Paulas Nachrichten

Naschen nicht erlaubt: Ein Besuch in der Eisfabrik

24.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es riecht nach Vanille und ein bisschen nach warmem Pudding. Maschinen rattern. Zwischendrin laufen Menschen umher, die aussehen wie Ärzte im Operationssaal: Sie tragen Mundschutz und lange, weiße Kittel. Ihr Haar steckt unter einer Haube. Doch das hier ist kein Krankenhaus. Wir sind in der Produktionshalle der Firma Roncadin in Osnabrück in Niedersachsen. Hier wird Eis gemacht. Jeden Tag laufen etwa 400 000 Kilogramm Speiseeis vom Band. Heute steht Spaghetti-Eis auf dem Programm.

Alles läuft automatisch. Menschen werden fast nur gebraucht, um die Maschinen zu überwachen. Die genaue Mischung für das Spaghetti-Eis ist zusammen mit über 400 anderen Eis-Rezepten in einem Computer gespeichert. Er steuert, wie viel Milch, Sahne, Fett und Zucker in der riesigen Kochanlage vermischt werden. Ein Arbeiter schüttet verschiedene Pulver hinzu: Vanillearomen geben den Geschmack. Stabilisatoren machen die Eismasse später fest.

Jetzt wird dem Mix eingeheizt. Die weißliche Masse wird auf 85 Grad erhitzt. Das tötet die Keime. Anschließend zerkleinert eine Maschine das Fett mit viel Druck. „Damit das Eis später richtig cremig wird“, erzählt Roland Schwienherr. Er leitet die Produktion.

Nun muss die leckere Masse einige Zeit „reifen“. Dabei entfalten sich die Geschmacksstoffe erst richtig. Dann fließt das noch flüssige Spaghetti-Eis durch lange Leitungen in einen Bottich. Das ist der Freezer, hier wird das Eis gekühlt. Doch nicht einfach so. Während es ganz langsam immer kälter wird, rührt der Freezer unaufhörlich. Das ist wichtig. So bleiben die Eiskristalle klein und kratzen später nicht auf der Zunge. Auch Luft wird in die Eiscreme geschlagen. Sie schäumt auf – und wird schön cremig. All das kann man nicht gut sehen. Denn bis hierher wird das Eis hinter Stahlwänden und in Rohren verarbeitet. Doch jetzt kommt zu dem verführerischen Geruch auch das Eis hervor. Noch aber kann von Spaghetti-Formen keine Rede sein. Die werden jetzt über einem Fließband gemacht. Dort wird die Eismasse durch eine Art Sieb zu Nudeln gepresst. Die fallen in kleine Plastikbecher und weiter geht’s. Erdbeersoße und weiße Schokosplitter rieseln darüber. Schließlich macht die Maschine einen Deckel drauf.

An dieser Stelle ist das Eis etwa minus acht Grad kalt. „Bei der Temperatur lässt es sich noch gut formen“, erzählt Roland Schwienherr. Doch was den Eisbechern jetzt bevorsteht, gleicht einer Fahrt zum Nordpol: Auf einem Fließband rauschen die Portionen in den Kältetunnel. Dort herrschen 48 Grad unter Null. Es ist eine Art Turm, in dem ein eisiger Wind pfeift. In 40 Minuten laufen die Eisbecher hier auf einer Spirale hoch. Oben angekommen ist das Eis knüppelhart.

Zum Abschluss geht die Fahrt für die Becher noch durch einen Metalldetektor. Der prüft, ob nicht etwa kleine Metallsplitter im Eis stecken. Ist alles okay, werfen zwei Arbeiter einen letzten Blick auf die Eisbecher. Dann packen sie immer drei in eine Schachtel. Und ab geht’s Richtung Supermarkt!

Eine Abfüllanlage für Spaghetti-Eis. Eine Mitarbeiterin füllt Verpackungsmaterial nach. Ab in die Becher und Deckel drauf. Foto: Friso Gentsch

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