Paulas Nachrichten

Mobbing in der Schule: "Iiih, du bist so ekelig!"

16.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jan hat keine Freunde in seiner Klasse, der 7b. Das ist schlimm für ihn. Aber noch schlimmer ist: Viele Kinder sind in der Schule unglaublich fies zu ihm, jeden Tag. Sie mobben ihn. „Ein paar Mädchen rufen immer: ,Iiih, du bist ekelig‘. Dann laufen sie weg“, erzählt Jan. Einige Jungs verdrehen ihm den Arm, dass es wehtut. Ständig kommen neue Gemeinheiten dazu. „Heute hat Karla meinen Fahrradhelm mit Absicht runtergestoßen, dreimal“, sagt Jan.

Früher hatte der Zwölfjährige viele Freunde. Die Ärgerei fing vor zwei Jahren an, kurz nachdem Jan aufs Gymnasium gewechselt war. „Anfangs habe ich mich mit allen gut verstanden. Dann hat einer angefangen“, sagt Jan. Pelle freute sich, als Jan weinte. Seitdem hört er nicht mehr auf, ihn zu ärgern. Etwa jeder Dritte aus der Klasse macht mit. Die anderen sehen zu und helfen nicht. Als ihn zwei Freunde aus der Anfangszeit das erste Mal im Stich ließen, „das war mein schlimmster Tag“, sagt Jan. „Weil ich so enttäuscht war.“

Sein Lehrer konnte auch nicht helfen. Jan war irgendwann so verzweifelt, dass Gabriele Steentjes von der Beratungsstelle Rebus in Hamburg eingeschaltet wurde. Sie versucht, Kindern wie Jan zu helfen, und macht zum Beispiel klar: „Mobbing kann eigentlich jeden treffen.“ Oft sind es Kinder, die etwas anders sind als andere. „Sie haben andere Interessen, ziehen sich anders an oder sind eher still. Für einige Schüler sind das schnell die Loser, die Verlierer. So fühlen sich die Kinder dann auch“, sagt Steentjes.

Jan zum Beispiel sammelt Fantasy-Karten. Das finden die anderen uncool. Aber soll er damit aufhören? „Nein, man kann und soll ja kein anderer Mensch werden“, sagt Steentjes. Das Problem: Wenn das Ärgern angefangen hat, beginnt oft ein Teufelskreis. „Das gemobbte Kind fängt an, den Unterricht zu stören, unangenehm aufzufallen oder zieht sich völlig zurück. Die anderen finden das doof, grenzen das Kind noch mehr aus und so weiter“, sagt Steentjes. Jan versucht deshalb normal zu sein und die Ärgerei kaum zu beachten.

„Ich spare die Wut in mir auf und lass sie erst auf dem Weg nach Hause beim Radfahren raus“, sagt er. Dass ihm das gelingt, macht ihn stolz. Jan und anderen Kindern hilft es auch, wenn sie nicht mehr schweigen, sondern mit Steentjes über die Gemeinheiten reden. „Die Kinder fühlen sich dann nicht mehr ganz so allein und hilflos“, sagt sie. Jan hat so auch wieder Mut gefunden, Freunde außerhalb seiner Klasse zu suchen. „Ich habe bei einem Fantasy-Club zwei Jungen kennengelernt“, sagt er. „Wir verstehen uns super.“

Jan hat keine Freunde in seiner Klasse. Das ist schlimm für ihn. Aber noch schlimmer ist: Viele Kinder sind in der Schule unglaublich fies zu ihm, jeden Tag. Sie mobben ihn.

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