Paulas Nachrichten

Paula mag auch rote Laternen

12.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

jetzt hat ja wieder die düstere Jahreszeit angefangen. Aber eines habe ich schon überstanden: Halloween mit all den komischen Typen. Die verkleiden sich und machen Krach. Ich habe euch doch vergangene Woche davon berichtet.

Als der Andreas letzte Woche vom Urlaub zurückgekommen ist, hat er mich gleich gefragt: „Na, Paula, hast du denn keinen Besuch bekommen an Halloween? Du hast mich gar nicht angerufen!“

Ich habe den Kopf geschüttelt und gesagt: „Doch, doch, die haben schon geklingelt. Wahrscheinlich wollten sie wieder Süßigkeiten. Aber ich hatte diesmal keine Angst. Zumindest nicht so große Angst wie sonst. Du hattest mir das doch alles erklärt. Und ich hätte dich ja anrufen können! Trotzdem bin ich froh. Jetzt kommen die komischen Gestalten erst nächstes Jahr wieder.“

Der Andreas hat ganz seltsam gelächelt. Dann er hat gesagt: „Freue dich da mal nicht zu früh! Am Freitag ist der 11. 11.!“

Das habe ich jetzt nicht so ganz verstanden. Ich habe gesagt: „Aber was ist denn am Freitag dem 11. so schlimm? Der Freitag der 13. ist doch ein Unglückstag. Zumindest glauben das manche Menschen.“

„Das stimmt“, hat der Andreas gesagt. „Aber am 11. 11. beginnt eben die närrische Jahreszeit, der Fasching. Du weißt doch: Da gibt’s immer die großen Umzüge. Da verkleiden sich dann ein paar Typen als Narren und Hexen und so. Die machen auch Quatsch und Lärm.“

Das hat mir nicht so ganz gepasst. „Aber gut“, habe ich mir überlegt, „Ich habe ja jetzt vor den falschen Halloween-Geistern keine Angst mehr. Also brauche ich auch vor den komischen Hexen keine Angst mehr zu haben.“

Das mit dem 11. 11. hat mich aber schon interessiert. „Warum fangen die ausgerechnet am 11. 11. mit dem Fasching an?“, wollte ich vom Andreas wissen.

Er hat geantwortet: „Das ist ganz einfach. Fasching hat was mit dem christlichen Brauch des Fastens zu tun. Man isst dann eine Weile bestimmte Sachen nicht. Und während dem Fasching lässt man es sich noch einmal so richtig gutgehen. Bis zum Aschermittwoch. Dann fastet man bis Ostern. Vor vielen Hundert Jahren hat man auch 40 Tage vor Weihnachten gefastet. Man hat dann kein Fleisch mehr gegessen. Der letzte Tag, an dem man das durfte, war der 11. 11. Das ist der Namenstag des heiligen Martin. Das ist der liebe römische Soldat gewesen. Der hat in der Kälte seinen Mantel mit einem Bettler geteilt. Also hat man früher die letzten Fleischvorräte aufgegessen. Deshalb essen manche Menschen heute noch eine Martinsgans.“

Das mit der Gans hat mir natürlich gar nicht gefallen. Ihr wisst doch, liebe Kinder: Das kann ich als Ente natürlich nicht so leiden. Auch wenn ich eine Zeitungsente bin. Die armen Gänse!

Der Andreas hat das gemerkt. Deshalb wollte er mich etwas ablenken: „Außerdem wollen die Menschen im Fasching ja immer lustig sein. Und deshalb mögen sie auch lustige Zahlen. Der 11. 11. ist natürlich eine solche lustige Zahl. Das ist eine richtige Schnapszahl.“

„Schnapszahl?“, habe ich geschnattert. „Pfui! Schnaps mag ich auch nicht!“

„Aber Paula“, hat der Andreas gelacht, „das sagt man doch nur so. Das sind Zahlen, die aus lauter gleichen Ziffern bestehen. Also der 11. 11. besteht zum Beispiel aus lauter Einsern. Das ist, wie wenn man doppelt sieht. Und Menschen sehen ja doppelt, wenn sie zu viel Schnaps trinken. Schnapszahl sagt man aber vielleicht auch aus einem anderen Grund: Weil sie bei lustigen Spielchen einen Schnaps für ihre Mitspieler zahlen müssen, wenn sie eine Punktzahl mit lauter gleichen Ziffern erreicht haben. Dieses Jahr gibt es eine besondere Schnapszahl: Freitag der 11. 11. 2011.“

„Na“, habe ich gemeint, „hoffentlich feiern die Narren dann nicht besonders wild und laut in diesem Jahr.“

„Keine Angst“, hat der Andreas geantwortet. „Der richtige Fasching wird hier bei uns noch nicht gefeiert. Erst in einem Vierteljahr geht’s richtig los. Dann gibt’s wieder die großen Umzüge.“

„Ach“, habe ich gesagt, „da toben sie bestimmt dann bei ihren Umzügen ganz wild herum. Da lobe ich mir die lieben Kinder. Die laufen gerade ganz friedlich mit ihren Laternen durch die Gegend.“

Der Andreas hat dazu gesagt: „Das ist ja schön. Dann laufe doch da mit. Aber pass auf, dass du nicht die Rote Laterne bekommst.“

„Wieso nicht? Rot ist doch eine schöne Farbe!“, habe ich geschnattert.

Jetzt musste der Andreas lachen. Er hat gemeint: „Aber natürlich. Das war ja nur ein Spaß von mir. Die Rote Laterne hat im Sport immer der Letzte bei einem Wettbewerb. Zum Beispiel der Tabellenletzte in der Fußballbundesliga.“

„Warum? Laufen die Fußballer im Herbst etwa auch mit Laternen rum, damit sie das Tor finden?“, habe ich natürlich nachgefragt.

Der Andreas musste noch mehr lachen: „Aber nein, Paula! Das kommt von den roten Lichtern, die immer am letzten Wagen ganz am Ende eines Zuges hängen. Das sagt man dann nur so.“

Das ist ja schön und gut, liebe Kinder. Aber ich mag trotzdem auch rote Laternen! Ich habe nämlich wirklich eine besonders schöne rote Laterne! Eure Paula

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