Paulas Nachrichten

Paula findet Ärzte toll

04.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche ist mir ganz früh morgens schon der Andreas begegnet.

„He, du Schlafmütze“, habe ich gerufen, „bist du aus dem Bett gefallen?“

„Natürlich nicht, Paula“, hat er ganz grätig geantwortet. „Stell dir vor, sogar ich habe einen Wecker. Ich muss doch in die Schule heute!“

Er geht doch manchmal in die Schulen, um den Kindern und Jugendlichen etwas über die Zeitung zu erzählen. Deshalb habe ich schnell gesagt: „Ach, du hast ja wieder dein Projekt. Aber dann putze dir erst einmal deine Nase. So kannst du doch nicht in die Schule gehen!“

Jetzt hat er mal richtig geschnattert: „Was denkst du, was ich die ganze Zeit mache? So schlau bin ich schon lange. Was soll ich denn machen, wenn ich so einen Schnupfen habe? Die Schüler warten ja auf mich!“

Dann ist er in sein Auto gestiegen und davongefahren. Am Abend bin ich wieder zu ihm. Ich wollte einfach schauen, wie es ihm geht. Seine Nase war immer noch ganz rot.

„Du Armer“, habe ich gesagt. „So ein blöder Schnupfen!“

Er war jetzt wieder ganz lieb. Er hat gesagt: „Naja, so ist das halt in dieser Jahreszeit. Da sind viele Menschen erkältet. Wenn’s kalt ist, kommen die Bakterien und Viren besonders gut zum Zuge. Das sind doch die minikleinen, fiesen Tiere, die uns krank machen.“

Das habe ich nicht verstanden. „Ach so, ich dachte immer, man wird von der Kälte krank“, habe ich gesagt.

„Nein, nein“, hat der Andreas gesagt. „Von der Kälte allein kann man nicht krank werden. Da braucht man schon die Viren.“

Ich habe mich gewundert: „Erfrieren die nicht?“

„Nein“, hat der Andreas geantwortet. „Manche fühlen sich sogar richtig wohl in der Kälte. Außerdem vermutet man, dass sie bei der Kälte einfacher von einem zum anderen fliegen können. Die Menschen sind mehr im Haus und näher zusammen. Und sie lüften nicht so gut. Die kalte Luft ist übrigens viel trockener. Und das trocknet auch unsere Schleimhaut in der Nase, dem Hals und in der Brust aus. Dann können die kleinen Viecher sich darauf besser halten. Außerdem sind die Menschen einfach stärker, wenn es viel Sonnenlicht gibt. Eigentlich ist so eine Erkältung ja normal. Aber wenn sie nicht bald weggeht, gehe ich vielleicht doch mal zum Arzt.“

Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto und gemeint: „Zu wem? Du solltest lieber zum Doktor gehen!“

Jetzt hat der Andreas mich ganz komisch angeschaut. Aber dann hat er gelacht: „Ach so. Du meinst mit Doktor das Gleiche wie Arzt. Arzt kommt vom griechischen archiatros. Die haben sich vor Tausenden von Jahren um die Fürsten gekümmert. Daraus wurde das deutsche Wort Arzt. Die meisten Ärzte haben einen Doktortitel. Deshalb nennt man einen Arzt oft einfach Doktor. Das Wort Doktor kommt von den alten Römern, vom lateinischen Wort docere. Das heißt lehren, also jemandem etwas beibringen. Denn den Doktortitel bekommen sie, wenn sie über ein Thema etwas Neues herausbekommen haben und das aufschreiben. Damit können sie dann anderen etwas beibringen, also lehren. Aber Doktoren gibt es auch in anderen Wissenschaften.“

„Also, dann gehst du halt zu deinem Arzt oder Doktor“, habe ich gemeint.

Der Andreas hat dann etwas traurig geguckt. „He, was ist denn jetzt wieder los?“, wollte ich wissen.

„Ach weißt du“, hat er mir erzählt, „mein Doktor hört bald auf zu arbeiten. Er hat das ja verdient. Er hat lange genug gearbeitet. Aber ich werde ihn trotzdem vermissen.“

„Ach, dann finden wir einen neuen Arzt für dich. Der wird dich dann auch wieder heile machen“, wollte ich ihn trösten.

„Ja, ja“, hat der Andreas immer noch etwas traurig gesagt. „Bei den Menschen ist das halt nicht so einfach wie bei einem Auto. Das wird einfach wieder zusammengeschraubt, wenn es kaputt ist. Ein guter Doktor muss aber auch mit seinen Patienten sprechen und ihnen zuhören. Dafür braucht er Geduld. Und er muss Menschen mögen und ihnen gerne helfen. Mit der Zeit kennt er seine Patienten dann auch ganz genau. Und die vertrauen ihm dann ganz und gar. So ist das bei mir und meinem Doktor. Der ist ein sehr guter Arzt.“

Ich habe kurz überlegt, wie ich ihn ein bisschen aufmuntern kann. Dann hatte ich eine Idee. Ich habe gemeint: „Das verstehe ich gut. Aber ich mag dich auch und ich höre dir auch gerne zu.“

Dann habe ich den Spielzeug-Doktorkoffer vom Sohn vom Andreas geholt und zu ihm gesagt: „So, jetzt schauen wir mal nach dir.“ Und mein Patient Andreas hat gelächelt und mich erst einmal in den Arm genommen. Eure Paula

Paulas Nachrichten