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Im Namen des Volkes Kinder spielen Gerichtsverhandlung nach – Richterin steht Rede und Antwort

31.08.2013, Von Markus Brinkmann — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Urteil über einen Angeklagten zu fällen ist gar nicht so leicht. Das haben 15 Kinder beim Besuch des Schorndorfer Amtsgerichts festgestellt. Sie durften eine Sitzung nachspielen.

Unter der Anleitung von Christian Veith verurteilen Laurenz, Markus und Sofia den Angeklagten.

Sicherlich weißt du, dass man nicht klauen darf. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die das trotzdem tun. Werden sie erwischt, landen sie vor Gericht und werden verurteilt. Es ist gar nicht so einfach, einen Menschen ins Gefängnis zu werfen. Das mussten Markus (11), Laurenz (10) und Sofia (9) feststellen. Die drei durften beim Ferienprogramm im Amtsgericht in Schorndorf nämlich die Richter spielen.

Dabei war der nur ausgedachte Fall eigentlich klar: Der 15-jährige Jochen Müller hatte in einem Laden eine CD geklaut. Beim Rausrennen hatte er außerdem noch den Detektiv, der ihn beim Klauen erwischt hatte, unglücklich umgerempelt. Doch Jochen war geständig. Er hatte einen Brief an den Richter geschrieben und alles zugegeben.

Im Spiel durfte Carolin (11) den Angeklagten spielen. „Ich bekomme nicht viel Taschengeld“, versuchte sie den Richtern in der Verhandlung zu erklären. „Und ich habe ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund gebraucht.“ Sie hätte die CD auch tatsächlich schon verschenkt. Dass sie den Detektiv umgerempelt habe, tue ihr sehr leid.

Am Ende hilft alles nichts: Markus, Laurenz und Sofia befinden Jochen Müller für schuldig. Sie verurteilen ihn im Namen des Volkes zu 95 Arbeitsstunden. Außerdem soll er dem Detektiv im Garten helfen. Auf eine Geldstrafe verzichten die drei, weil Jochen Müller alles zugegeben hat.

„Ich war schon ganz schön aufgeregt, als ich da oben gesessen bin“, erzählt Laurenz. „Die richtige Entscheidung zu treffen war in diesem Fall gar nicht so einfach.“ Es sei ja irgendwie verständlich, dass der Angeklagte Jochen Müller seinem Freund etwas zum Geburtstag schenken will. „Aber man darf eben nicht klauen“, sagt Laurenz. Und als Richter dürfe man beim Urteilen auch kein Mitleid haben.

Pia (11) durfte die Verteidigerin des Angeklagten spielen. In ihrem Abschlussplädoyer beantragte sie eine möglichst milde Strafe. „Ich habe gesehen, wie wichtig ein Anwalt ist“, sagte Pia nach dem Spiel. Der Angeklagte wisse nicht, was er vor Gericht machen soll. „Er würde sicher über den Tisch gezogen, wenn es keinen Anwalt gäbe.“ Natürlich haben die Kinder auch eine richtige Richterin getroffen: Petra Freier beantwortete alle Fragen. Torben (12) wollte wissen, wie viele Verhandlungen die Richterin im Jahr führt. „Im Schnitt bearbeite ich 40 neue Fälle pro Monat“, erzählte Petra Freier. Warum der Richter immer eine Robe trage, wollte Marie-Luise wissen. „Dadurch sehen alle Richter gleich aus, das verschafft Respekt“, erklärt die Richterin. Auch wenn sie schon mal einen Kollegen hatte, der unter der Robe eine kurze Hose und Sandalen anhatte. „Das sieht dann eher lustig aus“, sagt Petra Freier und lacht. Am Ende sind sich die Kinder dann aber einig: „Jetzt weiß ich, wie eine Gerichtsverhandlung abläuft“, sagt Torben. Und auch Markus ist zufrieden. Er will nämlich wissen, wo der Gerichtshammer liegt. „Den gibt’s nur in Amerika“, verrät Petra Freier. „Aber bei manchen Verhandlungen wäre ich froh, ich hätte auch so einen.“

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