Paulas Nachrichten

Paula hat ein Schuh- und Sockenproblem

08.12.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

am Mittwochabend habe ich den Andreas getroffen. Er hat etwas ganz Seltsames gemacht: Er hat Schuhe geputzt. Das habe ich noch nie bei ihm gesehen.

Ich habe zu ihm gesagt: „He, was machst du denn da? Bist du jetzt ganz ordentlich geworden?“

„Äh“, hat er geantwortet, „Geworden? Ordentlich geworden? Das bin ich doch schon immer! Das ist doch klar! Deshalb putze ich doch meine Schuhe! Ordentlich geworden – so ein Quatsch!“

Ich habe den Andreas mit meinen großen, runden Entenäuglein angeguckt. Dann habe ich gesagt: „Duuuuu? Ordentlich? Und Schuhe putzen? Äh, das verstehe ich jetzt aber nicht!“

Der Andreas hat jetzt gleich losgeschnattert, äh, losgelabert: „Mensch, äh, Ente Paula, das darfst du doch nicht anzweifeln. Das kannst du doch nicht sagen. Psssssst! Sonst hört sie, äh, hört er es noch!“

„Wer soll das denn hören? Jeder weiß doch: Der Andreas putzt nicht so gerne. Also jeder der dich kennt. Na ja, außer wenn deine Fußballschuhe oder deine Wanderstiefel ganz arg dreckig sind. Die habe ich dich schon putzen sehen.“„Jetzt hör aber auf“, hat mich der Andreas angefaucht wie eine freche Katze, „sonst bekomme ich wirklich kein Geschenk!“

Das habe ich wieder nicht verstanden. Ich musste aber gleich mal an letzte Woche denken. Da wollte der Andreas ein Geschenk von mir zum Namenstag.

Deshalb habe ich zu ihm gesagt: „Was? Ein Geschenk? Du willst schon wieder ein Geschenk? Letzte Woche wolltest du was zum Namenstag von mir. Und jetzt willst du ein Geschenk für deine geputzten Schuhe von mir?“

„Doch nicht von dir“, hat mich der Andreas angemotzt, „ich will ein Geschenk vom Nikolaus! Obwohl . . .“

„Ach so“, habe ich gemeint, „der Nikolaus kommt! Von dem willst du ein Geschenk! Das will ich auch! Aber was willst du denn mit deinen Schuhen?“

„Aber Paula“, hat der Andreas geantwortet, „kennst du denn die alte Tradition nicht? Man stellt am Abend vor dem Nikolaustag einen Stiefel raus. Den sollte man vorher putzen. Das zeigt: Ich bin ordentlich und brav. Und dann steckt am Nikolausmorgen ein Geschenk drin. Meistens ein paar Süßigkeiten!“

„Ah“, habe ich gemeint, „na klar! Morgen ist ja Nikolaus! Aber was hat der denn immer mit den Schuhen? War der ein Schuster?“

„Nein“, hat der Andreas gesagt und ein bisschen gelacht. „Der war kein Schuster. Der war ein Bischof. Das ist ein Chef von den Pfarrern. Er lebte vor langer Zeit – noch zu den Zeiten der Römer – in der heutigen Türkei. Zu ihm gibt es eine sehr schöne Legende. Das ist so etwas Ähnliches wie ein Märchen. Das geht so: Der Bischof Nikolaus war sehr lieb. Deshalb hat er armen Familien helfen wollen. Er hat ihnen im Winter Geld durch den Kamin in ihre Häuser geworfen. Damit sie sich was zu essen kaufen können. Und dann . . .“

Ich habe jetzt einfach mal dazwischengeschnattert: „Was? Geld durch den Kamin? Dann wird das doch angezündet! Wie will er denn da jemanden helfen?“

Jetzt hat mich der Andreas unterbrochen und gemeint: „Aber Paula! Er hat natürlich kein Papiergeld genommen! Er hat Münzen genommen.“

„Ah“, habe ich gemeint, „und die Familien haben sich damit nichts zu essen gekauft. Sie haben sich lieber Schuhe gekauft. Und deshalb stellt man dann die Schuhe . . .“

Und wieder hat mich der Andreas unterbrochen und gesagt: „Nein, nein, nein, Paula. Jetzt hör halt mal vollends zu. Also, das Märchen geht so weiter: Es war ja Winter. Darum haben die Familien ihre Socken an den Kamin zum Trocknen gehängt. Und die Münzen vom Nikolaus sind dann reingefallen. Dort haben die Familien sie gefunden. Deshalb hängen auch manche noch ihre Socken auf. Man kann aber auch Schuhe nehmen und hinstellen.“

Jetzt habe ich ganz traurig geguckt. Ich habe vor allem auf meine wunderschönen quietscheorangenen Entenbeinchen runtergeguckt. Der Andreas hat das gemerkt und mich in den Arm genommen. Dann hat er gemeint: „Oh, Paula, jetzt ist mir das klar. Das kannst du ja gar nicht wissen. Ihr Enten seid ja extrem hart. Ihr zieht ja auch im Winter keine Schuhe oder Socken an. Tja, da gibt es auch kein Nikolausgeschenk . . .“

Ich habe noch trauriger geguckt. Aber dann hat der Andreas gelacht und gemeint: „So ein Quatsch! Ich wollte dich doch nur ärgern! Ich leihe dir natürlich gerne Schuhe aus!“

Ich habe gemeint: „Au ja, aber bitte saubere Schuhe!“

Dann haben wir beide gelacht – und uns auf Nikolaus gefreut. Eure Paula

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