Paulas Nachrichten

Paula findet den Troll aus Island unheimlich

02.07.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

am Montag bin ich abends noch beim Andreas vorbeigewatschelt. Die Terrassentür war offen. Ich habe ihn schon schreien gehört: „Jaaaaaa! Tooooor!“

Seinen Sohn habe ich auch gehört. Das habe ich gar nicht verstanden. Denn ich wusste nichts von einem Fußballspiel mit Deutschland. Von denen bin ich ja Fan. Deshalb habe ich doch auch so einen Fußbändel.

Ich habe einfach mal geklingelt. Der Andreas hat mir auch tatsächlich aufgemacht. „Komm nur rein, Paula! Wir gucken Fußball!“

„Äh, ja“, habe ich gesagt, und bin nach oben gewatschelt. Ich habe erst einmal in den Fernsehen geschaut. Ich hatte recht gehabt. Da spielten andere Mannschaften. Deshalb habe ich gesagt: „Aber da spielen doch gar keine Deutschen! Warum schreit ihr denn da so?“

„Na, Mensch, äh, Ente, Paula, weil Island spielt. Gegen die Engländer! Und die Isländer sind gerade in Führung gegangen!“

Ich habe geguckt wie ein Auto. Denn ich habe das weiter nicht verstanden. Ich habe gestottert: „Äh, schön, aber ihr seid doch keine Isländer! Oder, äh . . . Ihr wart dort im Urlaub, ich weiß. Das ist so eine Insel oben im Norden. So eine kalte Insel. Mit Gletschern und Vulkanen. Das hast du mir ja schon erzählt. Äh, wollt ihr jetzt dort hinziehen? Ohne mich?“

Der Sohn vom Andreas hat gelacht. „Klar, Paula! Wir ziehen dorthin! Aber du kannst ja mitkommen! Die Trolle freuen sich schon. Die warten auf kleine, liebe Zeitungsenten! Die können sie super gut ärgern!“

Und dann hat er mir eine Figur von so einem komischen Typen gezeigt. Der sah irgendwie lustig aus. Aber irgendwie auch unheimlich. Das Beste waren noch seine Klamotten. Die waren grün. Und sie waren aus Pflanzen. Die sahen beinahe wie Salat aus.

„Na, äh“, habe ich gemeint, „vielleicht bleibe ich lieber hier!“

„Ist ja schon gut, Paula“, hat der Andreas dann ganz lieb lächelnd gesagt. „Wir ziehen ja auch nicht hin. Mein Sohn wollte dich bloß ein bisschen ärgern – wie ein Troll eben. Wir freuen uns halt für Island. Wir waren ja dort im Urlaub. Es ist ein wunderbares Land. Und die Menschen sind supernett.“

Ich habe kurz überlegen müssen. Ich habe dann weitergeschnattert: „Ja, äh, aber ihr wart ja auch schon in anderen Ländern. Und da waren die Menschen sicher auch nett. Zum Beispiel zuletzt in Portugal. Das habt ihr mit auch erzählt. Die kicken ja da bei der Europameisterschaft auch mit. Oder hier auch die Engländer. Und für die seid ihr dann nicht?“

Jetzt musste der Andreas kurz überlegen. Dann hat er gesagt: „Na, da hast du gar nicht so unrecht, liebe Paula. Das sind auch tolle Länder. Und auch liebe Menschen. Aber für die jubeln wir wirklich nicht. Das hat einen einfachen Grund: Die Isländer sind normalerweise nicht so stark beim Kicken. Und sie kommen von einer kleinen Inseln mit wenigen Einwohnern. Da denkt man immer: Die verlieren sowieso. Und die anderen gewinnen eben. Aber dann passiert manchmal etwas ganz anderes. Deshalb ist Fußball auch so toll. Manchmal gewinnen die Kleinen. Und da freuen sich eben viele andere mit. Auch wenn sie gar nicht aus dem Land kommen.“

Ich habe gemeint: „Das habe ich verstanden. Aber soll ich wirklich auch für Island sein? Der komische Groll guckt mich immer noch so komisch an!“

„Also, Paula“, hat der Andreas gesagt, „das heißt Troll und nicht Groll. In alten Märchen von vielen Völkern im Norden sind die Trolle einfach Wesen aus der Natur. Sie sind keine Tiere. Und keine Menschen. Sie können auch Sachen machen, die Menschen und Tiere nicht können. Ein bisschen wie Zauberer. Es sind eben Märchenwesen. In Island hat es viel Nebel. Und es hat eine seltsame, zerklüftete Landschaft. Das kommt von den vielen Vulkanausbrüchen dort. Und da stellen sich die Menschen dann eben besonders leicht Trolle vor. Aber du brauchst keine Angst haben, Paula. Eigentlich gibt’s die gar nicht. Na ja, und unserer hier ist sowieso ein lieber Troll.“

Ich habe die Figur noch einmal ganz genau angeschaut und gemeint: „Na ja, äh, ich weiß nicht, ich glaube ich pass lieber auf.“ Dann habe ich gesagt: „Ja, ja, Troll, du brauchst mich nicht ärgern. Ich bin schon für Island . . .“

Dann habe ich ganz leise und heimlich zum Andreas geflüstert: „Pssst, aber eigentlich ist mir so ein Land ohne Trolle lieber. So, hm, äh, warte mal, Italien zum Beispiel. Da ist es immer schön warm und hell, und die haben leckeres Eis . . .“

Der Andreas hat mich kaum aussprechen lassen. Er hat losgeschnattert: „Aber Paula! Italien ist ein tolles Land. Und die Italiener sind super nett. Aber gegen die spielen die Deutschen doch am Samstag!“

„Äh, na gut“, habe ich gemeint und den Troll ganz vorsichtig in den Arm genommen. „Dann bin ich halt auch ein bisschen für Island. Bis die auch gegen Deutschland spielen!“ Eure Paula

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