Paulas Nachrichten

Paula denkt viel an Paris

21.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich mal zum Andreas gewatschelt. Er hat gerade Fernsehen geschaut. Ich wollte schon mit ihm schimpfen. Er guckt ja sehr gerne Fernsehen. Darauf muss ich aufpassen. Sonst guckt er noch zu viel. In dem Moment hat er aber Nachrichten geschaut. Das ist ein bisschen etwas anderes. Es kam etwas von den schrecklichen Angriffen in Paris.

Ich habe mich zu ihm gesetzt. Da war natürlich in einem Bericht auch der Eiffelturm zu sehen. Das ist so etwas wie das Wahrzeichen von Paris. Das ist die Hauptstadt von unserem Nachbarland Frankreich.

Das habe ich alles schon gewusst. „Woher weiß ich das alles nur?“, habe ich mir überlegt. Und dann habe ich den kleinen Eiffelturm im Regal über dem Fernseher vom Andreas gesehen.

Und dann ist mir das wieder eingefallen: Das hat mir alles schon einmal der Andreas erklärt. Denn der hat die Stadt schon einmal besucht. Ich habe zu ihm gesagt: „Oh je, Andreas, du warst ja auch schon einmal in Paris!“

„Ja“, hat der Andreas geantwortet, „das ist richtig. Das ist auch noch gar nicht so lange her.“

„Das ist ja schrecklich“, habe ich gesagt. „Ich habe ja schon oft mal was von solchen bösen Angriffen von Verbrechern gehört. Aber das war meistens in Städten und Ländern, die ich nicht so gut kenne.“

„Ja, Paula“, hat der Andreas gesagt. Und er hat mich zu sich gewunken: „Jetzt setz dich erst einmal zu mir aufs Sofa“, hat er gemeint. Das habe ich gemacht. Und er hat mich ganz lieb in den Arm genommen.

Dann hat er gesagt: „Ja, Paula, das macht es für uns ganz besonders schlimm. Du kennst Paris. Du weißt viel davon. Ich war schon dort. Und ich habe dir davon berichtet. Deshalb fühlst du das so. Du fühlst: Paris ist uns ganz nah.“

„Ja“, habe ich überlegt, „aber das ist doch blöd. Wenn Menschen woanders getötet werden, ist das doch auch ganz gemein.“

„Das ist richtig, Paula“, hat der Andreas mir weiter erklärt. „Uns tut halt etwas besonders weh, wenn es uns nahe ist. Und Menschen oder Lebewesen überhaupt tun uns besonders leid, wenn sie uns nahe oder ähnlich sind. Das ist ganz normal. Man braucht sich deswegen nicht zu schämen.“

Ich habe weiterüberlegt. Und dann habe ich gesagt: „Ja, und deshalb kriegen wir halt auch mehr Angst, gell? Weil ja Paris uns nahe ist. Und weil es auch eine Stadt in Europa ist. So wie unsere Städte auch!“

„Das stimmt“, hat der Andreas gesagt. „Das macht uns auch Angst. Aber das wollen die Bösewichte auch. Die nennt man nämlich Terroristen. Das kommt vom alten Römerwort Terror. Und das bedeutet einfach ,Schrecken‘. Die wollen Angst und Schrecken verbreiten.“

Das hat mich richtig wütend gemacht. Ich habe geschnattert: „So ein Mist! Das hat ja dann auch noch geklappt! Deshalb haben die doch das Fußballspiel abgesagt! Da freuen sich die Bösen bestimmt! Die mögen das, wenn wir alle Angst haben!“

„Auch das stimmt leider, Paula“, hat der Andreas gesagt. „Aber wir können mit Angst auch fertig werden. Die können nicht überall zuschlagen. Denn die sind echt richtig wenige. Die Verbrecher von Paris sind jetzt schon tot. Und viele von ihren Freunden wurden verhaftet. Und viele, viele böse Angriffe von denen wurden verhindert. Die Polizei passt nämlich auf. Und die Politiker auch. Deshalb können wir unsere Angst schon in den Griff kriegen. Und dann können wir auch normal weiterleben.“

„Genau“, habe ich gemeint, „damit können wir die auch ärgern, oder?“

„Ja“, hat der Andreas gemeint, „und wir zeigen ihnen: Ihr könnt das auch lassen! Wir machen eh nicht, was ihr wollt!“

„Ach, das wollen die, gell? Dass wir machen, was sie wollen, gell?“, habe ich gefragt.

„Ja“, hat der Andreas geantwortet, „aber wir sind frei. Und wir leben frei – wenn wir damit niemanden anders weniger frei machen.“

Das fand ich alles gut und richtig. Ich habe das auch alles verstanden. Aber irgendwie war ich trotzdem noch ein bisschen traurig. Meine runden Entenäuglein wollten deshalb wohl nicht so richtig lächeln. Deshalb hat der Andreas das gemerkt. Und er hat gesagt: „Das ist von dir sehr menschlich, äh, sehr entlich, also ich meine, sehr lieb von dir, dass du traurig bist. Komm, lass uns eine Blume zu unserem Eiffelturm legen. Damit zeigen wir unsere Trauer um die armen Menschen. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen! Und wir brauchen hier auch nicht immer Angst haben. Dafür gibt es keinen Grund!

„Genau!“, habe ich gesagt – und das Blümlein zum Turm gelegt. Eure Paula

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