Paulas Nachrichten

Paula könnte auch ein Schlautier sein

09.05.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche wollte ich den Andreas zu Hause besuchen. Er war aber nicht da. „Der ist auf dem Fußballplatz“, hat seine Frau gesagt. Ich habe mir gedacht: Wie immer. Und dann habe ich mich erst einmal auf sein schönes Sofa gelegt. Da sitze und liege ich am liebsten. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Der Andreas hat mich dann geweckt. Er hat das aber richtig sanft gemacht. Er hat mich lieb gestreichelt. Ich habe mich erst einmal wieder gaaaanz langsam gestreckt. Dann habe ich mich gaaaaaanz langsam aufgesetzt und meine kleine Entenäuglein gaaaaaanz langsam wieder aufgemacht. Der Andreas hat gesagt: „Na, mein liebes kleines Faultier, was ist los? Jetzt kannst du aber echt so langsam wieder aufwachen!“

Da war ich aber ruck, zuck wieder wach. Ich habe geschnattert: „Was? Wieso Faultier? Ich bin doch kein faules Tier. Ich bin sehr fleißig. Ich bin eine sehr fleißige Zeitungsente. Aber jetzt habe ich mich einfach mal eine Runde ausgeruht.“

„Ist ja schon gut“, wollte mich der Andreas beruhigen. „Ich weiß. Aber ein Faultier ist ja auch nicht unbedingt faul.“

„Ach so“, habe ich mich gewundert, „und warum heißt das dann so?“.

„Na ja, die Viecher bewegen sich sehr langsam. Sie schlafen schon auch viel. Im Schnitt so 16 Stunden am Tag“, hat der Andreas gesagt.

„Gut. Aber dann sind die schon faul“, habe ich wiederum gesagt.

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas gesagt, „die sind nicht faul. Die sind eher schlau. Sie sparen nämlich auf diese Art Energie und müssen deshalb nicht so viel essen.“

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe gemeint: „Warum müssen die sparen? Kaufen die Faultiere ihr Essen im Laden? Das glaube ich nicht. Das habe ich ja noch nie gesehen.“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er gesagt: „Nee, nee, die kaufen natürlich nicht ein. Die sammeln ihre Nahrung in der Natur wie andere Tiere auch. Aber die leben in den Regenwäldern in Süd- und Mittelamerika. Dort hängen sie ganz hoch oben sicher in den Baumkronen herum. Und dort oben gibt es eben nur Blätter. Und die Blätter da oben haben ziemlich wenig Nährstoffe. Da müssen sie schön langsam tun. Und sie müssen die Blätter ganz lange verdauen. So holen sie alles aus ihnen heraus.“

Das fand ich toll. Ich habe gesagt: „Dann müssten die echt eher Schlautiere heißen. Oder Spartiere“

„Das wäre fein“, hat der Andreas gemeint. Und dann hat er gesagt: „Na ja, aber die Namen der Tiere führen uns ja manchmal schon in die Irre. Das ist wie mit den Blindschleichen.“

„Das sind doch die Schlangenviecher“, habe ich geschnattert. „Womöglich sehen die richtig gut . . . obwohl sie Blindschleichen heißen?“

„Sehr gut erkannt, Paula. Die sind wirklich nicht blind“, hat mich der Andreas gelobt. Dann hat er aber gesagt: „Schlangenviecher sind das aber keine, Paula. Das sind Echsen.“

„Schön und gut“, habe ich gemeint, „aber warum heißen die überhaupt Blindschleichen?“

„Das ist einfach“, hat der Andreas erklärt, „das Wort Blindschleiche kommt vom alten deutschen Ritterwort ,plint-slîcho‘. Das Wort ,plint‘ bedeutet aber heute eher ,blenden‘ oder ,blinken‘. Und ,slîcho‘ steht für ,Schleicher‘.“

„Ah ja“, habe ich losgeplappert, „die blinken ja wirklich so in der Sonne. Und sie bewegen sich auch so komisch. So, als würden sie schleichen.“

„Super, Paula, das hast du ganz toll erkannt“, hat mich der Andreas gelobt. „Dann bekommst du jetzt noch ein Rätsel. Pass mal auf: Wie ist das dann bei den Lachmöwen?“

„Ha“, habe ich geschnattert, „da falle ich bestimmt nicht darauf rein. Die Lachmöwen heißen bestimmt nicht so, weil sie lachen.“

Der Andreas musste lächeln. Er hat gesagt: „Na ja, so ganz genau weiß man das nicht. Manche behaupten das wirklich. Die sagen: Sie finden ihre Nahrung auch in ganz kleinen und flachen Gewässern. Und solche Gewässer nennt man auch Lachen. Das sind eben Wasserlachen.“

„Also, dann ist das ja klar“, habe ich gemeint.

Aber der Andreas hat wieder gelächelt und gesagt: „Ja, aber manche behaupten eben auch etwas anderes. Die sagen: Der Namen kommt von ihrem Geschrei. Das klingt eben wie ein Lachen. Und der lateinische Namen heißt eben auch ,larus ridibundus‘, Das heißt einfach ,lachende Möwe‘.“

„Ah ja, äh, na gut, hm“, habe ich ganz unsicher gemurmelt, „dann weiß ich auch nicht, was stimmt.“ Ich habe mir extra noch mal Bilder angeguckt von den drei Tieren. Aber es hat nichts genützt. Ich bin nicht auf die Lösung gekommen.

Dann habe ich aber angefangen zu lächeln und gemeint: „Aber eines weiß ich ganz genau: Ich bin eine Zeitungsente. Das sind zwar auch Schlautiere. Aber ich heiße gerne Zeitungsente. Ich habe nämlich ein Zeitungsgefieder. Und ich mag die Zeitung. Und ich arbeite gerne für die Zeitung!“ Eure Paula

Paulas Nachrichten