Paulas Nachrichten

„Hattet ihr Schulhefte?“

20.01.2014, Von Regine Warth — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wie war das damals . . .? Kinder stellen Fragen, und Zeitzeugen antworten

Die Schiefertafel mit Schwamm und Lappen wurde noch bis 1970 in der Schule benutzt.

Im Jahr 1929 ist Lieselotte Wagenknecht in die Schule gekommen – wie heute mit sechs Jahren. Sie wohnte damals in der Stadt Anken bei Dessau im Bundesland Sachsen-Anhalt.

„In der ersten Klasse hatten wir keine Schulhefte“, erinnert sich die heute 91-Jährige, die nun in Remseck bei Stuttgart wohnt. Vielmehr hatte sie eine Schiefertafel.

Schiefer ist ein Gestein, aus dem dünne Platten gefertigt wurden. Und darauf konnte man schreiben. Dazu gab es keine Kreide, sondern Griffel. Das war ein Stift, der auch aus Schiefer hergestellt wurde.

„Der Griffel war so dünn wie ein Strohhalm, zur Hälfte mit Papier umklebt und vorne angespitzt“, sagt Lieselotte Wagenknecht. „Wenn man damit auf der Schiefertafel geschrieben hat, dann hat das immer so schön gequietscht.“

Der Schulranzen war aus Leder. Darin wurde die Schiefertafel transportiert. „Rechts und links waren am Schulranzen jeweils an einem Bändchen der Schwamm und das Tuch befestigt“, sagt sie. „Und wir mussten darauf aufpassen, dass der Schwamm immer feucht war.“ Dazu gehörte noch ein kleines Holzkästchen mit einem Schiebedeckel. Darin wurden die Griffel aufbewahrt.

„Richtige Hefte hatten wir dann erst in der zweiten Klasse“, sagt Lieselotte Wagenknecht. Obwohl es natürlich schon Hefte gab, als sie noch in der ersten Klasse war. Weil die Schüler dort aber das Schreiben erst lernten, war es einfacher, am Ende des Tages alles wieder wegzuwischen.

„Aber es gab natürlich keinen Kugelschreiber.“ Geschrieben hat sie damals mit einem Federhalter, in dem eine metallene Feder befestigt war. Auf den Tischen in der Schule waren dafür Tintenfässer befestigt.

„Da musste man die Feder eintunken und dann abstreifen, damit man damit schreiben konnte“, sagt sie. „Abstreifen war ganz wichtig, sonst hatte man einen riesigen Tintenklecks im Heft.“

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