Paulas Nachrichten

Mit dem Nachtzug durch Deutschland

07.01.2017, Von Gioia Forster — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Auf Schienen von Hamburg im Norden nach München im Süden

Viele Menschen verreisen mit dem Flugzeug oder dem Auto. An den Nachtzug denken nur wenige – dabei hat er viele Vorteile! Unsere Reporterin hat eine Reise im Nachtzug ausprobiert.

Das Foto zeigt einen Nightjet der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), der zwischen Hamburg und München (Bayern) fährt. Unsere Autorin war mit so einem Nachtzug unterwegs. Foto: Wegscheider/ÖBB

HAMBURG/MÜNCHEN. Es rattert, brummt und schaukelt, als würde mich der Zug in den Schlaf singen. In meinem kleinen Stockbett ist es eng, aber trotzdem gemütlich. Ich gucke nach draußen, dort sehe ich gelegentlich ein Licht am Fenster vorbeiziehen. Sonst ist es dunkel. Es ist tief in der Nacht und mein Zug befindet sich irgendwo in Deutschland.

Viele Menschen verreisen heutzutage mit dem Flugzeug. Das ist oft schneller und günstiger als andere Verkehrsmittel. Oder sie fahren am Tag mit dem Zug. Dabei ist der Nachtzug eigentlich sehr praktisch: Man kann schlafen, während man reist, und kommt morgens ausgeruht am Ziel an. Und es ist ein kleines Abenteuer.

Ich will das ausprobieren und steige am Abend in Hamburg im Norden von Deutschland in den Zug. Ich bin ganz aufgeregt – lange ist es her, dass ich mit dem Nachtzug gefahren bin. Ein Schaffner zeigt mir mein Abteil im Schlafwagen. Dort sind drei schmale Betten übereinander und ein kleines Waschbecken. Viel mehr Platz ist nicht: Meinen Koffer und meinen Rucksack kann ich gerade noch in das Abteil quetschen.

Und schon rollt der Zug aus dem Bahnhof. Doch das bemerke ich kaum – denn ich bin tief im Gespräch mit meiner netten Zimmernachbarin. Kerstin Haßmann ist 55 Jahre alt und fährt gern und oft mit dem Nachtzug. Sie erzählt mir von ihren vielen Reisen: Zum Beispiel, als sie mal für einen Tag mit dem Nachtzug nach Italien gefahren ist, um sich ein berühmtes Kunstwerk anzuschauen.

Der Schaffner unterbricht uns. Er fragt nach, was wir morgen früh essen möchten. Denn im Schlafwagen gibt es Frühstück! Tee oder Orangensaft, Joghurt oder Wurst und Käse – bei der großen Auswahl kann ich mich kaum entscheiden.

Die Zeit verfliegt und erst jetzt merke ich, wie spät es ist: fast Mitternacht. Höchste Zeit, schlafen zu gehen. Ich klettere mit einer kleinen Leiter in meinen Schlafplatz, das mittlere der drei Betten. Ich kuschele mich unter meine große Decke. Sogar eine eigene Leselampe habe ich – ich bin aber viel zu müde, um noch zu lesen.

Ich habe Glück: Meine Zimmernachbarin schnarcht nicht! Das Rattern des Zuges, das Brummen des blauen Nachtlichts und das leichte Schaukeln des Schlafwagens finde ich beruhigend. Schon bald schlafe ich tief und fest.

Dann reißt mich ein Klopfen an der Tür aus meinen Träumen. Der Schaffner guckt durch den Spalt. „Frühstück!“, ruft er. Das ging aber schnell! Vor meinem Fenster erscheinen schon die Lichter Münchens. Nach dem nächtlichen Abenteuer habe ich großen Hunger und falle über mein Brötchen und meinen Kaffee her.

Kurze Zeit später steige ich am Münchner Hauptbahnhof etwas müde, aber glücklich aus dem Zug. Die Nachtzugfahrt hat Spaß gemacht. Trotzdem freue ich mich, heute Nacht in meinem eigenen Bett zu schlafen – das nicht auf Schienen fährt.

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