Paulas Nachrichten

Paula mag ab sofort Zwiebeln

11.04.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

juhu, jetzt ist der Frühling wirklich da! Gerade spaziere ich sehr gerne am Neckar entlang. Auch mal am Abend. Dann habe ich meine Arbeit als Zeitungsente meistens schon gemacht. Da besuche ich meine Entenkumpels. Aber es sind gerade auch sehr viele Menschen an meinem Lieblingsfluss unterwegs. Die laufen dort dann entlang. Manche laufen schnell. Manche sind langsamer unterwegs. Manche fahren mit dem Fahrrad herum. Und manche paddeln auch mit ihren Kanus auf dem Neckar.

Diese Woche habe ich mich besonders gefreut. Denn ich habe unten am Neckar den Andreas getroffen. „Na, genießt du auch die ersten Frühlingsabende, Paula?“, hat der Andreas zu mir gesagt. Ich habe mit dem Kopf genickt. Und dann sind wir ein Stück zusammen gewatschelt – also der Andreas ist gegangen und ich bin gewatschelt. An der Brücke hat der Andreas dann zu mir gesagt: „So, Paula, jetzt muss ich aber nach Hause. Ich will mal in unserem Gärtchen nach unseren Zwiebeln schauen. Die habe ich letztes Jahr vergraben. Kommst du mit?“

Das fand ich sehr seltsam. Ich habe gesagt: „Du hast Zwiebeln vergraben? Isst man die nicht lieber gleich? Na ja, ich mag die auch nicht so. Die sind mir zu scharf. Aber vergraben? Und was soll jetzt aus denen geworden sein?“

Der Andreas hat gelächelt und gemeint: „Na, dann komm mal mit! Dann zeige ich dir das! Du wirst dich wundern, was aus den Zwiebeln geworden ist! Das wird dir gefallen!“

Ich habe ein bisschen laut überlegt. Ich habe das immer noch nicht verstanden und wollte ein paar komische Witze dazu machen. So wie der Andreas das manchmal auch macht, wenn er mich ärgern will. Ich habe also laut überlegt: „Hm, was könnte denn aus Zwiebeln geworden sein? Hm, was kann man denn daraus machen? Einen Zwiebelkuchen? Oder einen Zwiebelrostbraten? Und der wächst jetzt in deinem Garten? Mit dem Fleisch? Das würde dir natürlich so passen! Oder eine Zwiebelsuppe? Wächst die dann dort in einem Suppenteller?“

Der Andreas musste lachen. Er hat gesagt: „Seltsam, Paula. Du denkst immer nur ans Essen! Und mir machst du das dann zum Vorwurf mit deinem Zwiebelrostbraten und deiner Zwiebelsuppe!“

Inzwischen waren wir beim Andreas zu Hause angekommen. Wir sind gleich hoch zu seiner Terrasse. Die führt direkt in das kleine Gärtchen mit den kleinen Beeten. Da wuchsen schon Blumen!

Ich habe gesagt: „Oh, sind die schön!“

Aber der Andreas hat gesagt: „Na, siehst du, Paula? Das ist aus meinen Zwiebeln geworden!“

Das habe ich immer noch nicht verstanden. „Du pflanzst Zwiebeln ein und Blumen kommen raus?“

Der Andreas hat gemeint: „Ja!“

Ich habe ihn aber immer noch mit meinen großen, runden Entenäuglein angeschaut wie ein großes Auto. Denn ich habe das immer noch nicht verstanden.

Deshalb hat der Andreas gesagt: „Na gut, Paula. Ich erkläre dir das. Manche Blumen wachsen tatsächlich aus Zwiebeln heraus. Die Zwiebel ist ein Spross von vielen Pflanzen. Sie ist also ein wichtiger Teil von denen. Damit können die Pflanzen Wasser und Nahrung speichern. Deshalb kann man die Zwiebel im Herbst im Garten vergraben. Die Zwiebel überlebt dann unter der Erde. Nach unten bekommt sie Wurzeln. Und in ihr drinnen gibt es die Knospe. Die breitet sich dann aus und ergibt Blätter. Aus denen wird dann im Frühling die Pflanze. Und die können wir jetzt sehen.“

„Das ist ja schlau“, habe ich gemeint. „So verstecken sich die Pflanzen vor dem kalten Winter und warten im Versteck auf den Frühling. Das ist ja so etwas wie ein Winterschlaf bei den Bären zum Beispiel.“

„Das stimmt. Es gibt viele Pflanzen mit Zwiebeln. Zu den Lauchpflanzen gehören die Zwiebeln zum Essen. Also wenn man sie essen mag. Und zu den Blumen gehören zum Beispiel die Lilien, die Tulpen oder auch die Hyazinthen.“

„Hyawas? Das hört sich ja wie ein Eselsschrei an! Mögen die Esel auch Zwiebeln?“, habe ich gefragt.

„Die Esel essen bestimmt alles Mögliche. Aber die Hyazinthen sind schöne Blumen. Die sind nach einem wunderschönen Jungen aus einem Märchen von den alten Griechen benannt. Im Märchen hat der Gott Apoll den Hyazinthos sehr mögen. Aber er hat ihm aus Versehen beim Spielen einen Diskus an den Kopf geworfen. Das ist so eine schwere Scheibe. Der Junge ist gestorben. Natürlich hat er geblutet. Der Gott Apoll hat dann aus dem Blut von Hyazinthos die schönen Hyazinthen wachsen lassen.“

Das war eine schöne, traurige Geschichte. Ich habe beinahe ein Tränchen im Auge gehabt. Aber dann habe ich gelacht und gemeint: „Also gut, dann vergrabe ich im Herbst in deinem Garten eine Hyazinthenzwiebel.“ Und der Andreas hat gemeint: „Gut, aber nur, wenn du sie nicht aufisst.“ Eure Paula

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