Paulas Nachrichten

Paula genießt die Gitarrenmusik

31.07.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

seitdem so viele von euch Ferien haben, ist es viel ruhiger in der Stadt. Aber gestern Vormittag waren wieder sehr viele Kinder auf dem Schillerplatz unterwegs. Ich habe mich schon gewundert. Also bin ich etwas näher rangewatschelt. Schulranzen hatten sie auch keine dabei. Dafür hatten die meisten so komische schwarze, große Rucksäcke auf dem Rücken.

Die sind dann aber auch nicht in die Schule gegangen. Sie sind in Richtung Kreuzkirche gelaufen. Das hat mich noch mehr gewundert. „Was machen die bloß da?“, habe ich mir überlegt. Irgendwie habe ich mich gar nicht getraut, einen von denen zu fragen. Die hatten es alle so eilig. Und sie sahen sehr konzentriert aus.

Vor der Kreuzkirche habe ich dann ein Plakat entdeckt. Das stand darauf: „Internationale Gitarrenfestspiele Nürtingen“. Plötzlich habe ich alles verstanden. Die hatten in ihren komischen Rucksäcken Gitarren. Und dann habe ich auch noch den Sohn vom Andreas entdeckt. Klar, der spielt ja auch Gitarre. Aber dass der mit all den anderen Kindern bei den Gitarrenfestspielen mitspielen darf, konnte ich nicht glauben. Ich bin richtig neidisch geworden.

Der Andreas hat mir das mit den Gitarren ja schon vor langer Zeit mal erklärt. Ich habe mir auch alles gemerkt, liebe Kinder: Das Wort Gitarre kommt vom griechischen Wort Kithara. Eine Gitarre hat normalerweise sechs Saiten. Das sind die langen Schnüre auf dem Instrument. An denen muss man zupfen. Die schwingen dann, und die schwingende Luft geht in das große Loch und wird von dem Holzkörper verstärkt. Man verändert die Höhe der Töne durch das Abdrücken der Saiten. Tja, liebe Kinder, ich weiß vieles über die Gitarre. Aber spielen kann ich sie nicht. Der Andreas wollte mir das mal beibringen. Aber irgendwie hat es nicht geklappt.

Schade, habe ich mir gedacht, sonst dürfte ich jetzt vielleicht mit den Kindern bei den Gitarrenfestspielen mitspielen.

Gerade habe ich mir das überlegt – und ich bin richtig traurig geworden – als der Andreas ums Eck kam. „Kommst du mit rein, Paula? Die Kinder von der Musik- und Jugendkunstschule spielen“, hat er gesagt.

Álso bin ich mitgewatschelt. Ich habe ihn ganz kleinlaut gefragt: „Sind die Kinder denn schon solche Stars? Oder warum spielen sie bei den Gitarrenfestspielen mit?“

Der Andreas hat ganz lieb gelächelt und gemeint: „Naja, die eigentlichen Gitarrenfestspiele beginnen erst heute Abend. Aber die Gitarrenschüler wollen eben auch zeigen, was sie können. Stars sind sie sicher noch keine. Aber wer weiß: Wenn sie weiter fleißig üben, dann kann der eine oder andere vielleicht wirklich mal ganz alleine auf einer Bühne sitzen und mitspielen.“

Ich bin dann mit rein. Die Kinder haben wirklich wunderschön gespielt. So viele, und alle haben zusammen gespielt. Am besten gefallen hat mir der „Flamenco“. Ich habe nach dem Konzert zu Hause beim Andreas gesagt: „Ich finde, beim Flamenco klingen die Gitarren so richtig nach Spanien. Das passt ganz toll.“

Der Andreas hat geantwortet: „Das hast du wirklich richtig gut verstanden. Aus Spanien kommt viel Gitarrenmusik. Wahrscheinlich auch die Gitarre selber.“

„Haben die Spanier die Gitarre für ihren Flamenco erfunden?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat mir dann berichtet: „Vor vielen, vielen Jahren, zur Zeit der Ritter, kamen die Mauren nach Spanien. So nannte man früher die Araber. Die haben das Land erobert. Die haben wahrscheinlich ein Instrument nach Spanien gebracht, das sie ,Al oud‘ nannten.“

Das komische Wort hat sich angehört wie „Laut“. Also habe ich geschnattert: „Aber die Kinder haben doch gar nicht laut gespielt. Das würde ich ja gar nicht mögen. Das verstehe ich jetzt aber nicht.“

„Ich erkläre dir das“, hat der Andreas gemeint. „,Al oud‘ heißt auch nicht laut, sondern ,das Holz‘. Die Gitarren sind ja schließlich aus Holz. Und aus diesem arabischen Wort wurde dann in Europa auch die Laute. Das ist ein Instrument wie die Gitarren. Damit hat man zur Ritterzeit gerne gespielt. Nächste Woche kommt sogar ein Mann zu den Gitarrenfestspielen, der auf einer Laute spielt. Den nennt man ,Lautenist‘.“

„Hauptsache, er spielt auch nicht zu laut“, habe ich gelacht.

Der Andreas hat mir tief in die Augen geschaut und gemeint: „Weißt du was, Paula? Ich spiele mit meinen Freunden am Sonntag um 11.30 Uhr beim Reiner-Pavillon am Galgenberg. Wenn ich dir dann auch zu laut spiele, solltest du wirklich selber spielen lernen. Dann kannst du so laut spielen wie du willst.“

Er hat mir die Gitarre von seinem Sohn gegeben. Ich habe wirklich gleich angefangen zu üben. Vielleicht darf ich dann ja das nächste Mal wirklich mit den Kindern spielen! Eure Paula

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