Paulas Nachrichten

Paula geht nicht zum Spinnendoktor

27.10.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gekommen. Da hat es sehr gut gerochen. Nach ganz frischem Kuchen. Also bin ich schnell nach oben gewatschelt.

„Da komme ich ja gerade zur richtigen Zeit“, habe ich zum Andreas gemeint. „Bestimmt hat deine Frau gebacken.“

Der Andreas hat mit dem Kopf genickt. Aber dann hat er gemeint: „Eigentlich kommst du nicht zur richtigen Zeit. Der Kuchen ist nämlich beinahe schon wieder aufgegessen. Es ist gerade noch ein Stückchen da. Und das ist eigentlich für mich.“

Das hat mir natürlich gar nicht gefallen. Meine Entenäuglein haben bestimmt ganz traurig geguckt. Der Kuchen beim Andreas ist nämlich immer richtig gut.

Der Andreas hat sich inzwischen schon an den Tisch gesetzt. Er hat eine Gabel in die Hand genommen und das Stück Apfelkuchen genüsslich angelächelt. Das fand ich voll gemein. Mir lief nämlich schon das Wasser im Mund zusammen.

Dann hat er mich angeschaut und gemeint: „Tja, Paula, das ist jetzt eine blöde Situation für dich. Vielleicht solltest du mal deinen Spin Doctor um Rat fragen!“

Das war ja wohl der Hammer! Ich war stinkebeleidigt. Eigentlich hätte ich gleich davonwatscheln sollen.

Aber der Andreas und ich haben uns als echte Freunde mal etwas ganz Wichtiges versprochen: Wir wollen nie im Streit auseinandergehen. Wir wollen lieber über alles reden – und wenn ich auch ganz böse schnattern muss.

Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe ganz böse geschnattert: „Spinnendoktor? Ich bin doch keine Zeitungsspinne! Ich bin doch eine Zeitungsente!“

„Aber, Paula, ich habe doch nicht Spinnendoktor gesagt. Ich habe Spin Doctor gesagt!“, hat er geantwortet.

Das war noch blöder. Ich habe weitergeschimpft: „Spinndoktor! Ich spinne doch nicht! Ich wollte doch nur ein Stückchen Kuchen. Und du Geizhals willst mir nichts abgeben!“

„Aber, Paula, das ist doch nicht böse gemeint“, hat der Andreas in ganz ruhigem Singsang zu mir gesagt. So spricht er immer, wenn er mich beruhigen will.

„So, du meinst ich spinne? Und meinst, ich soll deshalb sogar zu einem Doktor? Und das soll nicht böse sein? Du kannst deinen Kuchen alleine essen!“, habe ich ihm entgegnet.

Natürlich habe ich vor allem den letzten Satz nicht ganz ernst gemeint. Ich habe mir gedacht: Wenn ich mich so richtig aufrege und schimpfe, gibt er mir doch was vom Kuchen ab. Das könnte dann so eine Art Entschädigung sein.

Tatsächlich hat der Andreas dann mit der Gabel den Kuchen in zwei Hälften geteilt. „Na, komm schon her. Hole dir einen Teller und eine Gabel. Ich gebe dir die Hälfte ab. Auch ganz ohne Spin Doctor!“, hat er gesagt.

Jetzt hat der doch schon wieder mit dem Spinndoktor angefangen! Eigentlich hätte ich echt beleidigt sein und auf den Kuchen verzichten müssen. Aber dazu hat der Kuchen viel zu gut gerochen.

Ich habe mich also hingesetzt und gegessen. „Na, Paula, bist du jetzt besänftigt?“, hat der Andreas gefragt.

Das habe ich wieder nicht verstanden. „Was soll ich denn mit Senf auf dem Kuchen? Ich glaube, du musst zum Spinndoktor!“, habe ich wieder losgeschnattert.

Der Andreas musste lachen. „Senf auf den Apfelkuchen? Das traue ich nicht einmal einer Zeitungsente zu“, hat er gesagt. „Besänftigt schreibt man mit einem ,ä‘ und nicht wie der Senf mit ,e‘. Jemanden zu besänftigen bedeutet: man beruhigt ihn. Das Wort kommt von ,sanft‘. Ach ja, und zu deinem Spinndoktor geht keiner von uns beiden. Ein Spin Doctor arbeitet meistens für Politiker. Nicht für Zeitungsenten und Zeitungsmenschen.“

„Ach, und die Politiker spinnen?“, habe ich ganz neugierig gefragt. Das war mir jetzt gar nicht so fremd. Auf die Politiker wird ja oft geschimpft.

Der Andreas musste lachen: „Nein, nein, Paula. Das hat auch bei den Politikern nichts mit spinnen zu tun. Das Wort schreibt man s-p-i-n-d-o-c-t-o-r. So ein Spin Doctor berät andere Leute. Meistens eben Politiker. Sie geben ihnen Tipps und Ratschläge. Das ist gerade auch in den USA, in Amerika, so. Da wird bald der Präsident gewählt. Und der Obama und der Romney haben Spin Doctors. ,Spin‘ ist englisch. Auf Deutsch heißt das ,Dreh‘. Die Spin Doctors geben also einer Sache den richtigen Dreh.“

Ich habe ihn wieder ganz komisch angeguckt und gemeint: „Können die Politiker ihre Sachen nicht selber drehen?“

„Naja, das ist nicht wörtlich gemeint. Die Menschen sollen den Politikern glauben. Und die Spin Doctors sagen den Politikern, wie das am besten geht. Die sagen dann zum Beispiel: ,Wählt mich! Ich baue neue Straßen für euch.‘ Er sagt aber nicht, dass er dann mehr Geld von den Menschen braucht und die Steuern erhöhen muss. Oder dass er dafür Bäume abholzt.“

„Gut, und was hat das mit drehen zu tun?“, wollte ich noch wissen.

„Ganz einfach, die Händler haben früher ihre Waren so gedreht, dass sie gut ausgesehen haben. Stell dir vor, ein Händler will dir auf dem Markt einen Salat verkaufen. Der hat aber schon welke Blätter. Dann legt er den Salat so hin, dass du diese Blätter nicht gleich siehst.“

„Das wäre ja gemein!“, habe ich gemeint. „Da muss ich echt aufpassen.“

Der Andreas hat gemeint: „Tja, aber bei mir geht’s dir gut. Ich habe dir ein schönes Stück Apfelkuchen abgegeben. Ganz ohne Spin Doctor.“ Da hat er recht. Auch wenn ich zuerst sauer war. Eure Paula

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