Paulas Nachrichten

Mutiger Zapfenkraxler – Klettern in Eis und Kälte

12.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Er hängt an einem großen Eiszapfen und schaut hinunter. Da ist lange nichts. Viele hundert Meter trennen ihn vom Boden. Kletterer Frank Bültge blickt hoch. Bis ganz oben ist es noch ein weites Stück. Mitten in den Bergen klettert er einen gefrorenen Wasserfall hinauf. „Die Tiefe unter dir und die Weite um dich herum sind atemberaubend“, erzählt er.

Der Wasserfall besteht oben aus einer welligen Eisfläche, die an einem Felsvorsprung klebt. Sie sieht ein bisschen so aus wie ein weißer Vorhang, der sich im Wind wölbt. Weiter unten spaltet sich die Fläche auf in lange Zapfen. An einem davon hängt Frank Bültge.

Der 35-Jährige ist Eiskletterer. Er kraxelt etwa in Thüringen oder in den Alpen – auf jeden Fall dort, wo es besonders kalt und rutschig ist. Er ist extrem mutig. Sein Hobby ist ziemlich gefährlich.

Frank Bültge umklammert eine Art Hammer. Den schlägt er über sich kräftig ins Eis und prüft, ob er fest sitzt. Kleine, klirrend kalte Splitter spritzen ihm ins Gesicht und sausen dann nach unten. An seinem Gerät zieht er sich hoch. Die Zacken an den Sohlen seiner Stiefel tritt er in das Eis, um Halt zu haben. So geht es nach oben.

Der Sportler muss bei jedem Schritt aufpassen. Denn einen Wasserfall, einen Gletscher oder eine Eiswand hinaufzuklettern, ist schwierig. Die großen Zapfen können zum Beispiel genauso brechen wie die kleinen an einer Dachrinne, wenn man an ihnen zieht. Wenn es zu warm ist, fangen sie an zu schmelzen und können brüchig werden. „Bevor wir hochsteigen, müssen wir genau einschätzen: Wie sehr hat die Sonne das Eis schon aufgeweicht? Kann es leicht brechen?“, erklärt der Thüringer.

Ein Kletterer kann auch abrutschen. Deswegen steigt Frank Bültge in der Regel nicht alleine eine Eiswand hinauf, sondern mit einem Freund. Der ist mit einem Seil mit ihm verbunden. Das Seil hängt an einem Haken im Eis. Wenn er ins Rutschen gerät, kann der Freund mit seinem Gewicht den Sturz aufhalten.

Frank Bültge findet, die Kälte fühle sich gut an. Natürlich hat er auch schon mal blaue Lippen bekommen, „aber das gehört dazu“, sagt er. „Umso schöner ist es, wenn man sich nach einer Tour am Kamin wieder aufwärmen kann.“

Eiskletterer klettern dort, wo es besonders kalt und rutschig ist. Foto: privat

Paulas Nachrichten