Paulas Nachrichten

Paula gefällt die russische Finnland-Kirche

10.11.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

diese Woche bin ich wieder einmal zum Andreas gewatschelt. Der saß vor seinem Computer. Er hat sich Bilder angeschaut. Ich habe einfach mal mitgeguckt. Das waren Bilder von seinem Urlaub. Und da waren oft verschiedene Gebäude zu sehen.

Auf dem einen war eine rote Kirche zu sehen. Die sah seltsam aus.

Ich habe zu ihm gesagt: „He, so eine Kirche gibt’s hier bei uns aber nicht. Solche Kirchen gibt es doch eher in Russland. Oder? Warst du in Russland im Urlaub?“

„Nein, nein“, hat der Andreas gesagt, „Ich war nicht in Russland. Ich war in Helsinki. Das ist die Hauptstadt von Finnland. Aber trotzdem liegst du nicht so falsch!“

„Hä?“, habe ich gemeint, „warum gibt es denn in Finnland so schöne russische Kirchen?“

Der Andreas hat mir erklärt: „Da muss man ein bisschen auf die Geschichte schauen. Finnland liegt nicht nur weit, weit im Norden von Europa. Es liegt auch weiter östlich.“

„Also nordöstlich von uns“, habe ich gemeint.

„Genau“, hat der Andreas gesagt. „Deshalb hat das Land schon immer viel mit Russland zu tun gehabt. Das ist ja auch heute ein Nachbarland von Finnland. Zur Ritterzeit gab es das Christentum noch nicht überall in Europa. Die Mönche wanderten aus verschiedenen Ländern in fremde Gegenden. Dort verbreiteten sie die Lehren von Christus. Nach Finnland kamen auch Christen aus dem Osten, aus Russland. Die gehörten zur orthodoxen Kirche.“

„Ohr? Hatten die ein Problem mit den Ohren?“, habe ich geschnattert.

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas gemeint, „Probleme mit den Ohren hast eher du. Das Wort schreibt man o-r-t-h-o-d-o-x. Das ist ein griechisches Wort. Denn in Griechenland gibt es auch eine orthodoxe Kirche. Das Wort kommt von ,orthos‘ und heißt so viel wie ,richtig‘ oder ,geradlinig‘. Und von ,doxa‘. Das heißt so viel wie ,Lehre‘ oder ,Glaube‘. Die Orthodoxen sagen: ,Wir sind die älteste christliche Kirche und wir halten uns am ehesten an die Lehren von Christus.‘ In Finnland gibt es heute aber nur noch ganz wenige Orthodoxe. Die meisten Finnen sind so eine Art evangelische Christen.“

Ich musste überlegen. Denn das habe ich nicht so verstanden. Ich habe gefragt: „Es gibt dort nur noch ganz wenige? Und dann haben die so eine riesige, wunderschöne Kirche da?“

Der Andreas hat gemeint: „Das ist sogar die größte orthodoxe Kirche in der westlichen Welt, also außerhalb von Russland. Aber die hat auch eine geschichtliche Bedeutung. Vor 200 Jahren hat das heutige Finnland zu Schweden gehört. Aber die Russen haben es erobert. Und dann wollte der Chef von Russland ein Zeichen für seinen Sieg und seine Herrschaft in Finnland haben. Deshalb hat er die Kirche auf einem Felsen der größten finnischen Stadt bauen lassen.“

Ich habe „Ah ja“ gesagt und mir das Bild noch einmal ganz genau angeguckt. Dann habe ich gesagt: „Ah, und die Typen mit den orangenen Kleidern sind russische Pfarrer?“

Der Andreas hat geantwortet: „Das sind keine russischen Pfarrer, Paula. Die sehen anders aus. Die haben meistens einen langen Bart. Die orangenen Typen haben die Kirche einfach besucht und angeschaut. Die wird heute ja von vielen Reisenden angeschaut. Die Jungs gehören zur Hare-Krishna-Bewegung. Die glauben wieder an etwas ganz anderes als die Christen. Ihre Religion kommt aus Indien. Krishna ist eine Gottheit der Hindus. Die Religion von denen ist die drittgrößte der Welt nach dem Christentum und dem Islam.“

„Das finde ich aber schön“, habe ich dann gemeint. „Das ist gut, wenn man sich andere Religionen und Kirchen anguckt.“

„Ja“, hat der Andreas mir recht gegeben. „Ich finde es auch gut, wenn die Gläubigen der verschiedenen Religionen ganz friedlich miteinander umgehen. Jeder darf ja glauben, was er will. Das schützt auch unser Grundgesetz. Das ist das Gesetz, das über allen andern Gesetzen steht. Dazu gehört auch die Religionsfreiheit. Jeder darf glauben, was er will – wenn er will. Er darf seinen Glauben aber keinem aufzwingen. Manche glauben eben auch an keinen Gott. Das darf man auch. Das gehört zur Freiheit dazu.“

„Auf jeden Fall haben die Hare-Krishna-Menschen guten Geschmack. Ich mag auch Orange“, habe ich gemeint.

Der Andreas musste erst ein bisschen überlegen. Dann hat er gelacht und gesagt: „Klar, Paula, wenn ich einen orangenen Schnabel und orangene Entenbeine hätte, würde ich das auch sagen.“

Dann haben wir beide zusammen gelacht. Das macht immer am meisten Spaß, gell, Kinder? Eure Paula

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