtig erschrocken. „Schakal? Das sind doch die Viecher, die den Wölfen so ähnlich sind! Die mag ich ja gar nicht! Und seit wann können die malen?“ , habe ich gerufen.

Der Andreas hat losgelacht. Wie könnte es auch anders sein! „Aber Paula“, hat er geprustet, „da geht’s doch nicht um die Schakale. Da geht es um Marc Chagall. Das spricht man ,Schagall‘. Der war ein Maler. Er kam aus Russland und lebte lange Jahre in Frankreich.“

„Und der hat dem Manuel das Malen beigebracht?“, habe ich gefragt.

„Nein, Paula, der Chagall ist schon vor 25 Jahren gestorben“, hat er geantwortet.

„Oh“, habe ich ganz traurig gemacht.

„Das muss dich nicht traurig machen“, hat der Andreas gelächelt. „Der war da schon beinahe 100 Jahre alt. Das war ein langes und erfülltes Leben.“

Irgendwie habe ich dann aber nicht verstanden, was das Bild vom Manuel dann mit Chagall zu tun hat. Ich habe den Andreas gefragt, und er hat mir gleich die Erklärung geliefert: „In der Kreuzkirche in Nürtingen werden gerade Bilder von Marc Chagall ausgestellt. Man kann sich die angucken. Er hat mit vielen kräftigen Farben gemalt. Das mögen auch die Kinder. Und das Bild ,Zauberflöte‘ hat den Manuel zu seinem Bild inspiriert.“

„Inspi-was?“, ich habe den Andreas angeschaut wie mein berühmtes Auto.

„Das heißt ,inspirieren‘, Paula. Und das Wort kommt, richtig, von den alten Römern. ,Inspiratio‘ heißt lateinisch: Man haucht einer Sache Leben oder eine Seele ein. Das heißt bei uns: Ein Künstler lässt sich von einer Sache oder einem anderen Menschen auf die Idee für ein Kunstwerk bringen. Das Bild von Chagall hat den Manuel auf die Idee für sein Bild gebracht.“

„Hm, da ist eine Schlange drauf, ein komisches Lebewesen, ein Postauto. Was soll das denn bedeuten?“, wollte ich wissen.

Auch darauf wusste der Andreas eine Antwort: „Der Chagall hat oft Träume gemalt. Manchmal schauen sich Kinder die Ausstellung an. Dann dürfen sie ein Bild malen. Da soll was von Chagall drin sein. Es soll aber auch ein Fantasiebild sein. Ein Bild von einem Traum. Beim Manuel fällt das Postauto ins Wasser. Dann kann das Fantasiewesen alle Briefe lesen.“

„Das ist ja interessant“, habe ich gemeint. „Da würde ich gerne noch mehr Bilder sehen.“

Der Andreas hat daraufhin gesagt: „Das ist kein Problem. Weißt du was, Paula? Die Kinder können ihre Chagall-Bilder an der Kasse in der Kreuzkirche dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr abgeben. Sie müssen ihren Namen, ihre Adresse und ihr Alter hinten auf das Bild schreiben. Und das schönste Bild von jeder Woche veröffentlichen wir immer am Samstag auf deiner Seite bis zum Ende der Ausstellung am 14. Februar!“

„Das ist eine tolle Idee“, habe ich mich gefreut. Meint ihr nicht auch. Jetzt bin ich auf die Bilder gespannt. Vielleicht träume ich ja auch was Spannendes. Eure Paula

Paulas Nachrichten