Paulas Nachrichten

Nicht nur eklig: Manche Ratten retten Leben

29.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ratten! Wenn viele Leute nur von den Tieren hören, kriegen sie schon eine Gänsehaut. Denn in Deutschland sind Ratten nicht gerade beliebt. Aber in anderen Ländern helfen manche dieser Nager zum Beispiel dabei, Menschenleben zu retten.

Magst du Ratten? Wenn du jetzt das Gesicht verziehst, geht es dir wie vielen Leuten. „Rund die Hälfte der Deutschen ekelt sich vor diesen Nagetieren“, sagt Experte Rainer Gsell. Dass Ratten nicht gerade den besten Ruf haben, hat viele Gründe. Mit ihrem langen, nackten Schwanz sind sie nicht so niedlich wie andere Nager – etwa Kaninchen oder Meerschweinchen. „Außerdem finden die meisten Menschen es abstoßend, dass Ratten im Dreck leben“, meint Biologe Marco Schneuer. „Sie leben in der Kanalisation oder in Abfällen und stinken deshalb oft.“ Aber was viel schlimmer ist: Ratten können Menschen schaden. Denn sie fressen Feldfrüchte und Vorräte. Sie nagen alles an, was sie vorfinden. Und sie können gefährliche Krankheiten übertragen. Im Mittelalter vor einigen Hundert Jahren zum Beispiel übertrugen Ratten oft die Pest. Das ist eine Seuche, an der damals viele Menschen starben. Über ihre Flöhe gaben die Nagetiere die Krankheit weiter, die sich dann sehr schnell ausbreitete. Dennoch sind nicht alle Ratten gleich. Weltweit gibt es viele verschiedene Arten. Einige davon sind durchaus nützlich und retten sogar Menschenleben: In Afrika gibt es etwa die Riesenhamsterratten. Sie sind um die 40 Zentimeter lang, also länger als ein großes Lineal. Und sie können schwerer als eineinhalb Kilo werden, also deutlich schwerer als ein Päckchen Zucker. Einige dieser schlauen und lernbegierigen Tiere wurden trainiert, um als Spürratten zu arbeiten: Sie sollen Landminen finden. Diese gefährlichen Minen können in die Luft fliegen, wenn man sie berührt. Sie wurden in manchen Ländern während eines Kriegs im Boden vergraben. Einige liegen dort immer noch versteckt und wenn man darauftritt, können sie explodieren. Das ist ziemlich grausam. Landminen haben schon viele Menschen getötet oder schwer verletzt. Die Riesenratten helfen dabei, die Minen zu finden. Die Tiere haben einen guten Geruchssinn und erschnüffeln sie. Ihnen selbst passiert dabei nichts. Da sie viel leichter als ein Mensch sind, lösen sie die Minen nicht aus, wenn sie darübertapsen. Und Fachleute können die Minen dann unschädlich machen.

Eine Gambia-Riesenhamsterratte sitzt auf der Hand eines Trainers in Vilanculo, 800 Kilometer nördlich von Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Foto: Arno Mayer

Paulas Nachrichten