Paulas Nachrichten

Paula gibt gerne einen Musenschmatz

20.10.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

jetzt ist das Wetter ja wieder richtig schön. Aber die Tage davor war es schlecht. Da wollte ich gar nicht viel draußen rumwatscheln. Ich bin dann an solchen dunklen, kühlen Tagen am liebsten beim Andreas. Der hat so ein schönes Sofa!

Der Andreas hatte mich auch gleich durchschaut. „Du musst dich schön klein machen, Paula.“

Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto. „Kleinmachen? Aber ich bin doch eigentlich schon richtig klein. Wie soll ich denn noch kleiner werden? Aus mir kann man doch nicht die Luft rauslassen!“, habe ich mich aufgeregt.

Der Andreas musste natürlich lachen. „Das habe ich nicht so gemeint, Paula. Das ist nur so eine Redensart. Ich habe damit gemeint: Du willst doch sicher auch aufs Sofa. Da liegen aber schon meine Frau und ich. Deshalb ist es da eng.“

Das fand ich irgendwie blöd. Ich habe ein bisschen traurig geguckt. Aber plötzlich kam der Sohn vom Andreas vorbei. Der hat sich nämlich gefreut mich zu sehen. Und er hat gesagt: „Hallo, Paula. Kein Problem, wenn die keinen Platz für dich haben. Ich gehe jetzt sowieso zu einem Freund. Du kannst in meinem Zimmer auf meinem neuen Sofa chillen. Tschüss!“

Ich habe ihm ganz verlangsamt nachgeschaut. „Schielen? Ich schiele doch gar nicht. Ich habe doch nur traurig geguckt“, habe ich zum Andreas gesagt.

Der musste schon wieder lachen. „Der hat ja auch nicht ,schielen‘ gesagt. Er hat ,tschillen‘ gesagt. Das schreibt man c-h-i-l-l-e-n. Das kommt aus dem Englischen. Dort bedeutet das Wort so viel wie ,kühlen‘ oder ,abkühlen‘.“

„Was?“, habe ich losgeschnattert. „Ich will doch nicht gekühlt werden!“

Jetzt musste der Andreas noch viel mehr lachen. „Also gut, Paula. Du bist eben keine sehr moderne Zeitungsente. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Die ganzen neuen Wörter sind ja auch schwer zu verstehen. Ich werde dir das erklären: Chillen bedeutet bei den Jugendlichen natürlich nicht nur ,kühlen‘. Bei den Jugendlichen heute heißt das auch in Deutschland: ,Ausruhen‘, ,entspannen‘ oder ,beruhigen‘. Also, Paula, gehe ins Zimmer von meinem Sohn. Schnappe dir die Kopfhörer und höre etwas Musik. Lies einen Comic. Lass’ es dir gutgehen. Auf gut neudeutsch: Chille einfach ein bisschen!“

Eigentlich bin ich ja eine fleißige Ente. Trotzdem hatte ich richtig Lust zu chillen. „Na gut, dann mache ich das. Nachher kann ich ja noch ein bisschen durch die Stadt watscheln. Vielleicht erfahre ich ja eine Neuigkeit für die Zeitung.“

Der Andreas hat mich gleich durchschaut. Deshalb hat er gesagt: „Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Jeder darf einmal eine Pause machen. Manchmal hat man beim Faulenzen auch ganz tolle Ideen. Ich bekomme da oft einen Musenkuss.“

Jetzt habe ich den Andreas ganz sauer angeguckt. Der hat doch schon eine Frau! Und außerdem saß die direkt neben ihm auf dem Sofa. Die hatte das mit dem Kuss auch gehört. Aber sie hat gar nicht reagiert. Sie hat nur ein bisschen gelächelt. Ich habe gleich losgeschnattert: „Musenkuss? Du bist verheiratet! Da kann doch nicht einfach eine Musen herkommen und dich küssen! Wer ist denn diese Musen?“

Der Andreas hat mich angeschaut wie ein riesengroßes Auto. Ihr wisst schon: Er hat geglotzt wie ein ganzer Lastwagen. Dann hat er schon wieder gelacht und gesagt: „Aber Paula, es gibt natürlich keine fremde Frau namens Musen, die mich küssen will. Die Musen sind Mädels aus der Sagenwelt der alten Griechen. Du weißt doch: Die Sagen sind so etwas wie uralte Märchen. Der Papa der Musen war der Obergott Zeus. Jede war für eine Kunst zuständig. Sie waren sozusagen die Schutzgöttinnen der Künste und der Wissenschaften.

Die Menschen haben sich das so vorgestellt: Der Künstler bekommt von den Göttinnen eine Idee für ein Kunstwerk. Für ein Lied zum Beispiel. Oder für ein Gedicht. Oder für ein Bild. Dann sagt man noch heute: Die Muse hat ihn geküsst. Auch das Wort Museum kommt von den Musen.“

Ich war beruhigt. „Ach so“, habe ich gesagt, „das haben sich die alten Griechen so vorgestellt. Dann gibt es heute auf jeden Fall keine Musen mehr.“

„Die gab’s eigentlich noch nie. Oder doch? Wart’ mal. Man sagt das heute noch mit dem Musenkuss. Manche Künstler haben schon auch heute Musen. Das sind einfach Frauen, die Künstlern helfen, gute Ideen zu haben.“

Ich habe ein bisschen überlegt. Dann habe ich gefragt: „Gibt es eigentlich auch eine Muse für Zeitungsschreiber?“

Der Andreas musste lächeln. „Gute Frage! Nicht dass ich wüsste. Die alten Griechen kannten Musen für traurige oder lustige Theaterstücke. Das würde manchmal zu unseren Artikeln über die Politiker ganz gut passen. Und die alten Griechen kannten eine Muse für die Dichtung und die Redekunst. Das war die Kalliope. Das ist doch ein schöner Name! Und ihr Zeichen ist eine Schreibtafel und ein Schreibgriffel. Wir könnten die für uns Journalisten nehmen!“

Aber dann hat mich der Andreas ganz lange und ganz lieb angeguckt und gesagt: „Nein, nein, ich weiß was viel Besseres: Du sollst meine Muse sein, liebe Paula!“

Da bin ich richtig rot geworden. Aber ich habe mich riesig gefreut. Und ich habe dem Andreas gleich einen Paula-Musenschmatz gegeben! Eure Paula

Paulas Nachrichten

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