Paulas Nachrichten

Kitty sitzt im Fundbüro

30.03.2013, Von Julia Lutzeyer — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wer etwas findet, das ihm nicht gehört, kann es nicht einfach behalten

Ein weißes Plüschkätzchen? Wem das wohl gehört und vermutlich auch fehlt? Gefunden wurde das Kuscheltier vor dem Rathaus in Stuttgart-Degerloch. Nun ist es im Fundbüro der Stadt Stuttgart gelandet.

Mehrere Reihen Fahrräder warten im Fundbüro auf ihre rechtmäßigen Besitzer

Schirme, Handschuhe, Schlüssel, Jacken: Diese Dinge gibt es im Stuttgarter Fundbüro zuhauf. „Im Jahr werden etwa 8000 bis 10 000 Fundsachen abgegeben“, sagt Markus Woidtke. Er arbeitet seit fast fünf Jahren im Fundbüro der Stadt. Zum Team gehört noch sein Chef. Doch der hat gerade ein paar Tage frei.

Den Großteil der Sachen erhält das Fundbüro von der Polizei. Auch die Bürgerbüros leiten häufig Fundstücke weiter. Oder die Kaufhäuser. Denn auch dort wird eine Menge liegen gelassen und auch vergessen, zum Beispiel in den Umkleidekabinen. Und wenn das Volks- oder Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen stattfindet, füllt sich das Fundbüro mit dort vergessenen Pullovern und Mänteln.

Herr Woidtke hat eine Menge zu tun. Ständig klingelt das Telefon. Dennoch nimmt er sich Zeit für eine kleine Führung durch die bis unter die Decke mit einfachen Metallregalen bestückten Räume. In einem Saal gibt es statt der Regale, Kartons oder gefüllten Tüten eine kleine Bühne vor momentan leeren Stuhlreihen. Herr Woidtke erklärt: „Hier finden die Versteigerungen statt.“

Versteigerungen? Wie in einem Auktionshaus? Genau. Denn Fundsachen, die innerhalb von sechs Monaten nicht von ihren jeweiligen Eigentümern abgeholt wurden, werden versteigert. Wer also etwas verloren hat, sollte nicht bis zum Spätsommer warten, sondern möglichst bald beim Fundbüro vorbeischauen.

Nicht alles wird versteigert: „Getragene Kleidung geben wir an den wohltätigen Verein Trott-War weiter. Noch haltbare Lebensmittel bekommt die Schwäbische Tafel“, sagt Markus Woidtke. In diesem Verein, der genau gegenüber des Fundbüros liegt, können sich arme Leute für wenig Geld Lebensmittel kaufen.

Doch warum werden so viele herrenlose Dinge nicht geholt? „Die Leute haben zu wenig Geduld“, meint Herr Woidtke. „Auf den meisten Sachen bleiben wir sitzen.“ Gut laufen aber die Versteigerungen. Es gibt sogar spezielle für Fahrräder. Denn auch Drahtesel können in der Hauptstätter Straße 66 wiedergefunden oder eben ersteigert werden. Die Einnahmen gehen dann in die Stadtkasse.

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