Paulas Nachrichten

Nach Fastnacht brennen die Funkenfeuer

17.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bunte Kostüme, Musik und jede Menge Spaß – so wird in diesen Tagen Fastnacht oder Karneval gefeiert. Kaum ist das vorbei, steht das nächste Ereignis an: das Funkenfeuer in einigen Gemeinden im Süden Deutschlands.

„Das Funkenfeuer ist ein uralter und schöner Brauch zum Beginn der Fastenzeit“, erzählt Rosi Speiser. Die 50-Jährige lebt in Wertach in Bayern. Der Ort ist ziemlich klein. Trotzdem werden die Wertacher bis zu sieben Funkenfeuer entzünden – auf mehreren Hügeln.

Bis es so weit ist, bereiten die Menschen dort einiges vor. Denn das Holz muss vorher gesammelt und gestapelt werden. Dafür sind die Jugendlichen im Ort zuständig. Sie klappern die Häuser ab und fragen, ob sie Holz bekommen. Auch alte Weihnachtsbäume nehmen sie mit. Dann bringen sie alles auf den Funkenplatz und türmen es meterhoch auf. „Früher haben sie das Holz noch mit großen Schlitten über den Schnee gezogen. Heute holen sie es mit dem Traktor ab“, erzählt Frau Speiser. Sobald der große Holzstapel aufgebaut ist, müssen die Jugendlichen ihn gut bewachen – manchmal auch über Nacht. „Das ist wichtig, damit niemand Schabernack treiben kann und den Stapel schon vor dem Funkenabend anzündet“, sagt Rosi Speiser. Das ist tatsächlich schon ein paar Mal passiert.

Am Sonntag nach Aschermittwoch ist es dann so weit. Um sieben Uhr abends geht es los: Mit Fackeln wird der Haufen angezündet. Große Menschenmengen versammeln sich um die Feuerstelle. Die Leute betrachten die Flammen, wie sie meterhoch in den Nachthimmel schlagen. Für die Besucher gibt es warme Getränke und Funkenküchle – ein süßes Gebäck. Das wird immer nur zu diesem besonderen Anlass gebacken. Und da die Feuerstellen meist auf Bergrücken oder Hügeln sind, kann man überall rundherum Flammen lodern sehen.

Brauch mit Hexen ärgert Leute

Eine Hexe – die spielt beim Funkenfeuer in vielen Orten eine wichtige Rolle. Die Mädchen aus dem Ort basteln sie zusammen mit ihren Müttern. Aus Stroh oder Heu, alten Bezügen von Kissen und Feinstrumpfhosen formen sie eine Puppe.

Damit sie auch wie eine Hexe aussieht, ziehen die Mädchen ihr bunte Kleider an. Sie binden ihr ein Kopftuch um und malen mit Wasserfarbe ein Gesicht. Die Puppe wird beim Funkenfeuer auf einer Stange in die Mitte des Holzstapels gesteckt. So ist sie gut zu sehen. Wenn die Hexen-Puppe Feuer fängt und abbrennt, ist das für viele der Höhepunkt des Abends. Manche sagen, das Verbrennen der Puppe bedeutet: Der Winter und damit alles Schlechte wird vertrieben. Anderen Menschen gefällt dieser Brauch dagegen überhaupt nicht. Sie sagen, dass das Verbrennen von Hexen an schlimme Zeiten erinnert. Vor Hunderten von Jahren verfolgte man manche Frauen. Man behauptete, sie seien Hexen und verbrannte sie auf Scheiterhaufen. Deshalb ärgern sich heute viele darüber, dass daraus beim Funkenfeuer ein lustiges Remmidemmi gemacht wird.

Hohe Holzstapel werden angezündet, um den Winter auszutreiben. Foto: Andreas Ellinger

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