Paulas Nachrichten

Manche Tiere finden Höhlen toll

29.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ob es morgens oder abends ist, das ist ihm egal. „Unser Höhlenkäfer schläft und frisst, wann er will“, erzählt Anne Ipsen. Allerdings kriegt das kleine Insekt auch gar nicht mit, wenn es bei uns Tag und Nacht ist, erklärt die Höhlenforscherin. Denn der Käfer lebt in der Segeberger Kalkhöhle im Bundesland Schleswig- Holstein. Im Inneren der Höhle spürt man beim Licht weder Tag noch Nacht – und auch bei der Temperatur weder Sommer noch Winter. Es ist immer etwa zehn Grad kalt, dunkel und ziemlich feucht.

Ist das Leben in so einer Höhle nicht ganz schön ungemütlich? „Nur für uns Menschen“, stellt der Höhlentier-Experte Dieter Weber aus Hessen klar. „Für Tiere sind Höhlen ein toller Lebensort.“ Sie müssen sich nicht gegen eiskalte Winterstürme wappnen und nicht vor heißen Sommertagen schützen. „Außerdem gibt es in einer Höhle wenig Feinde“, sagt der Tierexperte.

Aber wie kommen die Viecher so im Dunkeln zurecht? „Höhlentierarten leben oft seit vielen zehntausend Jahren in der Höhle“, erklärt der Experte. „Sie haben sich an den besonderen Lebensraum angepasst.“ Statt mit ihren Augen orientieren sich Höhlentiere unter anderem mit Nase, Armen und Beinen. „Sie haben einen sehr guten Geruchssinn und meist verlängerte Gliedmaßen mit Haaren und Tastantennen“, sagt Weber. Das hilft ihnen in der Finsternis. Zum Beispiel, wenn sie ihre Artgenossen treffen wollen und sich fortpflanzen. Und auch beim Wichtigsten: etwas zu fressen zu finden. „Das ist der einzige echte Nachteil in einer Höhle“, gibt Weber zu. Nahrung ist äußerst knapp: Nur wenige andere Tiere leben hier. Und grüne Pflanzen wachsen hier nicht.

Daher sparen Höhlentiere, wo sie können. „Der Segeberger Höhlenkäfer legt nur etwa 30 Eier. Normal sind für andere Käfer um die 60 Eier“, berichtet die Höhlen-Biologin Anne Ipsen. Dafür sind die Eier des Höhlenkäfers dicker. „Die schlüpfende Larve hat so viel Eidotter zum Fressen und damit bessere Startbedingungen.“

Ganz besonders angepasst hat sich der Käfer an seine zeitweiligen Mitbewohner: die Fledermäuse. Die Käfer paaren sich nämlich im Sommer und legen Eier. Und wenn vom Herbst an die Fledermäuse in der Höhle Winterschlaf halten, schlüpfen die jungen Käfer. „Fledermauskot und tote Fledermäuse sind eine gute Futterquelle für den Käfer“, erklärt Anne Ipsen.

Stark vergrößerter Kopf eines Höhlenkäfers aus der Segeberger Kalkhöhle. Auf dem Bild sind Haare und Antennen zu sehen, die der Käfer zum Tasten im Dunkeln braucht. Foto: Noctalis Fotoarchiv, Bad Segeberg

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