Paulas Nachrichten

Klingeln bei Fremden im Haustür-Wahlkampf

07.09.2017, Von Sophie Rohrmeier — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die meisten Leute sind freundlich, wenn sie einem Kandidaten die Tür öffnen

Anna-Lena Mühlhäuser klingelt in ihrer Freizeit an vielen Wohnungstüren. Sie will die Menschen an die Bundestagswahl am 24. September erinnern. Sie macht Haustür-Wahlkampf. Dabei bekommt sie auch einen Eindruck vom Leben der Menschen.

Anna-Lena Mühlhäuser und der Kandidat ihrer Partei warten, dass jemand die Tür öffnet. Foto: Sophie Rohrmeier

Anna-Lena Mühlhäuser klingelt an einer Wohnungstür in einem Mietshaus. Die junge Frau wartet ein bisschen, dann hört sie die Holzdielen in der Wohnung knarzen. Jemand öffnet die Tür. „Hallo! Ich möchte Ihnen unseren Bundestagskandidaten vorstellen“, sagt Frau Mühlhäuser. Sie geht an diesem frühen Abend in München im Bundesland Bayern von Haus zu Haus. Der Bundestagskandidat ihrer Partei begleitet sie. Die beiden machen Werbung für ihre Partei SPD.

Bald ist Bundestagswahl – am 24. September. Die Menschen in Deutschland können an diesem Tag ein neues Parlament wählen. Und Anna-Lena Mühlhäuser möchte, dass möglichst viele Menschen für den Kandidaten stimmen, den sie gut findet.

Deshalb klingeln die beiden an den Türen. Wenn jemand öffnet, stellt sich Frau Mühlhäuser vor. Sie gibt den Menschen einen Prospekt über ihre Partei und zeigt ihnen den Kandidaten. Das nennt man auch Haustür-Wahlkampf.

Nicht nur die SPD, auch andere Parteien wie die CDU machen diese Art von Wahlkampf. Denn die Methode funktioniert: „Es geht um die Leute, die vielleicht noch den letzten Tritt in den Hintern brauchen“, erklärt Thorsten Faas. Er ist Wahlkampf-Forscher. Menschen, bei denen Politiker an der Tür waren, gingen eher zur Wahl als solche, bei denen niemand war.

Der Experte sagt: Die Wahlkämpfer und die, bei denen sie klingeln, fühlten sich erst einmal ein bisschen unbehaglich. Aber dann seien beide Seiten meistens angenehm überrascht. So geht es auch Anna-Lena Mühlhäuser. „Kinder reden auch nicht gern mit fremden Menschen“, sagt sie. Bei Erwachsenen sei das nicht anders. „Die ersten zwei, drei Mal Klingeln sind schwierig“, erzählt sie. „Dann hat man aber meistens gute Erfahrungen gemacht mit den Leuten – und dann geht’s ganz gut!“

Die Menschen rechneten oft nicht damit, dass Kandidaten sich die Mühe machen, zu ihnen zu kommen, erklärt Thorsten Faas. Deshalb freuen sich viele. Und wenn man jemandem die Tür öffnet, muss man auch reagieren. „Da wissen die Menschen auch, dass man in so einer Situation einigermaßen höflich sein soll“, sagt er.

Das Schlimmste, das Anna-Lena Mühlhäuser beim Wahlkampf einmal passiert ist: Jemand hat die Tür vor ihrer Nase zugeschlagen. „Sonst waren alle freundlich“, erzählt sie.

Als Haustür-Wahlkämpferin bekommt Anna-Lena Mühlhäuser oft einen Einblick in das Leben der Leute. Wenn auch nur ganz kurz. Mal kocht gerade eine Familie, mal hört man ein Baby schreien. Mal hat ein Mann seine Hose nicht an. Deshalb steckt er nur kurz den Kopf durch den Türspalt. Den Flyer nimmt er trotzdem.

Paulas Nachrichten

Gitarre spielen ohne Gitarre

Luftgitarristen auf der Bühne

Jemand macht auf einer Bühne wilde Bewegungen und trägt dabei ein Kostüm. Vielleicht spielt derjenige ja Luftgitarre. So nennt man es, wenn jemand ohne E-Gitarre E-Gitarre spielt. Es gibt sogar eine Weltmeisterschaft.…

Weiterlesen

Weitere Nachrichten von Paula Alle Nachrichten