Paulas Nachrichten

Paula bekommt auch ein Diplom

19.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

die Woche bin ich einmal ganz schnell zum Andreas gewatschelt. Es war nämlich bitterkalt. Brrrrrrrrrr! Ich habe mich erst einmal bei ihm ein bisschen aufgewärmt. Dann habe ich gesagt: „Das ist ja wie an Weihnachten!“

„Genau“, hat der Andreas gemeint und gegrinst. „Deshalb sind ja auch bald wieder die ganzen Weihnachtsmärkte! Da freue ich mich schon drauf. Da werde ich mir gleich einmal eine Rote Wurst genehmigen. Hmmmmmmm! Oder besser zwei!“

Das habe ich jetzt wieder nicht so verstanden. Ich habe losgeschnattert: „Schon wieder Wurst essen! Das kann ich gar nicht verstehen. Das ist doch immer dasselbe mit dir! Mir gefallen all die schönen gebastelten Sachen auf den Weihnachtsmärkten besser. Und die nette Musik. Vielleicht kaufe ich mir noch die eine oder andere Süßigkeit. Aber doch keine Wurst! Oder gar auch noch zwei! Das geht ja gar nicht!“

„Aber Paula“, hat der Andreas erwidert, „du willst doch, dass ich mit dir auf den Weihnachtsmarkt gehe. Da musst du ein bisschen diplomatischer sein.“

Das war jetzt wieder komisch. „Dieb? Automatisch? Ich bin doch kein Dieb! Erst recht kein automatischer!“

Da musste auch der Andreas glotzen wie ein Auto. Er hat mich gefragt: „Wieso automatischer Dieb? Wie kommst du denn darauf? Ich kenne nur einarmige Banditen!“

Das fand ich noch seltsamer. „Einarmige Banditen? Banditen sind Banditen. Und die sind gefährlich. Auch wenn sie einarmig sind. Gibt’s die auf den Weihnachtsmärkten? Dann gehe ich da nicht mehr hin!“

Jetzt war die Verwirrung komplett. Der Andreas hat noch komischer geguckt als ein Auto. Sogar noch komischer als ein Lastwagen hat er geguckt.

„Jetzt mal langsam“, hat der Andreas gesagt. Die Frage ist: Warum verstehen wir uns gerade eigentlich nicht? Wir überlegen noch einmal von vorne. Also, das letzte Missverständnis waren die ,einarmigen Banditen‘. Solche gibt’s nicht auf dem Weihnachtsmarkt. Das sind nämlich keine Gauner. Das sind Spielautomaten. Man wirft Geld rein. Dann zieht man an einem Hebel. Dieser Hebel sieht aus wie ein Arm. Wenn man im richtigen Moment zieht, gewinnt man was. Allermeistens gewinnt man aber nichts und das Geld bleibt im Automaten. Deshalb nennt man sie ,Banditen‘. So, und jetzt das nächste Missverständnis. Hmmm. Wie war das? Ach ja: Es ging um den automatischen Dieb. Wie bist du nur darauf gekommen? Ach, klar, wegen dem Wort ,diplomatisch‘. Das schreibt man d-i-p-l-o-m-a-t-i-s-c-h. Es hat also nichts mit dem Dieb zu tun. ,Diplomatisch sein‘ bedeutet: man geht bei einem Problem mit anderen sehr geschickt mit ihnen um und findet eine gute Lösung für alle. Also, in unserem Fall würde ich eine Rote Wurst bekommen, aber nicht zwei. Und du würdest deine Süßigkeiten bekommen. Aber nicht zu viel. ,Diplomatisch‘ kommt vom Wort ,Diplomatie‘. Ein Diplomat ist eigentlich ein Mensch, der ein Land in einem anderen Land vertritt. Wenn die Länder zum Beispiel Probleme miteinander haben, versuchen die Diplomaten das zu regeln.“

„Ah, jetzt habe ich das verstanden!“, habe ich mich gefreut.

Der Andreas hat mich angelächelt: „Gut, Paula. Dann bekommst du dafür ein Diplom von mir!“

„Ein Diplom? Das ist jetzt aber nicht so ein komischer Typ? So ein Typ, der sich um Probleme von Ländern kümmert?“

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas gemeint. „Ich erkläre dir das. Ein Diplom ist einfach eine Urkunde. Ein Papier. Das kann so etwas wie ein Zeugnis sein. Du bekommst zum Beispiel von einer Universität, also einer Schule für Erwachsene, ein Diplom. Aber erst, wenn du alle Prüfungen bestanden hast. Das Wort ,Diplom‘ kommt von den alten Römern. Die hatten das Wort ,diploma‘ von den alten Griechen übernommen. Das heißt eigentlich ,zweimal gefaltet‘. Denn der Wortteil ,di‘ steht für ,zwei‘. Die Römer hatten nämlich solche Schreibtafeln. Die bestanden aus zwei Blättern. Daraus hat der Staat wichtige Urkunden gemacht.“

„Ach, und was hat das jetzt mit dem Lösen von Problemen von zwei Ländern zu tun?“, habe ich mir schnell überlegt.

Der Andreas hat mich gelobt: „Sehr gute Frage, Paula.“

Dann hat er kurz nachgedacht und weitererklärt: „Na, stell dir vor, ein Typ soll als Vertreter eines Landes in ein anderes Land gehen. Woher sollen die in dem anderen Land wissen, dass er wirklich der Vertreter des anderen Landes ist? Dafür hat er eine Urkunde mitbekommen. So eine Art Diplom. Als Beweis für sein Amt.“

„Jetzt habe ich alles verstanden“, habe ich erleichtert gesagt.

Und der Andreas hat gemeint: „Gut, dann bekommst du jetzt wirklich ein Diplom von mir.“

Er hat kurz am Computer gearbeitet und mir etwas ausgedruckt. Dann hat er mir das Diplom gegeben. Darauf stand: „Diplom für Paula, die liebste Zeitungsente“.

Das war lieb! Ich bin direkt rot geworden, liebe Kinder. Eure Paula

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