Paulas Nachrichten

Milben machen meinen Käse würzig

05.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Normalerweise stellt man Käse mit Bakterien oder Pilzen aus Milch her. In Würchwitz, einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt, haben sich die Menschen etwas anderes ausgedacht: Sie machen Käse mit Milben!

Kein Witz! Aus aller Welt kommen Journalisten und Wissenschaftler, um den Milbenkäse zu sehen.

Und sie schauen dem ehemaligen Lehrer Helmut Pöschel über die Schulter, wenn er den Käse herstellt.

So haben es schon seine Mutter, seine Großmutter, und seine Urgroßmutter getan. dpa-Nachrichten für Kinder hat ihn ausgehorcht.

nWie macht man Milbenkäse?

Helmut Pöschel: „Man nimmt Quark, entwässert ihn und würzt ihn mit Kümmel, mit Salz und mit Holunderblüten. Dann formt man so kleine Würste, trocknet sie in der Sonne und legt sie in eine Kiste.

In der Kiste sind 250 Millionen Milben. Diese Spinnentiere haben acht Beine und sind nur 0,3 Millimeter groß. Man sieht sie mit dem Auge kaum und denkt, das ist Mehl oder Sand.

Die Milben schleckern an dem Käse rum, und die Spucke dringt in den Käse ein und gibt dann diesem Käse den Geschmack und die Haltbarkeit.

Der Käse hält unheimlich lange, so 50 oder 100 Jahre sind kein Thema. Milbenkäse ist ein richtiger Hartkäse, der aussieht wie Bernstein.“

nWarum fressen die Milben den Käse nicht auf?

Helmut Pöschel: „Wir tun immer eine Hand voll Roggenmehl in die Kiste, weil die Käsemilben das gerne fressen. Die dürfen nämlich von den 100 Gramm Käse nur die Hälfte abfressen. Wenn sie zu viel abfressen, hat man Pech. Wenn alles gut geht, hat man nach drei Monaten sehr schmackhaften Milbenkäse. Und außen rum sind immer noch ungefähr 100 000 Tiere.“

nIsst man die Milben mit, wenn man Milbenkäse isst?

Helmut Pöschel: „Ja, die isst man mit, und sie leben auch noch. Innen drin sind keine Milben. Wer sich vor den Tieren ekelt, der muss ein bisschen warten, dann fallen die meisten vom Käse ab. Man kann den Käse auch mit einem Spargelschäler schälen. Aber das wäre traurig, weil die Milben sehr gut schmecken. Manche Leute essen den Käse sofort, manche trauen sich nicht und sagen ‚igittigitt‘.“

nWie schmecken die Käsemilben und der Milbenkäse denn?

Helmut Pöschel: „Die Milben schmecken besonders würzig. Mit einer leicht bitteren Note. Man muss schon mal eine Milbe gegessen haben, um das zu verstehen. Der Käse schmeckt ähnlich wie ein Harzer Käse. Man muss das einfach mal probieren. Man kann den Käse bis zu einem Jahr in der Kiste lassen, dann wird er schwarz innen und ist besonders würzig. Dafür kostet er dann auch mehr. Am besten schmeckt er auf einem Butterbrot zusammen mit Kakao.“

Käsemacher Helmut Pöschel aus Würchwitz in Sachsen-Anhalt mit seinen Käsekisten, in denen er Milbenkäse herstellt. Helmut Pöschels Milbenkäse sieht aus wie braune Würstchen. Mit der Lupe allerdings sieht man es darauf krabbeln. Foto: privat

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