Paulas Nachrichten

Paula hat ihr Herz noch nicht verloren

14.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

manchmal mache ich gerne einen Stadtbummel und schaue mir die Schaufenster an. In dieser Woche war das besonders schön. Da waren nämlich ganz viele Herzen zu entdecken. Ich habe mir gerade ein Schaufenster mit besonders vielen Herzen angeguckt. Plötzlich hat mir jemand auf die Schulter geklopft und gesagt: „Na, Paula, hast du dein Herz verloren?“

Ich bin total erschrocken. Natürlich habe ich mich gleich umgedreht. Der Andreas ist grinsend hinter mir gestanden. Ich habe losgeschnattert: „Mein Herz verloren? Da würde ich doch gar nicht mehr leben! Das geht doch nicht!“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er gesagt: „Aber Paula! Das ist doch nur so eine Redensart! Manchmal mag man ja jemanden ganz arg. Dann sagt man: ,Ich habe mein Herz an jemanden verloren‘. Oder wenn man eine Sache ganz arg mag. Dann kann man das auch so sagen. Früher dachten die Menschen nämlich: Im Herz sitzt die Seele mit allen Gefühlen. Das Herz ist eben ein ganz wichtiges Organ.“

„Ein was? Das ist doch ein Körperteil. Und mit einer Orgel macht man Musik“, habe ich geantwortet.

Der Andreas hat gemeint: „Ich habe ja auch Organ gesagt. Das hat mit einer Orgel nichts zu tun. Organ kommt vom griechischen Wort ,organon‘. Das heißt eigentlich ,Werkzeug‘. Ein Organ ist also ein ganz wichtiges Körperteil. Es erfüllt eine wichtige Aufgabe. Und das Herz pumpt das Blut durch den Körper. Deshalb gibt es viele Sprichwörter mit dem Wort ,Herz‘. Das mit dem verlorenen Herz ist nur eines. Man kann sein Herzblut geben, wenn man sich ganz arg für etwas einsetzt. Man kann nur mit halbem Herzen bei einer Sache sein, wenn man nicht so richtig von etwas überzeugt ist. Oder man soll seine Hand aufs Herz legen, wenn man ganz ehrlich sein soll.“

„Ah ja“, habe ich gemeint, „und deshalb gibt es jetzt überall die Herzen?“

Der Andreas hat geantwortet: „Na ja, nicht ganz. Aber die Herzen sind eben auch ein Zeichen der Liebe. Man kann ja sein Herz wie gesagt an jemanden anderes verlieren. Und das heißt dann: Den mag ich ganz arg. Das wird am Samstag gefeiert. Da ist nämlich Valentins-Tag.“

„Valentins-Tag? Und alle Menschen haben ihr Herz an den Valentin verloren? Was ist denn das für ein toller Typ?“, habe ich geschnattert.

Aber der Andreas hat mit dem Kopf geschüttelt und gesagt: „An den Valentin haben die Menschen nicht alle ihr Herz verloren. Am Samstag ist der Namenstag von Valentin. Da schenken manche ihrem Liebsten etwas.“

„Hm, und warum ausgerechnet an diesem Valentins-Tag?“, wollte ich wissen.

„Na ja“, hat der Andreas überlegt, „der Valentin war schon ein toller Typ. Der war vor über 1700 Jahren Bischof von der italienischen Stadt Terni. Ein Bischof ist so eine Art Oberpfarrer. Dort waren die Römer die Chefs. Und die waren damals noch gar keine Christen. Der Valentin hat als Pfarrer viele Paare getraut, also verheiratet, und hat ihnen dazu schöne Blumen aus seinem Garten geschenkt. Dort in der Stadt gab es natürlich auch römische Soldaten. Der Kaiser wollte die nicht heiraten lassen. Aber der Valentin hat sie trotzdem getraut. Das hat dem Kaiser nicht gepasst. Und die Christen haben ihm sowieso auch nicht gepasst. Also hat er den Valentin töten lassen. Und zwar anscheinend am 14. Februar.“

„Das war ja voll fies von dem Kaiser“, habe ich geschnattert. „Aber es ist schön, dass man heute noch an den Valentin denkt.“

„Tja, dafür haben die Engländer gesorgt“, hat der Andreas weitererklärt, „Bei denen hat zur Zeit der Ritter einer ein Gedicht über Vögel geschrieben. In dem Gedicht haben die Vögel an diesem Valentinstag jeder einen Partner gefunden. Später schickten sich in England ausgeloste Paare Geschenke an diesem Tag. Noch später dann haben sich am Valentinstag Verliebte Karten geschickt. Dann sind viele Engländer nach Amerika ausgewandert. Und sie haben diese Angewohnheit mitgenommen. Nach dem letzten großen Krieg kamen viele amerikanische Soldaten zu uns nach Deutschland. Und mit denen kam der Brauch vom Valentinstag dann auch nach Deutschland.“

„Und jetzt machen hier sogar viele Geschäfte für den Valentinstag Werbung“, habe ich gesagt.

Aber der Andreas hat geantwortet: „Ohne die Werbung wüssten die meisten wahrscheinlich gar nichts vom Valentinstag. Die Blumengeschäfte und die Schokoladen-Firmen haben den Tag bei uns so richtig bekannt gemacht. Die verdienen da richtig viel Geld damit.“

„Na ja, das kann ja schon sein“, habe ich gemeint. „Aber es ist ja auch einfach schön, wenn man ein Geschenkle bekommt. Oder?“

„Da hast du recht, Paula, vielleicht hast du ja auch ein Stück deines Herzens an mich verloren. Dann findest du bestimmt ein nettes Geschenk für mich. Aber es muss ja nicht unbedingt am Valentinstag sein“, hat der Andreas gesagt. Und da hat er recht! Gell, liebe Kinder? Eure Paula

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