Paulas Nachrichten

Heiraten statt in die Schule gehen

15.09.2018, Von Jürgen Bätz — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Viele Mädchen in Mali werden sehr jung gegen ihren Willen verheiratet

In vielen armen Ländern müssen Mädchen oft sehr jung heiraten. Das passiert häufig gegen ihren Willen. Für die Mädchen kann das große Nachteile haben. In Mali kämpfen Helfer deswegen gegen die frühen Heiraten.

Im Dorf M’Pentièrébougou in der Region Koulikoro im Zentrum Malis gibt es weder befestigte Straßen noch elektrischen Strom oder fließendes Wasser. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Foto: Jürgen Bätz

Sanamba war 14 Jahre alt, als ihre Eltern ihr plötzlich sagten, dass sie heiraten müsse. „Ab heute gehst du nicht mehr in die Schule“, erklärten sie ihr. Sanamba kommt aus dem Land Mali in Afrika. So wie ihr geht es jedes Jahr vielen Mädchen in Afrika. Die Eltern zwingen ihre Töchter, schon früh zu heiraten.

Sanamba ist inzwischen knapp 17 Jahre alt und hat eine etwa zwei Jahre alte Tochter. Ihr Ehemann Balaké ist Landwirt und etwa zehn Jahre älter. „Ich habe alles versucht, um trotz Heirat weiter zur Schule zu gehen“, sagt Sanamba. „Aber mein Mann und seine Eltern haben sich geweigert.“

In Sanambas Heimatregion werden die meisten Mädchen schon vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Das liegt unter anderem daran, dass Mali ein sehr armes Land ist. Viele Eltern sehen keine andere Möglichkeit. Sie haben viele Kinder, aber nicht genug Geld, um gut für alle sorgen zu können. Wenn eine Tochter verheiratet wird, bekommen die Eltern von der Familie des Mannes Geld.

Aber für die Mädchen hat eine so frühe Heirat oft große Nachteile. Statt zur Schule zu gehen, müssen sie meist zu Hause bleiben und Hausarbeit machen. Doch ohne Schulunterricht können die Frauen später kaum Geld verdienen. Damit bleibt die Familie oft arm.

Deswegen kämpfen die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen dafür, dass junge Mädchen in der Schule bleiben können und nicht heiraten müssen. Dafür müssen sie viel Überzeugungsarbeit leisten. In Ländern wie Mali oder den Nachbarstaaten Senegal und Niger halten viele Menschen Kinderheiraten für normal.

Mitarbeiter etwa des Kinderhilfswerks Unicef fahren deshalb oft in abgelegene Dörfer wie das von Sanamba. Sie erklären den Menschen, warum eine frühe Heirat große Nachteile haben kann. Überzeugt sind die Bewohner häufig, wenn Helfer erklären, dass mehr Schuljahre der Tochter für die ganze Familie ein großer Vorteil sind. So kann sie dann später für die Familie mehr Geld verdienen. Außerdem bekommt sie meist weniger und gesündere Kinder.

Bei dem Mädchen Bintou hat das die Eltern überzeugt. „Ich wollte unter keinen Umständen für eine Heirat die Schule aufgeben“, erinnert sich die 17-Jährige. Sie ist schon seit ihrem 15. Lebensjahr verlobt. Die Eltern haben aber zur Bedingung gemacht, dass sie vor der Heirat ihre Schule abschließen darf.

Sehr langsam verbessert sich die Lage: In Westafrika und Zentralafrika ist der Anteil der Kinderehen zurückgegangen. Bintou will sich nun in ihrem Dorf dafür einsetzen, dass auch andere Mädchen eine gute Bildung bekommen. „Ich will die Gemeinschaft aufklären, wie wichtig es ist, Kinder in die Schule zu schicken.“ Sie hat für die Zukunft große Pläne: „Ich will Ärztin werden.“

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