Paulas Nachrichten

Paula macht manchmal Geschichte(n)

12.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich meinem Näschen gefolgt. In der Straße vom Andreas hat es nämlich wunderbar geduftet. Es hat nach Plätzchen gerochen. Mh! Mir war gleich klar: Die Frau vom Andreas bäckt! Das ist immer wunderbar!

Also habe ich sofort geklingelt. Es hat aber eine Weile gedauert. Dann hat mir der Andreas doch aufgemacht. Ich habe ihn begrüßt: „He, hallo, gut, dass ich da bin. Äh, dass du da bist. Äh. Es riecht so lecker. Darf ich gleich mal die Weihnachtskekse probieren?“

Der Andreas hat mich komisch angeschaut. Zuerst wollte er lächeln. Dann hat er ganz ernst geguckt und gesagt: „Weihnachtskekse? Äh. Ich habe keine!“

Das habe ich ihm nicht geglaubt. Ich habe geschnattert: „Hahaha, sehr lustig! Und das soll ich dir glauben? Ich habe es doch genau gerochen! Es hat so wie jedes Jahr gerochen! Nach Keksen. Die deine Frau gebacken hat. Außerdem hast du da noch Krümel auf deinem Pullover!“

„Na gut“, hat der Andreas dann gestanden. „Sie hat schon gebacken. Ich habe auch probieren dürfen. Aber dann habe ich sie alle in Büchsen auf das Brett im Keller stellen müssen. Da müssen sie jetzt bleiben. Sonst bekommen wir Ärger mit meiner Frau. Nächste Woche gibt sie uns wieder welche. Dann werde ich auch für dich welche aufheben!“

Das fand ich blöd. Ich war beleidigt und bin wieder losgewatschelt. Der Andreas hat gerufen: „Na komm’, Paula, sei nicht beleidigt! Man muss ja nicht immer naschen! Das ist sowieso nicht gesund!“

Aber das fand ich noch viel blöder. Ich habe nur „Pah“ gesagt und bin davon gewatschelt.

Später fand ich das aber auch voll blöd von mir. Ich habe mir gedacht: „Wegen Keksen sollte man echt nicht beleidigt sein! Auch wenn der Andreas schon auch doof zu mir war.“

Also bin ich in die Redaktion gewatschelt. Denn der Andreas musste ja noch etwas arbeiten. Er war auch da. Und er hat gleich gelächelt. Er hat mir gleich eine kleine Dose gezeigt und gerufen: „Komm’, Paula, meine Frau hat mir extra für dich ein paar Weihnachtsgutzle mitgegeben.“

Ich habe aber noch ein bisschen beleidigt getan. Ich habe mir einfach nicht gleich einen Keks genommen.

Der Andreas hat gemeint: „Jetzt komm’ Paula, das mit den Keksen ist doch schon Geschichte!“

Das habe ich nun gar nicht verstanden. Ich habe gleich losgeschnattert: „Was? Das ist eine Geschichte? Das stimmt doch gar nicht! Das ist eben keine Geschichte! Das war doch echt wirklich so! Du hast mich ohne Keks wegwatscheln lassen! Ich erzähle doch hier keine Geschichte!“

Der Andreas hat nicht gelacht. Er wollte keinen Streit mit mir. Das habe ich gemerkt. Er hat gesagt: „Also, nein, Paula! Das habe ich ja auch gar nicht gemeint! Im Gegenteil! Da bringst du ein paar Sprichwörter durcheinander. Wenn jemand sagt ,Du erzählst eine Geschichte‘, meint er das so etwas wie ,Du erzählst Märchen‘. Dann stimmt die Geschichte nicht. Man hat sich etwas einfallen lassen. Wie in einem Märchen. Da gibt es ja auch komische Sachen, die es gar nicht gibt. Riesen, Zwerge, Zauberer oder auch Hexen oder so.

Aber ich habe etwas anderes gemeint. Ich habe gesagt: ,Das ist doch schon Geschichte‘. Das soll heißen: Das ist doch schon eine Weile her. Das ist schon Geschichte. Das war natürlich nur Spaß. Denn das mit den Keksen ist ja erst heute Morgen passiert. Das ist klar. Aber ich wollte damit sagen: ,Jetzt sei doch nicht mehr beleidigt! Das ist doch vorbei!‘“

Ich habe den Andreas angeschaut wie ein Auto. Denn ich habe es einfach nicht verstanden. Geschichte, Geschichte, Geschichte.

Der Andreas hat das gemerkt und mir erklärt: „Also, Geschichten kann man sich erzählen. Oder man kann sie sich vorlesen. Das stimmt. Die müssen nicht unbedingt wahr sein. Zum Beispiel die vielen tollen Geschichten der Kinder. Die haben uns doch jetzt welche geschickt. Die sind die Fortsetzung der Geschichte zum Weihnachtskalender.

Aber Geschichte kann auch etwas anderes bedeuten. Geschichte ist auch eine Wissenschaft. Da geht es um geschehene Dinge. Das sind sehr wichtige Dinge für die Welt und viele Menschen, für die Gesellschaft also. Damit kann man vieles erklären.“

„Hä?“, habe ich gemeint. „Mit Geschichte kann man erfundene Dinge und nicht erfundene Dinge meinen? Das ist aber kompliziert!“

„Tja“, hat der Andreas gemeint, „das kommt von der alten Bedeutung des Wortes. Das ist ein ganz altes deutsches Wort. Es heißt so viel wie ,Ereignisse‘ oder ,Folge der Ereignisse‘. ,Geschiht‘ hieß das zur Ritterzeit. Und das Wort kommt vom Wort ,geschehen‘. Bei Geschichte geht also um Ereignisse. Manche sind erfunden, manche nicht. Aber die Hauptsache ist: Meine Paula macht keine Geschichten!“

„Hä?“, habe ich geschnattert, „was soll das jetzt wieder heißen?“

Der Andreas hat gelacht und gemeint: „Ganz einfach: Das ist auch ein Sprichwort. Damit meint man: jemand ist komisch oder tut etwas Komisches. Es wäre ja auch komisch, wenn die Paula vor lauter Beleidigtsein keine Weihnachtsgutzle essen würde!“

„Ja“, habe ich gemeint, „dann will ich wirklich mal lieber keine Geschichten machen!“

Wir haben dann die Kekse gegessen. Und der Andreas hat mir ein altes Buch gezeigt. Er hat gesagt: „Da kannst du mal reingucken. Da sind aber keine Geschichten drin, sondern Geschichte. Das ist alles passiert – und trotzdem sehr interessant!“ Eure Paula

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Paula findet die Geschenk-Ente gut

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Der kam gerade von einem Termin. Ich habe zu ihm gesagt: „Hallo, wo kommst denn du schon wieder her? Warst du wieder auf einem Termin?“

„Natürlich“, hat der Andreas gesagt, „und das war ein sehr…

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