Paulas Nachrichten

Paula guckt sich den schwäbischen Vulkan an

21.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich zum Andreas gewatschelt. Es war sehr kalt. Er stand aber trotzdem in Socken vor der Haustüre. Und er hat in einem Eimer Wasser geplantscht. Ich habe zuerst „Hallo“ zu ihm gesagt. Dann habe ich aber gleich losgeschnattert: „He, hast du da wenigstens warmes Wasser in deinem Eimer? Dann plansche ich ein bisschen mit!“

Der Andreas hat mich angeschaut und frech gelächelt. Dann hat er den Eimer etwas gekippt. Jetzt konnte ich so richtig reinsehen. „Iiiiiihhh!“, habe ich ganz entsetzt geschnattert. Das Wasser war nämlich sehr schlammig. „Da mache ich nicht mit. Da ist ja mein Zeitungsentengefieder nachher total verdreckt. Da könnst du keine Zeile mehr auf mir lesen!“

„Schade“, hat der Andreas gemeint, „du könntest mir ruhig beim Schuheputzen helfen.“ Er hat mir dazu seine dreckigen Schuhe und eine Bürste gezeigt. Jetzt war mir alles klar. Der Andreas hat gar nicht geplantscht. Er hat seine Schuhe geputzt.

„Äh“, habe ich ganz leise gemeint, „eigentlich hatte ich was anderes vor. Warum hast du die so dreckig gemacht?“

„Tja, Paula“, hat der Andreas geantwortet, „so ist das halt beim Wandern auf dem Vulkan im Winter!“

„Wie bitte?“, habe ich geschnattert, „du wanderst wieder auf Vulkanen?“

Er hatte mir nämlich schon einmal von solchen Wanderungen auf Vulkanen erzählt. Aber die riesigen Feuerberge standen in Amerika herum. Deshalb habe ich ganz verdutzt geguckt. Ihr wisst schon, liebe Kinder, ich habe geguckt wie ein Auto. Und ich habe gesagt: „Auf Vulkanen herumwandern? Aber du warst doch heute nicht etwa in Amerika? Oder? Das hätte ich doch mitbekommen!“

Der Andreas musste lachen. Er hat mir geantwortet: „Nein, nein, ich war heute wirklich nicht kurz in Amerika. Leider! Ich war auf der Alb. Aber da ist es ja auch schön. Unser schwäbischer Vulkan ist gerade schön mit Schnee verziert.“ Dann hat er auf seine Schuhe geguckt und gemeint: „Nur an manchen Stellen kommt schon der Dreck raus.“

Das fand ich alles sehr unheimlich. Ich habe richtig Angst bekommen. „Wie bitte?“, habe ich gemeint, „auf der Alb gibt es einen Vulkan? Hier bei uns? Oje, oje, . . . Wenn der ausbricht . . . Und da wanderst du darauf herum?“

Der Andreas hat mich beruhigt: „Keine Angst, Paula. Der bricht nie, nie mehr aus. Das sind nur die Vulkanreste.“

Das hat mich schon ein bisschen beruhigt. Aber ich wollte sicher sein. Deshalb habe ich den Andreas gefragt: „Hm, und wann ist der dann ausgebrochen? Ist das schon so richtig lange her?“

„Ja, Paula“, hat der Andreas gemeint, „das ist nun wirklich sehr, sehr, sehr lange her. Das war im Miozän.“

„Im was?“, habe ich geschnattert. „Millionen Zähne? War das ein bissiger Vulkan?“

Jetzt hat mich der Andreas ganz groß angeguckt. Aber dann hat er gelacht und gesagt: „Das hat mit Zähnen nichts zu tun, Paula. Das Wort schreibt man nämlich so: M-i-o-z-ä-n. Das ist ein Erdzeitalter. Damit meint man eine ganze Zeit der Geschichte unserer Erde. Das Wort kommt von den griechischen Wörtern ,meion‘ für ,weniger‘ und ,kainos‘ für ,neu‘. Das Erdzeitalter ist nämlich älter als ein anderes, also weniger neu. Es ist über 15 Millionen Jahre her. Das ist eine 15 mit sechs Nullen. In dieser Zeit sind auch hier bei uns viele Vulkane ausgebrochen. Man kann da so einen Kreis um die Stadt Urach auf der Alb machen. Da findest du über 350 Ausbruchstellen. Deshalb nennt man das ganze Gebiet auch ,schwäbischer Vulkan‘. Die größte Ausbruchstelle ist der Jusi-Berg bei Kohlberg. Da war ich heute oben. Du kannst ja mal mitkommen, Paula!“

Ich habe schnell gesagt: „Äh, ja, das ist eine gute Idee, das machen wir mal.“

Aber eigentlich wollte ich mir den Berg lieber aus der Ferne angucken. Ich bin am nächsten Tag mit dem Kollegen vom Andreas mal hingefahren. Das ist der Fotograf. Der Berg sieht echt schön aus. Aber eigentlich sieht er einfach aus wie der Anfang von der Alb.

Wir sind zurück in die Redaktion gegangen. Und dann habe ich den Andreas darauf angesprochen: „Du, der Jusi sieht aus wie der Anfang von der Alb.“

Der Andreas hat mit dem Kopf genickt und gesagt: „Das ist gar nicht so falsch, Paula. Vor ganz langer Zeit hätte man den Jusi gar nicht als Berg erkannt. Da sah er als Krater von dem Vulkanausbruch aus wie eine Schüssel. Und die ganze Hochfläche der Alb hat die Schüssel umschlossen. Aber die Hochfläche war aus Kalk. Und das Wasser, der Wind und die Kälte haben den weggespült in all den vielen, vielen Jahren. Diesen Vorgang nennt man Erosion. Das kommt vom Römerwort ,erodere‘. Das heißt ,abtragen‘. Der Jusi ist aus härterem Gestein. Und deshalb ist das stehengeblieben. Aber an einer Seite ist der Jusi jetzt noch mit der Albhochfläche verbunden.“

Ich habe gesagt: „Vielleicht watschele ich doch mal mit dir auf den schwäbischen Vulkan. Aber nicht, wenn ich nachher im Dreckwasser plantschen muss.“

Der Andreas hat gelacht. „Nein, aber wir können ja dann in die Panoramatherma nach Beuren gehen. Da gibt es wunderschönes warmes Wasser. Das haben uns auch die alten Vulkane hinterlassen.“

Das fand ich toll. Ich werde mit dem Andreas da mal hingehen. Eure Paula

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