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„Grönländische Kinder sind Schneekinder“

08.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eine riesige Insel, auf der das ganze Jahr über ein dicker Eispanzer liegt. Das ist Grönland. Die Insel liegt ziemlich nah am Nordpol. Dorthin verirren sich nur wenige Urlauber. Doch wie leben eigentlich die Menschen dort – mit all dem Eis und Schnee?

Der Fotograf und Fernsehmoderator Markus Lanz ist weit in den Norden gereist, um es herauszufinden. Der 41-Jährige ist mit den Inuit, den Ureinwohnern von Grönland, auf Robbenjagd gegangen. Seine Bilder und Erlebnisse hat er in einem großen Fotobuch gesammelt. dpa-Nachrichten für Kinder hat ihn gefragt, womit Kinder der Inuit gern spielen und ob ihnen nicht eigentlich dauernd kalt ist.

Wie sieht es auf Grönland aus?

„Auf dieser Insel liegt ein gigantischer Panzer aus Eis. Nur an der Küste gibt es einen schmalen Streifen, der relativ grün ist. Wenn es dann aber schneit und kalt wird, dann ist eben auch da Eis. Außerdem gibt es, weil es so kalt ist, in Grönland eigentlich fast das ganze Jahr Schnee.“

Wie finden das die grönländischen Kinder?

„Die Kinder dort lieben das, und das sieht man auch. Grönländische Kinder sind Schneekinder. Sie klettern auf Hausdächer, schmeißen sich rückwärts wieder runter und stecken dann kopfüber im Schnee drin. Regen ist nur nass. Aber mit Schnee kann man etwas anfangen. Da kann man Schneemänner und Schneehöhlen bauen und Schlitten fahren und wunderbare Schneeballschlachten machen.“

Ist den Kindern denn nie kalt?

„Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass grönländische Kinder eigentlich nie frieren. Sie sind einfach an diese Kälte gewöhnt. Das sind lustige Kinder. Zum Beispiel das Mädchen Eva aus meinem Buch. Sie ist etwa neun Jahre alt. Sie geht in die Schule dort. Und ist natürlich am allerliebsten nicht in der Schule, so wie unsere Kinder auch. Ansonsten spielt sie von morgens bis abends, ist mit ihren Freunden zum Beispiel am Hafen unterwegs und macht Schneeballschlachten.“

Haben die Kinder auch Spielzeug? Oder spielen sie nur mit dem Schnee?

„Sie spielen viel mit dem Schnee. Deshalb braucht man in Grönland eigentlich nur eine Sache: einen Spaten. Damit kann man dann Höhlen bauen im Schnee. Oder Rutschbahnen. Und mit so einer Schaufel kann man dann auch den anderen Schnee in die Windjacke kippen. Aber die Kinder in Grönland haben auch ein paar andere Spielzeuge, zum Beispiel Legosteine.“

Und was essen Kinder in Grönland gern?

„Zum Frühstück werden auch Cornflakes und Brot gegessen. Aber sonst essen die grönländischen Kinder seltsames Essen. Die werden von Anfang an an Robbenfleisch gewöhnt. Das heißt, sie mögen diesen Geschmack. Und dann essen sie ganz viel Fisch. Aber das muss ganz frischer Fisch sein.“

Haben die Kinder in Grönland auch Haustiere?

„Die Kinder haben immer kleine Hunde dabei. Mit denen spielen sie auch. Wenn die Hunde klein sind, dann dürfen sie noch im Dorf frei herumlaufen. Wenn sie dann ein Jahr alt sind, kommen sie an die Kette. Dann sind sie Schlittenhunde und dann müssen sie auch arbeiten. In einem grönländischen Dorf gibt es mindestens dreimal so viele Hunde wie Menschen. Weil jeder grönländische Jäger, der etwas auf sich hält, Hunde hat.“

Der Bildband „Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt“ porträtiert Grönland und das Leben der Inuit aus der Sicht und durch das Kameraobjektiv von Markus Lanz. Das Buch hat 304 Seiten, versammelt 200 Fotos und Karten, kostet 39,95 Euro und ist im National Geographic Deutschland Verlag erschienen.

Der Inuit-Jäger Paulus Simigaq ist auf dem Weg zur Robbenjagd. Er sitzt seitlich auf dem Schlitten. Die Haltung erlaubt es ihm schnell abzuspringen, wenn das Eis bricht. Foto: Markus Lanz

Das Inuit-Mädchen Eva in Tiniteqilaaq, Grönland, im Winter 2009. Foto: Markus Lanz

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