Paulas Nachrichten

Paula gibt dem Affen Zucker

04.06.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

am Donnerstag bin ich zum Andreas gekommen. Eigentlich habe ich gedacht, der ist gar nicht da. Schließlich war ja Vatertag. Und da rennen die Kerle doch mit einem Leiterwagen, ihren Kumpels und einer Kiste Bier durch die Gegend. Der Andreas aber war zu Hause. Er saß mit seiner Familie und Freunden auf der Terrasse.

„Na, du bist ja gar nicht unterwegs“, habe ich zu ihm gesagt. Und ich habe ihn gefragt: „Feierst du gar nicht Vatertag?“

„Doch, doch, Paula“, hat er geantwortet. „Aber du weißt doch: Ich feiere am liebsten mit meiner Familie.“

Das fand ich auch in Ordnung. Ich habe mich zu ihnen gesetzt. Aber mir ist bald ein bisschen langweilig geworden. Der Andreas hat sich nämlich über Fußball unterhalten. Wie so oft. In einer kurzen Verschnaufpause von ihm habe ich schnell gesagt: „He, was redest du denn schon wieder über Fußball? Es ist doch Pause!“

Der Andreas hat gelächelt. Dann hat er gemeint: „Richtig, in der Bundesliga ist Pause. Aber die Nationalmannschaft spielt noch. Und die Jugendmannschaft von meinem Sohn spielt auch noch. Und außerdem weißt du doch: Man soll seinem Affen ab und zu Zucker geben!“

Anschließend hat er sich weiter über Fußball unterhalten. Und ich habe wieder einmal geguckt wie ein Auto. „Der hat einen Affen zu Hause?“, habe ich mir überlegt. Davon wusste ich nämlich überhaupt nichts.

Dann ist mir aber etwas eingefallen. „Ich watschele mal ins Kinderzimmer“, habe ich ganz beiläufig gemeint. Der Andreas hat sich gar nicht besonders dafür interessiert. Er war ganz in seinem Gespräch versunken. Auf dem Weg nach oben bin ich am Esstisch vorbeigekommen. Da stand ein Glas mit Zucker. „Das trifft sich ja sehr gut“, habe ich gemurmelt und mir schnell das Glas geschnappt. Ich habe aufgepasst. Keiner hat mich dabei ertappt. Dann bin ich nach oben ins Kinderzimmer. Der Sohn vom Andreas war bei einem Kumpel in der Nachbarschaft. Und da saß er tatsächlich auf seinem Bett: Ein kleiner süßer Affe! Ich habe ihn schon manchmal schreien gehört. Das hört sich an wie „Aaaaaaaaahhhhh!“ Ich bin mal hingewatschelt und habe ihm dem Zucker hingestellt. Aber der komische Kerl hat sich nicht gerührt.

Und plötzlich hat es hinter mir getan wie im Affenstall: „Aaaaaaaaaaaahhhhh!“ Ich bin erschrocken und habe mich schnell umgedreht. Natürlich stand der Andreas hinter mir. Er hat sich sehr über mein Erschrecken gefreut. „Aber, Paula“, hat er gesagt, „das ist doch ein Stofftier. Der schreit nur, wenn man auf einen Knopf an seinem Bauch drückt.“

„Ach so“, habe ich gemeint. „Dann ist das ja klar. Aber welchem Affen willst du denn dann Zucker geben?“

Der Andreas hat gelacht und mir erklärt: „Aber, Paula, das sagt man doch nur so. Man gibt seinem Affen Zucker, wenn man oft über sein Lieblingsthema spricht oder zugibt, dass man etwas ganz arg mag.“

„Dann gibst du sozusagen deinem Fußball Zucker?“, habe ich gefragt.

„Richtig!“, hat der Andreas gerufen. Und er hat weiter erklärt: „Früher gab es auf den Märkten solche Typen mit einem Leierkasten. Das ist ein Instrument mit einer Kurbel. Wenn man daran dreht, kommt Musik heraus. Die haben also mit dem Kasten Musik gemacht und den Menschen dazu Geschichten vorgesungen. Manche von ihnen hatten Äffchen dabei. Die waren lustig und haben Blödsinn gemacht oder kleine Kunststücke vorgeführt. Das hat den Leuten gefallen. Deshalb sind sie stehen geblieben und haben sich für den Leierkastenmann interessiert und ihm ein bisschen Geld für seine Musik gegeben. Für diese Arbeit hat das Äffchen oft etwas Zucker bekommen. So ist die Redensart entstanden: Man gibt seinem Affen Zucker, wie man sein Lieblingsthema oder seine Leidenschaft immer wieder mit einem Gespräch füttert.“

Das habe ich verstanden. „Dann gebe deinem Fußball bloß nicht zu viel Zucker! Sonst wird er noch dick und platzt!“, habe ich gescherzt.

Der Andreas hat lachen müssen und gemeint: „Ich kann doch nichts dafür. Ich habe am Fußball eben einen Affen gefressen!“

Jetzt habe ich die Welt aber wirklich nicht mehr verstanden. „Was?“, habe ich geschnattert. „Einen Affen fressen? Das kannst du doch nicht machen!“

Der Andreas hat die Augen verdreht und ganz genervt gemeint: „Natürlich nicht, Paula! Das ist auch nur so eine Redensart. Damit meint man, dass man etwas ganz arg mag und nur noch diese Sache im Kopf hat. Früher dachten dann die Menschen, manch einer hat einen kleinen witzigen Typen oder ein Äffchen im Kopf. Und du musst mal eine Affenmama beobachten: Die ist ganz arg lieb zu ihren kleinen Äffchen. Man denkt dann: Die hat das Äffchen zum Fressen gern. Keine Bange, Paula, das ist auch nur so eine Redensart. Sie ist nur lieb zum Äffchen und frisst es natürlich nicht.“

„Na gut“, habe ich gemeint. „Dann brauchst du auch keine Angst haben, wenn ich dir sage, dass ich dich zum Fressen gern habe.“ Eure Paula

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