Paulas Nachrichten

Paula lässt die Maske fallen

06.02.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich zum Andreas in die Redaktion gekommen. Der hat gerade etwas genascht. Das habe ich gleich gemerkt. Denn man hat ihn beim Sprechen nicht richtig verstanden. Er hat so ein bisschen genuschelt. „Hwoloh, Palah“, hat er versucht zu sagen. Er wollte wohl „Hallo, Paula“ sagen.

Ich habe geantwortet: „Na, hallo, Andreas! Aber eigentlich sollte man mit vollem Mund nicht sprechen! Oder?“

Er hat dann noch kurz weitergekaut. Dann hat er nochmal geschluckt. Und dann hat er ganz locker gelächelt. Und gesagt: „Na klar, Frau Chefin! Entschuldigung! Dann sage ich halt nächstes Mal nicht gleich ,Hallo‘ zu dir! Dann esse ich lieber erst meine Schokolade auf!“

Ich habe geantwortet: „Genau, erst einmal runteressen – dann sprechen!“

Ich musste aber schlucken. Denn beim Wort „Schokolade“ ist mir richtig das Wasser im Mund zusammengelaufen. Dann hat der Andreas wieder gesagt: „Ach komm’, Paula! Dir geht es doch nicht um mein Benehmen! Dir geht es doch nur ums Essen. Wahrscheinlich beneidest du mich einfach nur um meine Schokolade! Du kannst die Maske ruhig fallen lassen!“

„Maske?“, habe ich gleich losgeschnattert, „Welche Maske? Ich habe doch keine Maske auf! Ich sehe doch wirklich so aus! Ich laufe doch nicht herum wie die hässlichen Typen gerade überall! Ich sehe wirklich so aus!“

Der Andreas hat die Augenbrauen nach oben gezogen. Dann hat er geantwortet: „Aber Paula, jetzt rege dich doch nicht gleich so auf! Ich habe doch nur einen Spaß gemacht! Das sagt man doch nur so mit den Masken! Das soll heißen: Jemand tut komisch. Er will jemanden reinlegen. Du tust so, als würdest du gar nicht meine Schokolade haben wollen. Aber eigentlich willst du natürlich ein Stück abhaben! Mit einer Maske verkleidet man sich ja! Man zeigt nicht, dass man drunter steckt! Soll heißen: Du willst doch Schokolade – und das kannst du ruhig auch sagen!“

Der Andreas hat seine Schublade aufgemacht, eine halbe Tafel Schokolade rausgeholt und mir ein schönes Stückchen davon abgegeben. Das hat mich sehr gefreut. Ich habe in Ruhe gegessen. Und dabei habe ich natürlich nichts gesagt. Aber der Andreas hat gesprochen: „Überhaupt: Wen hast du denn da gemeint mit den hässlichen Typen?“

Ich hatte dann fertiggegessen. Deshalb habe ich geantwortet: „Na, natürlich meine ich die Faschingstypen! Die haben doch auch Masken auf! Die machen Krach und ärgern alle möglichen Menschen und Enten! Die haben auch Masken auf! Wollen die auch Schokolade?“

Der Andreas musste lächeln und kurz überlegen. Dann hat er gesagt: „Nee, nee, wahrscheinlich nicht. Sie verkleiden sich eben mit ihrer Maske. Man schlüpft damit zu Fasching einfach in eine andere Rolle. Das hat mit der Geschichte vom Fasching zu tun. Da wurden ja früher auch oft die Rollen zwischen Chef und Nicht-Chef getauscht, zwischen Mächtigen und Schwachen. Dafür haben sich die Schwachen oft verkleidet. Das war bei den alten Römern so. Die haben verkleidet ein Fest für ihren Chefgott Saturn gefeiert. Tja, und dann glauben viele, dass Fasching etwas mit den uralten Festen unserer eigenen Vorfahren zu tun hat. Die haben sich als Geister und so verkleidet und den bösen Winter im Frühjahr vertrieben. Das hat sich vielleicht alles so ein bisschen zu unserem Fasching vermischt. Du musst vor denen auch keine Angst haben! Komm’, du kannst dir mal so eine Maske angucken und aufsetzen. Wir haben gerade eine da!“

Dann hat er mir so eine Maske gezeigt. Ich habe geschnattert: „Was? Ich soll so eine hässliche Hexenmaske aufsetzen?“

Der Andreas hat mich ganz groß angeguckt und gemeint: „Aber Paula, das ist doch keine Hexenmaske! Das ist einfach ein altes Weib! Das ist von den Waddabolla Weib’r aus Tischardt hier ganz in der Nähe!“

„Ah“, habe ich gemeint, „Waddawas?“

„W-a-d-d-a-b-o-l-l-a“, hat der Andreas buchstabiert und gesagt. „Das ist schwäbisch. Hochdeutsch heißt das ,Wattebollen‘ oder eben ,Wattebällchen‘. In Tischardt hat man nämlich früher Watte hergestellt. Und daran wollen die mit ihren Masken und ihrem Namen erinnern.“

„Ach so“, habe ich gemeint, „dann gibt mal her!“

Ich habe die Maske aufgesetzt und durch die Augenschlitze in den Spiegel geschielt. „Mann, bin ich hässlich!“, habe ich gesagt. „Da erkennen mich die Kinder ja gar nicht mehr!“

Der Andreas musste lachen. Er hat gesagt: „Na ja, jetzt sieht man deinen Schnabel zwar nicht mehr. Aber solche Füße und solch ein Gefieder hat ja auch nicht jeder!“

Das stimmt natürlich, liebe Kinder. Aber ich habe die Maske dann doch wieder lieber abgesetzt. Eure Paula

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