Paulas Nachrichten

Paula liest gerne die Zeitung von der Straße

16.04.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich durch die Stadt gewatschelt. Da habe ich den Andreas gesehen. Er hat sich gerade von einem Mann verabschiedet. Der hatte so eine rote Weste an. Und der hatte Zeitungen dabei. Die hat er verkauft. Der Andreas hatte auch eine. Da war ein süßer Hund vorne darauf zu sehen. Das hat mir gefallen.

Ich habe den Andreas natürlich begrüßt. Und dann habe ich zu ihm gesagt: „Na, liest du jetzt immer eine andere Zeitung? Reicht dir unsere Zeitung nicht?“

Der Andreas musste lachen. „Na ja, eigentlich schon. Aber Zeitungen kann man nie genug lesen. Und das hier ist eine ganz besondere Zeitung. Die kaufe ich mir immer. Das ist die ,trott-war‘.“

„Hä?“, habe ich geschnattert, „Trottwar? Hat das was mit trotten zu tun? Weil man die kauft, wenn man durch die Stadt trottet?“

Der Andreas musste kurz überlegen. Dann hat er gemeint: „Das hast du dir gar nicht so schlecht überlegt, Paula! Aber es stimmt nicht ganz. Eigentlich schreibt man ,Trott-war‘ nämlich so: t-r-o-i-t-t-o-i-r. Das ist nämlich ein französisches Wort. Auf Deutsch heißt das einfach ,Bürgersteig‘.“

„Ach, jetzt verstehe ich“, habe ich freudig geschnattert, „die heißt so, weil man die auf dem Bürgersteig einkauft.“

„Na ja, das stimmt nicht ganz“, hat der Andreas geantwortet. „Das ist so: Die Verkäufer von der Zeitung haben oft schon auf der Straße oder eben auf dem Bürgersteig gelebt. Deshalb heißt die Zeitung so.“

„Das ist ja komisch. Warum wohnen die denn nicht in Häusern?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat jetzt gar nicht gelacht. Er hat ganz ernst geschaut und gemeint: „Ich erkläre dir das, Paula: Normalerweise wohnen Menschen bei uns immer in Häusern. Das stimmt. Aber dazu muss man ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung besitzen. Oder man muss Geld haben. Damit kann man dann ein Haus oder eine Wohnung mieten. Manchmal bekommen die Menschen aber Probleme. Manchmal ein ganz großes Problem. Das können sie nicht lösen. Und keiner hilft ihnen dabei. Zum Beispiel wenn die Frau oder der Mann von jemandem stirbt. Dann trinken manche Menschen ganz viel Alkohol. Damit können sie ihre Trauer ein bisschen verdrängen. Am nächsten Morgen wachen sie aber wieder nüchtern auf. Und ihr Problem, ihre Trauer, ist immer noch da. Dann trinken sie noch mehr. Irgendwann bekommen sie durch den vielen Alkohol noch viel mehr Probleme. Sie können nicht mehr richtig arbeiten. Und so verlieren sie zum Beispiel ihre Arbeitsstelle. Dann bekommen sie kein Geld mehr. Dadurch verlieren sie ihre Wohnung. Denn sie können ja die Miete nicht mehr bezahlen. Dann leben sie auf der Straße. Das ist ganz schlimm. Deshalb trinken sie weiter.

Das ist nur ein Beispiel. Es gibt ganz viele andere Arten von Problemen. Man kann auch einfach krank werden und alles verlieren. Oder man hat eine schlechte Zeit im Leben und hat keine Kraft mehr, um da raus zu kommen. Das ist dann ganz arg schlimm.“

„Oh“, habe ich nur gesagt. Und ich glaube, in meinen großen runden schönen Entenäuglein war sogar eine Träne zu sehen.

Der Andreas hat das gesehen und über mein rundes Entenköpflein gestreichelt. Dann hat er gelächelt und gesagt: „Die Menschen brauchen dann Hilfe. Alleine schaffen die das oft nicht mehr in ein normales Leben. Da gibt es zum Beispiel den Verein Trott-war. Der macht die Zeitung mit dem gleichen Namen. Und der stellt dann die Menschen von der Straße als Verkäufer ein. Sie helfen ihnen auch, eine Wohnung zu bekommen. Dafür müssen sie eben arbeiten. So eine Arbeit ist aber nicht nur ein Muss. Man hat dann wieder eine wichtige Aufgabe. Die kann man erfüllen. Da fühlt man sich auch viel besser. Die Hälfte von dem Geld für die Zeitung bekommt direkt der Verkäufer.“

Ich habe jetzt auch gelächelt und gesagt: „Ah, deshalb kaufst du dir die Zeitung immer so gerne!“

„Tja“, hat der Andreas gemeint, „das ist nur ein Grund. Ich finde es toll, dass die Menschen wieder ihr Leben in den Griff kriegen wollen. Und ich habe noch einen anderen Grund: Die Zeitung ist auch sehr interessant! Da stehen oft spannende Sachen drin. Und jetzt gibt es gerade auch ein Extraheft von Trott-war für Kinder von acht bis 14 Jahren. Das ist ein Junior-Heft. Da ist auch vieles über die Verkäufer und die Probleme von den Menschen für Kinder erklärt!“

„Ach“, habe ich gemeint, „deshalb ist da der süße Hund drauf. Kann ich das mal haben?“

„Gerne“, hat der Andreas gesagt, „ich schenke es dir! Ich habe es schon gelesen. Aber dann musst du dir auch mal selber ein Trott-war kaufen!“

Das werde ich ganz bestimmt machen, liebe Kinder! Eure Paula

Paulas Nachrichten

Paula findet die Geschenk-Ente gut

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Der kam gerade von einem Termin. Ich habe zu ihm gesagt: „Hallo, wo kommst denn du schon wieder her? Warst du wieder auf einem Termin?“

„Natürlich“, hat der Andreas gesagt, „und das war ein sehr…

Weiterlesen

Weitere Nachrichten von Paula Alle Nachrichten