Paulas Nachrichten

Paula lässt sich vom Steinmännchen führen

24.09.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich durch die Stadt gewatschelt. Ich schaue mich ja immer mal gerne um und schnattere eine Runde mit den Leuten. In der Fußgängerzone habe ich den Andreas getroffen. Er hatte einen Rucksack auf. Den hat er eigentlich immer dabei. Aber diesmal hing an seinem Rucksack so ein kleines, glänzendes Ding. Das sah ein bisschen wie ein Männchen aus.

Ich habe ihm hinterhergeschnattert: „He, Andreas, wo gehst du denn mit deinem neuen Kumpel hin?“

„Hä?“, hat er geantwortet. Und dann hat er sich nach hinten umgedreht. Da hat er sich im Kreis gedreht. Denn er hat ja keinen gesehen. Den Typen am Rucksack konnte er ja nicht sehen. Ich habe es ihm gesagt, ihm sollte ja vor lauter im Kreis drehen nicht schwindelig werden: „Na, der kleine Typ oder das kleine Ding da an deinem Rucksack!“

„Ach so“, hat er gemeint und gelacht, „du meinst meinen Inukschuck. Na, komm, ich muss in die Redaktion. Ich erkläre dir das dann dort!“

Wir sind dann schnell in die Redaktion gegangen und gewatschelt. In der Redaktion hat der Andreas dann seinen Rucksack abgenommen und das Männchen mit dem seltsamen Namen abgemacht. „Guck es dir in Ruhe an, Paula“, hat er gemeint.

Das Männchen war aus Metall. Aber es sah ein bisschen nach Steinen aus. „He, sieht der Inudings immer so aus?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat geantwortet: „Nee, eigentlich nicht. Eigentlich sind die in Kanada immer aus Steinen.“

„Ah“, habe ich gemeint, „das habe ich mir gedacht! Konntest du so ein In-aus-Stein-Dings nicht mitbringen?“

Der Andreas musste lachen. Und er hat gesagt: „Äh, nein, das ging nicht. Die sind zu groß und zu schwer. Ich habe sogar sehr große gesehen. Die waren ein paarmal so groß wie ich. Die kann ich mir natürlich nicht an den Rucksack hängen!“

Ich musste auch lachen. Und ich habe gesagt: „Klar, dann könntest du deinen Rucksack gar nicht mehr tragen. Dann müsstest du Superpaula dazurufen. Die könnte ihn dann mit ihren Entenkräften tragen.“

Der Andreas hat geantwortet: „Ah, Superpaula, die Zeitungsente mit ihren übermenschlichen, äh, überentlichen Kräften! Ich weiß! Die zeigt sie vor allem beim Salat oder Schokolade essen! Aber beim Tragen von irgendetwas . . .“

Ich habe ein bisschen beleidigt getan und einfach „Pffff“ gesagt. Dann habe ich gemeint: „Pah! Vielleicht hat ja auch dein In-bumms-Dings Superkräfte! Oder warum hast du den mitgebracht?“

„Na ja, Superkräfte hat er vielleicht keine. Aber er soll immerhin Glück bringen. Den habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Von meinem Sohn“, hat der Andreas mir berichtet. „Aber die richtig großen Inukschucks haben schon ganz bestimmte Kräfte. Zumindest können sie wichtige Aufgaben erfüllen. Also, früher haben sie das meistens getan. Ich erkläre dir das mal: Geschrieben werden die Steinmänner I-n-u-k-s-u-k. Das kommt aus der Sprache der Eskimos. Das sind die Ureinwohner in den arktischen Gebieten. Auch im Norden von Kanada. Dort nennen die sich selbst aber Inuit. Das heißt auf Deutsch einfach ,Menschen‘. Und die Einzahl davon heißt Inuk . . .“

„Ah“, habe ich losgeschnattert und den Andreas angestrahlt, „ich habe verstanden: Inuk heißt Mensch, und Schuck heißt Stein. Und dann heißt das einfach ,Mensch aus Stein‘.“

Der Andreas hat mich mit offenem Mund und ganz großen Augen angeguckt. Dann hat er gemeint: „Äh, na ja, äh, das hast du dir toll überlegt. Ja, und es stimmt auch beinahe. Aber nicht ganz. Das ist nämlich so: Inuksuk heißt so viel wie: ,Der macht etwas anstelle von einem Menschen‘. Vor langer, langer Zeit haben die Eskimos die Steintypen zum Beispiel als Wegweiser aufgestellt. Oder als Zeichen für etwas anderes. Die Eskimos haben zum Beispiel ihre Vorräte versteckt. Und dann haben sie als Zeichen dafür so ein Teil hingebaut. Manchmal haben sie damit auch die Karibus, die großen Hirsche, bei der Jagd in eine Falle gelenkt.

Ich weiß, Paula, das magst du nicht so. Aber die brauchten die Tiere einfach zum Überleben.

Später wurden die Inuksuks einfach so etwas wie Denkmäler. Sie erinnern an etwas von den Alten. An ihre Geschichten, ihre Abenteuer. Ja, und für uns heute sind sie auch ein Zeichen. Und deshalb gibt es wieder kleine Abbilder von den großen Steinmännern. Sie sollen uns Glück bringen. Zum Beispiel auf der Reise.“

„Klar“, habe ich gemeint, „schließlich waren sie ja auch Wegweiser!“

„Sehr gut bemerkt, Paula“, hat mich der Andreas gelobt. Und er hat gesagt; „Ja, und sie sind deshalb auch ein Zeichen für Freundschaft. Schließlich haben sie ja früher auch Menschen für andere Menschen gebaut. Die haben die als Wegweiser oder Zeichen gebraucht!“

Ich habe gelächelt und dann schließlich gemeint: „Dann mache ihn nur schnell wieder an deinen Rucksack hin. Damit du auch immer deinen Weg findest! Und mich hat er ja auch gerade in die Redaktion geführt!“ Eure Paula

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