Paulas Nachrichten

Julian und Paulina mahlen Mehl wie vor 130 Jahren

11.06.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Getreide wird heute meist vollautomatisch in großen Fabriken gemahlen. Niemand schleppt mehr säckeweise Weizen oder Roggen zu einer richtigen Windmühle. Manche alten Mühlen kann man aber noch besuchen. Sie funktionieren sogar noch.

„Das riecht gar nicht so lecker wie Brot“, findet Julian. „Stimmt, eher wie Pferdefutter“, kichert Paulina. Die beiden haben gerade aus Roggenkörnern selbst Roggenmehl gemahlen: in der Windmühle „Johanna“ in Hamburg in Norddeutschland. Jetzt rieselt es wie samtiger Sand durch ihre Hände – fein und hellbraun-grau ist das Mehl, das unter dem Mahlstein hervorquillt.

Eine Mühle ist so etwas wie eine riesige Maschine, die die Kraft von Wind oder Wasser nutzt, um etwas herzustellen – zum Beispiel Mehl aus Getreide oder Papier aus Holz. „Johanna“ ist mehr als 130 Jahre alt. Wer sie von innen sehen will, muss gut Treppen steigen können. Der neunjährige Julian und die zehn Jahre alte Paulina klettern mehr als achtzig Stufen und Leitersprossen hoch: vom Erdgeschoss der Mühle über den Absackboden, den Mahlboden, den Stirnradboden und den Lorryboden bis unters Dach der Mühle, zum Kappboden.

Oben liegen die Technik-Stockwerke: Hier befinden sich die Zahnräder und Wellen, die die Windmühlenflügel mit den Mahlsteinen verbinden. In den unteren Geschossen wird das Getreide mit Hilfe von Seilen, Gewichten und Zahnrädern durch Luken und Rohre zum Mahlgang befördert.

„Der Mahlgang besteht aus zwei Steinen“ erklärt Carsten Schmidt. „Unten liegt ein fester Bodenstein, darüber ein beweglicher Läuferstein, der 1100 Kilo wiegt.“ So schwer ist etwa ein großes Pferd. „Wenn Wind weht und sich die Mühlenflügel drehen, dann dreht sich der Läuferstein und mahlt das Getreide, das zwischen die Steine geschüttet wird. So entsteht das Mehl.“

Früher gab es in jedem größeren Ort eine Mühle. Dorthin brachten die Bauern ihr Getreide, um aus dem Mehl Brot backen zu können. Es war meist genau festgelegt, wie viel Mehl der Müller als Bezahlung behalten durfte. Und es gab Regeln, wer sein Mehl wo mahlen lassen konnte.

Heute kommt unser Mehl meist aus einer Fabrik. Aber hin und wieder schmeißt Carsten Schmidt die alte „Johanna“ an: Wenn sich die Flügel drehen und die Mühle klappert, dann wird hier noch auf die alte Weise Getreide gemahlen. Und mit Wasser, Hefe oder Sauerteig und Gewürzen wird daraus leckeres Mühlenbrot. Das schmeckt mit Paulinas und Julians selbst gemahlenem Mehl besonders gut!

Das Roggenmehl ist ganz fein und bräunlich-weiß. Fotos: Sarah Pust

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