Paulas Nachrichten

Paula mag den Kapuzenschaum

30.09.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gekommen. Der sah ganz traurig aus. Ich habe ihn gleichmal angeschnattert: „He, haben deine Fußballer schon wieder verloren oder warum guckst du so?“

„Nee, nee, Paula, die verlieren gar nicht mehr so oft“, hat er ganz niedergeschlagen geantwortet. „Aber ich finde meinen Autoschlüssel nicht mehr.“

„Ach“, habe ich gesagt, „das macht doch nichts. Dann läufst du eben! Das ist sowieso gesünder!“

Das sollte ein Witz sein. Aber er hat gar nicht lachen müssen. Er hat ganz müde gemeint: „Ha, ha, ha.“

Deshalb habe ich gleich gesagt: „Nur Spaß! Komm’, ich helfe dir suchen.“

Ich habe dann überall gesucht. Auch an komischen Stellen. Denn an den normalen Stellen hat der Andreas ja schon umsonst gesucht. Tatsächlich habe ich den Schlüssel in einer ganz alten seltsamen Tasche gefunden. Der Andreas hat gestrahlt, mich in den Arm genommen und mir einen Schmatz gegeben. Dann hat er sagt: „Meine Paula! Ha, du bist halt schon ein Käpsele!“

Zuerst habe ich mich ja gefreut. Weil er sich so gefreut hat. Und weil er sich so lieb bedankt hat. Aber das Wort Käpsele habe ich nicht so richtig verstanden. „Wieso soll ich ein Käpsele sein?“, habe ich geschnattert. „Käpsele braucht man doch an Fasching. Da steckt man die in die Cowboy-Pistolen und kann rumknallen. Aber ich will doch nicht knallen!“

Der Andreas konnte jetzt wieder richtig lachen. Dann hat er geantwortet: „Ja, ein Käpsele ist eine kleine Kapsel für so eine Spielzeugpistole. Aber ich habe gerade etwas ganz anderes gemeint. Käpsele ist nämlich ein schwäbischer Ausdruck. Und zwar ein toller Ausdruck. Damit lobt man jemanden. Ein Käpsele ist sehr schlau und gut.“

„Ah“, habe ich überlegt, „und was hat das mit der Knallkapsel zu tun? Ist das Rumballern schlau oder was?“

„Eigentlich nicht unbedingt“, hat der Andreas gemeint. „Käpsele kommt vom Römerwort ,caput‘ und das . . .“

Ich habe den Andreas gleich unterbrochen. Ich habe geschnattert: „Was? Kaputt? Ich bin ein Kaputtle sozusagen? Und das soll ein Lob sein? Weißt du, was du mit so einem Lob machen kannst? Du kannst dir so ein Lob . . .“

„Halt, halt, liebe Paula“, hat mich der Andreas unterbrochen, „reg’ dich nicht so auf. Es geht nicht um das Wort ,kaputt‘. Es geht um das Römerwort ,caput‘. Das schreibt man c-a-p-u-t. Das heißt eigentlich ,Kopf‘. Ein Käpsele ist also ein schlauer Kopf. Oder es hat eben besonders viel im Kopf.“

„Ah“, habe ich gemeint, „das ist ja toll. Sogar die Schwaben klauen sich für ihre Sprache Wörter von den Römern! Das da kein anderer darauf gekommen ist!“

„Na ja“, hat der Andreas gemeint, „da gibt es noch viele andere Möglichkeiten. Komm’, wir gehen in die Stadt. Nach dem Schlüssel-Schreck muss ich mich erst einmal ganz gemütlich beruhigen.“

Dann sind wir also in die Stadt gewatschelt, äh, und gelaufen. Wir sind in einStraßencafé gegangen. Da sehe ich den Andreas oft. Auch die Monika sitzt da oft. Die malt immer meine Spatzenfreunde. Könnt ihr euch erinnern, liebe Kinder?

Der Chef hat uns nett begrüßt. Dann hat er dem Andreas eine große Tasse gebracht. Da war leckerer Schaum oben drauf.

„So“, hat er gemeint, „und das ist ein Kaputschino. Ein Kaffee mit Milchschaum und heißer Milch. Den schreibt man c-a-p-p-u-c-i-n-o. Das ist jetzt ein italienisches Wort. Die Italiener haben natürlich in ihrer Sprache ganz viele Wörter von den alten Römern geklaut. Rom ist ja ihre Hauptstadt.“ Ich habe mir die Tasse genau angeguckt – aber keinen schlauen Kopf entdeckt.

Ich habe gefragt: „Schmeckt der so lecker? Nennt man deshalb seinen Erfinder ,schlaues Köpfchen‘ auf Italienisch? Und deshalb heißt der Kaffee auch so?“

„Nein, nein, Paula. Das ist so: Es gibt doch Mönche. Das sind die Männer, die nur ihrem Gott dienen wollen und im Kloster ganz abgeschieden leben. Die haben oft einen einfachen Mantel mit einer Kapuze an. Da siehst du schon wieder so ein Wort: Kapuze. Das kommt auch von ,caput‘. Das ist eine Bedeckung für den Kopf an einem Mantel. Deshalb heißen manche Mönche auch Kapuziner. Ja, und manche sagen: der Cappucino heißt so, weil er eine Schaumkappe hat. Manche sagen, der heißt so, weil der Kaffee den Milchschaum so braun wie den Mantel von den Mönchen macht.“

„Ah“, habe ich gemeint, „hört sich gut. Ich bin ja jetzt noch nicht so der Kaffee-Fan. Aber deinen Schaum werde ich dir gleich mal wegschlabbern. Mmmh, der Kapuzenschaum schmeckt wirklich richtig lecker!“ Eure Paula

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